München - Der teuerste Spieler der Welt ist nicht zu sehen, als es besonders auf ihn ankommt. Die Kritik an Manchester Uniteds Superstar Paul Pogba bügelt dessen Coach aber brüsk ab.

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Er nahm Antonio Conte herzlich in den Arm, streichelte N'Golo Kante lachend die Glatze.

Nach einem prestigeträchtigen 1:0-Sieg gegen den englischen Rekordmeister Manchester United, gleichbedeutend mit dem Einzug ins Halbfinale des FA Cups, träfe diese Beschreibung sehr gut auf einen Spieler des FC Chelsea zu.

Blöd nur, dass in Wahrheit Uniteds millionenschwerer Superstar Paul Pogba derjenige war, der unmittelbar nach dem Abpfiff mit dem Trainer und dem Siegtorschützen der Blues herumflachste.

"Pogba ist total am Boden zerstört, aus dem Pokal geflogen zu sein", kommentierte ein User auf Twitter das Verhalten des Franzosen ironisch.

Der Großteil der United-Fans reagierte empört. Tatsächlich war diese unglückliche Aktion aber nur die Spitze des Eisberges.

Kante steckt Pogba in die Tasche

Pogba, im vergangenen Sommer immerhin für eine Rekordsumme von 105 Millionen Euro von Juventus Turin zurückgeholt, enttäuschte in erster Linie mit seinem Auftreten während der 90 Minuten.

Der Franzose wusste in keiner Phase des Spiels auch nur ansatzweise zu überzeugen. Kein Schlüsselpass, kein erfolgreiches Dribbling, nur ein Tackling - so lautete Pogbas mickrige Bilanz.

Sein Landsmann Kante, der Mittelfeld-Motor Chelseas, steckte ihn locker in die Tasche, glänzte neben seinem Siegtor mit einer starken Passquote und einem überragenden Zweikampfverhalten.

© iM Football

"Er ist momentan vielleicht der beste zentrale Mittelfeldspieler der Welt", schwärmte Chelsea-Legende Frank Lampard nach der Partie bei BBC von dem 35-Millionen-Neuzugang aus Leicester.

Weit hinter den Erwartungen

Der teuerste Fußballer der Welt dagegen kann nicht rechtfertigen, warum United eine derart astronomische Ablöse für ihn hinblätterte. Das Problem: Pogbas dürftige Darbietung gegen Chelsea war keine Ausnahme.

Nach 40 Einsätzen für seinen neuen alten Arbeitgeber kommt er auf sieben Tore und fünf Vorlagen - keine allzu schlechte Bilanz, wenn man bedenkt, dass er im Mittelfeld beheimatet ist. Dennoch bleibt Pogba hinter den riesigen, an sein Preisschild geknüpften Erwartungen zurück.

Der 23-Jährige ist mehr Mitläufer als Leader, überlässt das Heft des Handelns meist anderen. Zudem ist unklar, welche Position er in Mourinhos System überhaupt einnimmt. Er taucht irgendwie überall auf - und nirgendwo.

"Pogba hat bisher nicht geliefert", hatte der heutige TV-Experte Lampard schon Anfang März resümiert: "Er ist niemand, der ein Spiel wendet. Wenn du 90 Millionen Pfund zahlst, willst du kein 90-Millionen-Problem kriegen. Du erwartest einfach mehr."

Mourinho sieht Neider

Gerade in großen Spielen wie gegen Chelsea, bei dem mit Zlatan Ibrahimovic auch noch das Alphatier der "Red Devils" aufgrund einer Sperre fehlte, hätte Pogba die Zweifel an ihm beseitigen können.

Immerhin einer zweifelt nicht. "Für mich war er mit Abstand der beste Spieler auf dem Platz. Ein Gigant", sagte Uniteds Teammanager Jose Mourinho nach dem Chelsea-Spiel - und wies die Kritiker auf seine Weise in die Schranken: "Diese Spezialisten werden wieder viel über Paul sagen. Aus Neid. Sie werden niemals auch nur zehn Prozent seines Geldes verdienen."

Ob Letzteres dazu beiträgt, die Kritik an Pogba auf Sicht verstummen zu lassen, darf bezweifelt werden.

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