München - Huddersfields Trainer David Wagner spricht bei SPORT1 über die schwere Verletzung seines Spielers Jonathan Hogg und einen möglichen Job in der Premier League oder Bundesliga.

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David Wagner hat schon viel erlebt im Fußball. Als junger Profi gewann er 1996 mit Schalke 04 den UEFA-Pokal, seine Trainerlaufbahn begann er in der Nachwuchsabteilung der TSG Hoffenheim, von 2011 bis 2015 trainierte der die Reserve von Borussia Dortmund.

Mit Huddersfield Town kämpft er um den Aufstieg in die englische Premier League, in der Championship steht sein Team auf Platz drei.

Am vergangenen Freitag erlebte Wagner etwas, das ihm den Atem stocken ließ: Im Spiel bei Bristol City musste Huddersfields Jonathan Hogg 14 Minuten auf dem Platz behandelt werden, nachdem er mit seinem Mitspieler Mark Hudson zusammengestoßen war.

Mittlerweile hat Hogg die Klinik wieder verlassen, ist auf dem Wege der Besserung und wird wieder gesund.

Im SPORT1-Interview spricht David Wagner über den Schreckmoment, seinen Erfolg in Huddersfield, sein Verhältnis zu Jürgen Klopp, seine Ziele und einen möglichen Wechsel in die Bundesliga.

SPORT1: Herr Wagner, wie sehr hat Sie die Verletzung von Jonathan Hogg belastet?

David Wagner: Wir sind jetzt vor allem froh und erleichtert, dass keine Nervenschädigungen vorliegen und er mit Reha und Recovering wieder hundertprozentig hergestellt werden kann. Ein Wirbelbruch ist definitiv etwas Negatives, aber das Positive ist, dass keine Bänder und Sehnen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der Wirbelbruch wird wie ein Knochenbruch verheilen. Er wird weiter Fußball spielen können, es ist nichts Schwerwiegendes.

SPORT1: Es war aber natürlich ein Schock für Sie...

Wagner: Na klar. Das wünscht man keinem. Um ehrlich zu sein, hat es am Anfang gar nicht so schlimm ausgesehen, aber wer Jonathan kennt, der weiß, wenn er liegen bleibt, dann ist etwas Schlimmes passiert. Und er blieb so liegen, dass er sich gar nicht mehr bewegt hat. Als dann die Erste Hilfe-Maßnahmen getätigt wurden, sah es schon dramatisch aus, wie der Kopf fixiert wurde. Wir waren in großer Sorge um "Hoggy". Da gehen einem als Trainer wichtigere Sachen als Fußball durch den Kopf. Er ist jetzt schon wieder zu Hause und wir sind alle sehr erleichtert. Er ist auch schon wieder guter Dinge.

SPORT1: Aber in so einem Moment denkt man doch, wie klein der Fußball wird. Oder?

Wagner: Ja. Ich habe nach dem zweiten CT nur gehofft, dass es bitte nichts Schwerwiegendes ist. Das hat sich dann auch zum Glück bewahrheitet. So ein Schreckens-Moment zeigt uns immer wieder, wie klein wir in dieser Welt sind, wie unwichtig das alles ist, was tagtäglich passiert im Fußballgeschäft und wie wir dann wieder "back to earth" geholt werden. Wir sind alle total froh, dass das gut ausgegangen ist und dieser Moment erinnert einen daran, wie wichtig es ist, gesund zu sein. Fußball spielte in diesem Augenblick nur eine untergeordnete Rolle und man wird bescheiden und ruhig, auch wenn das Spiel uns allen natürlich großen Spaß macht und sehr viele Emotionen hervorbringt.

SPORT1: Konnten Sie mit Jonathan Hogg schon wieder reden?

Wagner: Ja. Wir haben telefoniert und er flachst schon wieder rum. Er ist bei seiner Familie und meinte nur schelmisch, dass er jetzt etwas länger Urlaub hat. Wir sind guter Dinge, dass er bald wieder bei uns sein kann.

