Pep Guardiola trainiert Manchester City seit 2016 © Getty Images

München - Pep Guardiolas erste Saison bei Manchester City verläuft enttäuschend. Auch im Klub kommt Kritik auf. So oder so müssen die Engländer aber offenbar am Trainer festhalten.

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Aus im Achtelfinale der Champions League, Platz drei in der Premier League, nur noch im FA Cup mit reellen Chancen auf einen Titel: 

Pep Guardiola ist seinem Ruf als Erfolgscoach in seiner Premierensaison bei Manchester City bisher nicht gerecht geworden.

Statistisch gesehen stellt der katalanische Fußball-Lehrer noch kein "Upgrade" zu seinem viel kritisierten Vorgänger Manuel Pellegrini dar.

Spielerisch haben sich die Citizens zwar weiterentwickelt, sind aber noch Welten von Guardiolas FC Barcelona oder FC Bayern entfernt - und das trotz Transferausgaben von 213 Millionen Euro.

Dennoch schenken ihm Hauptinvestor Mansour Bin Zayed Al Nahyan und Vorstandschef Khaldoon Al Mubarak weiter das vollste Vertrauen - auch, weil ihnen gar nichts anderes übrig bleibt.

Kein Plan B

"So viel Zeit, Energie und Geld wurde in das Projekt Pep gesteckt, dass es im Falle seines Scheiterns überhaupt keinen Plan B gibt", verdeutlicht ein City-Insider im Daily Mirror, wie abhängig die Skyblues nach nur neun Monaten von ihrem Star-Trainer sind.

Guardiola sei der mächtigste Teammanager auf der Insel. Noch mächtiger als Jose Mourinho bei Manchester United oder Arsene Wenger beim FC Arsenal. Ein Status, der Gefahren birgt.  

"Ein Zugmittel für Peps Verpflichtung war, ihm die Chance zu geben, mit Leuten zusammenzuarbeiten, denen er vollkommen vertraut", berichtet der Insider, "die Struktur des Projekts ist aber unter der Prämisse aufgebaut, dass er nicht scheitert".

"Rückkehr ins Jahr null"

Was passiert also, wenn der langfristige Plan fehlschlägt und Guardiola die Engländer erfolglos verlässt? "Es wäre eine Rückkehr ins Jahr null", befürchtet das anonyme Klub-Mitglied, "bevor die Scheichs da waren".

Bin Zayed Al Nahyan und Al Mubarak hatten den jahrelangen Mittelklasse-Verein City 2009 übernommen und seitdem allein knapp eine Milliarde Euro für neue Stars ausgegeben. 

So viel Befehlsgewalt wie Guardiola gewährten die Geldgeber noch keinem Trainer. Der 46-Jährige hat - egal ob bei Transfers oder Vertragsangelegenheiten - das allerletzte Wort. 

Überall Vertraute

Kaum verwunderlich, schließlich sind mit Geschäftsführer Ferran Soriano und Sportdirektor Txiki Begiristain zwei seiner langjährigen Vertrauten aus Barcelona für die sportlichen Belange der Citizens verantwortlich. 

Sogar beim Umgang mit verletzten Spielern mischt Guardiola fleißig mit. Neben seinem Trainerteam kamen in Dr. Eduardo Mauri auch ein neuer Team-Arzt und in Silvia Tremeloda eine neue Ernährungsberaterin.

Stars wie Kevin De Bruyne, Gabriel Jesus oder Vincent Kompany mussten zeitweise sogar nach Barcelona fliegen, um sich dort bei Dr. Ramon Cugat, einem externen Orthopäden und Barca-Vertrauensarzt, behandeln zu lassen.

Zweites Barca?

Diese Maßnahmen rufen Erinnerungen an Guardiolas Zeit bei Bayern wach, als Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Übungsleiter hinwarf.

"Er muss sich unter all den Katalanen wohl fühlen. Man hat das Gefühl, er will einfach nur Barcelona nach Manchester bringen", klagt der Insider, "das Trainingsgelände wäre über Nacht komplett leer gefegt, würde Pep den Klub verlassen".

Genau deshalb ist Guardiola bei City unkündbar. 

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