Huddersfield Town
David Wagner (l.) und Christopher Schindler peilen mit Huddersfield die Premier League an © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann/Getty Images/Imago

München - Im Aufstiegsendspiel gegen Reading (ab 16 Uhr im LIVETICKER) kann Huddersfield Town die Premier League sichern. Dem Team von David Wagner winkt ein Millionenregen.

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Stellen Sie sich vor, Sie spielen im legendären Wembley-Stadion um den Aufstieg in die englische Premier League - und keiner ihrer Freunde kommt zum Zuschauen.

So ergeht es Christopher Schindler: Zahlreiche ehemalige Teamkollegen des Verteidigers hatten sich bereits Karten besorgt, um die Krönung des "deutschen Märchens" von Huddersfield Town live vor Ort mitzuerleben (ab 16 Uhr im LIVETICKER, ab 20.05 Uhr exklusiv im TV auf SPORT1+).

Das Problem: Schindlers Kumpels spielen bei dessen Heimatklub 1860 München - und sind am Dienstag in der Relegation gegen Jahn Regensburg selbst gefordert, um den Abstieg in die Dritte Liga zu verhindern.

Schindler gab im vergangenen Sommer, gezeichnet vom Chaos und unzähligen Trainerwechseln, sein Kapitänsamt bei den Münchner Löwen auf und wechselte in die zweitklassige Championship.

Huddersfield baut auf deutsches Quintett

"Ich hatte David Wagner noch nie getroffen und noch nie von einem Klub namens Huddersfield Town gehört. Der Trainer hat mich dann eingeladen, um zu sehen, was hier los ist", berichtet der 27-Jährige im Guardian.

Das Konzept des deutschen Trainers und ehemaligen Assistenten von Jürgen Klopp überzeugte Schindler. Neben dem Innenverteidiger schlossen sich auch Chris Löwe (1. FC Kaiserslautern), Michael Hefele (Dynamo Dresden) und Elias Kachunga (FC Ingolstadt) dem Klub aus der Grafschaft Yorkshire an, im Winter folgte mit Collin Quaner (Union Berlin) der fünfte Deutsche.

Vor knapp zwei Wochen erlebte der Erfolgslauf Huddersfields seine vorzeitige Krönung: Im Playoff-Halbfinale setzte man sich nach Elfmeterschießen gegen Sheffield Wednesday durch, Löwe und Hefele übernahmen als erstes die Verantwortung vom Punkt - und trafen souverän.

Am Montag kommt es nun in Wembley zum Finale um die Premier League. Nur noch der FC Reading muss aus dem Weg geräumt werden, dann ist die Rückkehr in die Premier League nach 45 Jahren perfekt.

Verbunden wäre dieser Erfolg mit TV-Geldern in Höhe von unfassbaren 230 Millionen Euro. Dank Subventionen der FA erhält ein Aufsteiger diese Summe in den nächsten drei Jahren garantiert, selbst wenn man in der kommenden Saison direkt wieder absteigen würde.

Wagner schaut nicht aufs Geld

"Der finanzielle Aspekt ist für mich nicht der eigentliche Kick, ich finde einfach Wembley richtig cool", meinte Wagner im kicker - und zeigte seinem Team zur Vorbereitung Fotos aus der legendären Arena.

Die Saison in der Knochenmühle Championship hat Spuren hinterlassen, nach einem großartigen Saisonstart stotterte der Motor zuletzt - ein Aufstieg wäre die Krönung einer grandiosen kämpferischen Leistung.

46 Ligaspiele hat Huddersfield bereits hinter sich, dazu kommen die Playoff-Halbfinals gegen Sheffield und fünf Pokalspiele. "Das war die härteste Saison meines Lebens, aber es ist leichter, wenn du erfolgreich bist", sagt Schindler.

Wechsel in die Bundesliga?

Die Premier League wäre der verdiente Lohn, ein Verpassen des Aufstiegs könnte jedoch drastische Konsequenzen haben.

Erfolgstrainer Wagner hat sich begehrt gemacht, lehnte offenbar schon Angebote von Aston Villa, dem FC Ingolstadt und dem VfL Wolfsburg ab. Zuletzt wurde er auch bei Bayer Leverkusen und sogar bei Ex-Klub Borussia Dortmund gehandelt.

"Ich blocke seit mehreren Wochen alles ab, um mich total auf das Saisonfinale zu fokussieren", schilderte Wagner. "Danach werde ich mir Zeit mit der Familie nehmen, reflektieren, was hier passiert ist, und schauen, was die nächste Saison bringt."

Doch zunächst steht für die Terriers der Höhepunkt der Saison an.

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