Mesut Özil (r.) verkrachte sich bei Real Madrid mit Vater Mustafa
Mesut Özil (r.) verkrachte sich bei Real Madrid mit Vater Mustafa © Imago / Getty Images

München - In seiner Biografie spricht Mesut Özil darüber, wie es zum Zoff mit seinem Vater kam. Ohne ihn wäre es wohl gar nicht erst zum Wechsel zu Arsenal gekommen.

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2013 endete Mesut Özils Zeit bei Real Madrid. Überraschenderweise, wie er es selbst sagt. Über den Abgang wurde viel spekuliert - jetzt erklärt Özil selbst, was damals vor sich ging.

In einem von Bild vorab veröffentlichten Auszug seines neuen Buches "Die Magie des Spiels" beschreibt Mesut Özil wie es zum Wechsel von Madrid zum FC Arsenal kam und zum gleichzeitigen Bruch mit seinem Vater Mustafa.

Özil wollte Vertragsverlängerung bei Real

Die Absicht, Real Madrid zu verlassen, sei zum damaligen Zeitpunkt gar kein Thema gewesen. Sowohl Özils Vater, der ihn zu dieser Zeit als Berater vertrat, als auch der spätere Weltmeister selbst wollten den Vertrag bei Real eigentlich langfristig verlängern.

Als es darum ging, einen weiteren Kontrakt mit Real anzuschließen, sollte dieser auch zu verbesserten Konditionen laufen. 

"Es ging nicht um Gier. Nicht darum, den Hals nicht vollkriegen zu können. Es ging lediglich um eine gerechte Bezahlung", berichtete Özil, "und die hat sich im ersten Angebot, das Real uns unterbreitete, leider nicht widergespiegelt."

Bei Verhandlung zu wenig abgeklärt

Als Berater-Neuling habe seinem Vater dann allerdings in den Verhandlungen das nötige Fingerspitzengefühl gefehlt, um mit Vereinsbossen wie Florentino Perez zu verhandeln.

"Er kannte es nicht, in dieser Form unter Verhandlungsdruck gesetzt zu werden. Er hatte noch nicht Dutzende Verhandlungen mit den größten Vereinsmanagern geführt und dementsprechend fehlte ihm, das muss man im Nachhinein ehrlich zugeben, die Abgeklärtheit, angemessen mit so einem provokanten Angebot umzugehen", erklärte Özil: "Deshalb bewahrte er auch leider keinen so kühlen Kopf, wie es wahrscheinlich wichtig gewesen wäre."

Wütender Abgang mit knallender Tür

Stattdessen schaltete Papa Özil bei den Verhandlungen mit Perez auf stur. "Gegenüber einem Mann wie Florentino Perez, der erwartet, dass Menschen nach seiner Pfeife tanzen, war Sturheit aber nicht angebracht", kritisierte Özil: "Und es war schon gar nicht richtig, dass mein Vater wutschnaubend das Büro verließ und die Tür zu Perez‘ Geschäftszimmer hinter sich laut krachend ins Schloss warf."

Die Konsequenzen zwangen den Nationalspieler letztlich zum Handeln. 

"Bei dem Big Boss meines Vereins war ich in Ungnade gefallen, obwohl ich selbst überhaupt nichts gemacht hatte. Mir drohte ein Platz auf der Tribüne. Plötzlich musste ich handeln. Im Sinne meiner Karriere. Nicht mehr zu spielen kam überhaupt nicht infrage – vor allem, wenn diese Entscheidung nicht auf Leistungskriterien beruhen würde", schreibt Özil.

Also kontaktierte Özil Arsenal-Trainer Arsene Wenger, der Rest ist bekannt. "Mein Vater ist halt wie jeder Mensch nicht perfekt. Und die Verhandlungen mit Perez und Real Madrid waren dann doch am Ende eine Nummer zu groß für ihn", sagt Özil im Nachhinein.

Özil setzt Vater als Berater ab

Im Oktober 2013 teilte Özil seinem Vater schließlich mit, sich nicht mehr von ihm beraten zu lassen – was allerdings alles andere als reibungslos verlief: "Er war sauer. Und gekränkt. So sehr, dass er als Administrator in einem Anfall von Bockigkeit einfach meine Twitter-Seite löschte, was zur Folge hatte, dass mehrere Millionen Fans, die mir folgten, weg waren."

Papa Özil klagte sogar noch vor Gericht um seine Provision, da er seinem Sohn einen Ausrüstervertrag mit Adidas besorgt hatte.

"Ich bedauere den gesamten Streit sehr. Es ist ein trauriges Kapitel in einer sehr langen, sehr intakten und harmonischen Vater-Sohn-Beziehung, die die Grundlage dafür war, dass ich als Fußballer überhaupt so weit gekommen bin", sagt Özil heute über den Bruch mit seinem Vater.

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