SPORT1: Sie sind anderthalb Jahre als Trainer in Huddersfield tätig. War das bisher ein kleines Märchen?

Wagner: Das ist bisher herausragend gelaufen für mich. Es war intensiv und euphorisch zugleich. Aber ich bin total demütig und weiß, wer ich bin und woher ich komme. Das sage ich auch jeden Tag meinen Jungs. Ich kenne die Etat-Zahlen, mit denen wir und unsere Konkurrenten arbeiten. Wir wissen genau, wie sich bei uns bei uns der Zuschauer- und Dauerkartenschnitt verändert hat und wie viel Euphorie in dieser Stadt ist. Es ist alles herausragend gut gelaufen und war so nicht vorauszusehen. Beim Fußball gibt es immer wieder Teams und Erfolge, die nicht planbar sind. Wir schreiben eine tolle Story, die niemand für möglich gehalten hat. Es ist umso schöner, wenn man ein kleiner Teil dieser Geschichte ist.

SPORT1: Hat sich Jürgen Klopp im Sommer 2015, als er zum FC Liverpool kam, Rat von Ihnen geholt?

Wagner: Das ist nicht nur auf England bezogen. Wir geben uns schon seit 25 Jahren die eine oder andere Hilfestellung und Ratschlag, aber das betrifft nicht nur den Fußball oder das Privatleben. Da hat sich nicht verändert oder wurde jetzt stärker, nur weil Kloppo auch in England arbeitet. Wir geben uns immer Tipps, Ratschläge und haben einen engen Austausch als Freunde. Generell im Leben.

SPORT1: Wie sehen Sie die Perspektive von Huddersfield. Der Aufstieg rückt immer näher…

Wagner: Dass wir mitten im Pudding sind, sieht jeder, der sich mit Fußball befasst. Wir haben uns vor der Saison gesagt, dass wir mit totaler Leichtigkeit und ohne Limit spielen wollen. Da sind wir weiter voll mittendrin. Ohne Limit bedeutet alles. In den letzten neun Spielen werden wir versuchen, noch einen draufzusetzen. Die Ausgangslage, die sich die Jungs erspielt haben, ist schon so, dass man grenzenlose Freude empfinden kann. Wir wollen so lange wie möglich oben dabei bleiben.

SPORT1: Träumen Sie als Trainer von einem Engagement bei einem Topverein in der Premier League als nächstem Schritt?

Wagner: Ich bin kein Träumer, sondern ein Arbeiter. Dementsprechend tue ich alles dafür, dass wir unsere Ziele erreichen. Träumen war noch nie mein Naturell. Dennoch sollte man sich damit beschäftigen, wenn es dann eines Tages passieren sollte. Ich schaue gerne, wohin unser Weg als Klub und von Jedem individuell führt. 

SPORT1: Sie haben in England Ihr Glück gefunden, aber in Deutschland für Schalke gespielt, 1996 den UEFA-Cup gewonnen und bis 2015 vier Jahre lang die Reserve von Borussia Dortmund trainiert. Wäre die Bundesliga ein Ziel? Der VfL Wolfsburg wollte Sie im alten Jahr bereits verpflichten.

Wagner: Wenn ich etwas gelernt habe im Fußballgeschäft, dann ist es das, dass es überhaupt keinen Sinn ergibt, in die Zukunft zu schauen. Ich habe keinen Karriere-Plan, kann aber auch nichts ausschließen. Sowohl nicht die Premier League, aber auch nicht die Bundesliga. Es ist sicher möglich, dass ich in Zukunft in einer dieser beiden Ligen die Möglichkeit bekommen könnte, zu arbeiten. Aber für mich zählt nur das Hier und jetzt, alles Weitere wird sich zeigen.

SPORT1: Sollte im Sommer der Trainerposten bei Borussia Dortmund frei werden, wäre das sicher reizvoll, oder?

Wagner: Ich möchte mich gar nicht ins Gespräch bringen. Es ist natürlich ein herausragender Klub, wo ich super gerne gearbeitet habe und wo ganz tolle Menschen am Werk sind. Aber das wird nicht der nächste Schritt sein.

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