Neues Erfolgstandem? Arsene Wenger und Jens Lehmann wollen Arsenal wieder zu einem Topteam machen © SPORT1-Grafik: Davina Knigge/ Getty Images

München - Arsene Wenger plant ein neues und stärkeres Arsenal. Stars sollen bleiben. Dazu holt er Jens Lehmann an Bord. Der könnte für Mesut Özil und Co. wertvoll werden.

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Arsene Wenger ungeniert? Der doch nicht. Höchstens im Umgang mit Schiedsrichtern. Ansonsten ist der Coach des FC Arsenal die Selbstbeherrschung in Person. 

Doch das ändert sich nun nach zwei Jahrzehnten. Im Transfer-Sommer 2017 erlebt die Fußball-Welt die Renaissance der Marke Wenger - und zwar in vielen Facetten. 

Wenger im Kaufrausch

Kritiker haben lange darüber gestritten, in welcher Rolle Wenger konservativer agiert: als Trainer bei der Ausrichtung seines Teams oder als Manager, der sich um neue Spieler bemüht. 

Vielleicht gelangen sie in diesem Jahr zu einer Erkenntnis. Denn für Zugang Alexandre Lacazette hat Wenger mal eben den klubinternen Rekord für Ablösesummen gebrochen. 53 Millionen Euro - so viel Geld gab Arsenal nie zuvor für einen Spieler aus. 

Welche Dimension der Deal mit Olympique Lyon hat, verdeutlicht ein Blick auf Wengers Ausgabenbilanz in seiner bisherigen Amtszeit. In 16 seiner 21 Transfer-Phasen vor Saisonbeginn gab er für alle Neuzugänge insgesamt (!) weniger Geld aus als für seine erste Verpflichtung in diesem Sommer. 

Allein in den vergangenen zehn Jahren unterbot Arsenal diese Summe sechsmal. Und das, obwohl unter den neuen Spielern so klangvolle Namen wie Mesut Özil (2013/14) oder Petr Cech (15/16) waren. 

Botschaft an die Stars: Sanchez und Özil sollen bleiben

Wengers Transfer-Offensive kommt nicht von ungefähr. Zum ersten Mal unter seiner Regie hat Arsenal den Einzug in die Champions League verpasst. Die Fans warten seit 13 Jahren auf den Meistertitel. 

Bei Kritikern ist Wenger als störrischer Griesgram unten durch. Gegen Ende der abgelaufenen Spielzeit hofften sie, der 67-Jährige würde freiwillig seinen Posten räumen. Die Rechnung hatten viele gemacht - ohne Wengers Durchhaltevermögen zu berücksichtigen. 

Der Franzose will aus Arsenal wieder ein Spitzenteam formen - mit neuen und alten Stars. Geht es nach Wenger, dann soll die Verpflichtung Lacazettes den heiß umworbenen Alexis Sanchez zum Bleiben bewegen.

Der Chilene wird für horrende Summen bei internationalen Topklubs gehandelt. Dem Vernehmen nach winken Arsenal 70 Millionen Euro Ablöse. Nach PSG und Bayern soll jetzt Manchester City die besten Karten besitzen. 

Der Wenger von früher hätte den Torjäger ziehen lassen, und sei es zu einem nationalen Konkurrenten. Hauptsache das Geschäft stimmt. Inzwischen fährt man bei Arsenal offenbar eine andere Strategie. 

Dazu passt eine Meldung, die Telegraph und Mirror am Donnerstag veröffentlichten. Demnach setzt sich der Klub mit einer neuen Forderung Sanchez' auseinander: 400.000 Pfund (454.000 Euro) pro Woche - so viel soll der 28-Jährige für einen Verbleib bei Arsenal verlangen. Das entspräche einem Jahresgehalt von rund 23,6 Millionen Euro.

Wenger und Arsenal scheinen nicht abgeneigt. Zumal Sanchez' Treuebekenntnis die Chancen auf einen Verbleib von Mesut Özil erhöhen würden. Der Deutsche pocht ebenfalls auf einen neuen Vertrag zu besseren Konditionen. Bisherige Verhandlungen über eine Verlängerung scheiterten. 

Wohl nicht nur wegen Wengers eiserner Haltung, sondern auch weil die verpasste Champions League die sportliche Perspektive trübt. 

Lacazettes Verpflichtung, dazu ein möglicher Verbleib von Sanchez: Wenger ahnt, dass er Özil mit solchen Bonbons am ehesten ködert. 

Lehmann als Ansporn für schwächelnde Deutsche

Zu einem erfolgreichen Trainer gehört ein gutes Team an Assistenten. So gesehen ist es ein Coup, den Arsenal da am Mittwoch verkündete: Jens Lehmann rückt ab sofort in Wengers Stab auf.   

2004 gewannen beide gemeinsam die Meisterschaft. Wiederholt sich nun die Erfolgsgeschichte? Vor allem Lehmanns Einfluss auf die deutschen Spieler im Kader könnte noch wertvoll werden.

Mit Özil und Per Mertesacker spielte er noch zusammen in der DFB-Elf. Doch Mertesacker steht vor dem Ende seiner aktiven Karriere und Özil wird immer wieder für seine schwankenden Leistungen kritisiert. Shkodran Mustafi agierte vergangene Saison so fehlerhaft wie zuletzt beim Confed Cup. Verschafft ihnen ausgerechnet Lehmann einen Leistungskick? 

Bemerkenswert wäre das allemal. In seiner Rolle als Experte für Fernsehen und andere Medien ging der Ex-Torhüter wenig zimperlich mit seinen Landsmännern um. 

Über Mustafis Arbeitseifer spottete er unlängst: "Wenn jemand 40 Millionen Euro für mich zahlen würde, dann wäre ich nicht am nächsten Tag ein besserer Spieler." Und Özil watschte er mit den Worten ab: "Du musst mental ein großer Spieler sein, nicht nur im Dribbling."  

Scharfer Kritiker war Lehmann schon immer. Jetzt muss er sich als Antreiber bewähren. 

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