Arsene Wenger erlebte in Liverpool einen weiteren Arbeitstag zum Vergessen © Getty Images

Nach der Pleite in Liverpool verschärft sich die Krise von Arsenal. Trainer Arsene Wenger steht vor allem wegen einer personellen Entscheidung am Pranger.

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Resigniert gen Boden blicken. Brummig den Kopf schütteln. Ein bisschen beim Vierten Offiziellen lamentieren. Mehr scheint Arsene Wenger dieser Tage irgendwie nicht mehr übrig zu bleiben, wenn sein FC Arsenal in einem wichtigen Spiel gefordert ist.

Bei Jürgen Klopps FC Liverpool setzte es einen weiteren Nackenschlag für den krisengebeutelten Teammanager und seine Gunners. Die 1:3-Pleite an der Anfield Road, eine bis auf wenige Minuten in der zweiten Halbzeit trostlose Darbietung, kostete die ohne den erkrankten Mesut Özil angetretenen Londoner Platz vier in der Premier League.

Arsenals Pleite gegen Liverpool im Video:

Die Enttäuschung und der Zorn der Fans erreichen neue Dimensionen. Die "Wenger raus"-Rufe, -Tweets und -Spruchbänder häufen sich, die englische Presse ist sich eines radikalen Umbruchs im Sommer bereits sicher.

Presse verabschiedet Wenger

"Nach zwei würdigen Jahrzehnten winken wir zum langen Abschied von Arsene Wenger", schreibt der Daily Mirror und bezeichnet den Franzosen als "mittlerweile nur noch verzweifelten Boss ohne Plan". 

Warum die Kritik an Wenger nach dem Liverpool-Spiel größer denn je ist, liegt vor allem an einer personellen Entscheidung des Übungsleiters: Er ließ seinen chilenischen Stürmer-Star Alexis Sanchez zunächst auf der Bank schmoren und brachte in Olivier Giroud sowie Danny Welbeck zwei kopfballstarke Offensivkräfte. 

Seine Begründung: "Wir wollten direkter spielen." Eine Strategie, die ohne Wirkung blieb. Klopps Reds gingen verdient mit 2:0 in die Halbzeit. "Ich kann Wengers Entscheidung nicht verstehen. Sanchez ist ihr bester Spieler", schrieb Sportsmail-Experte und Arsenal-Ikone Martin Keown über den 17-maligen Torschützen.

Mit der Hereinnahme von Sanchez nach dem Seitenwechsel wurde Arsenal stärker und verkürzte durch Welbeck (57.) auf 1:2. Georginio Wijnaldum (90.+1) stellte allerdings in der Schlussphase den alten Abstand wieder her.

"Bereue nur, dass wir verloren haben"

Wenger, in den sozialen Netzwerken als "verrückt" beschimpft, bedauerte seinen Fehler nach dem Abpfiff nicht.

"Ich bereue nichts, außer, dass wir verloren haben", sagte der 67-Jährige fast schon trotzig und meinte: "Ich bezweifle ja nicht, dass Alexis Sanchez ein guter Spieler ist. Ich habe ihn geholt, er hat sich hier gut entwickelt. Es war eine schwere Entscheidung, ihn draußen zu lassen, aber am Ende muss man dazu stehen."

Klopp gestand ein, dass er Sanchez von Beginn an erwartet hätte, irritiert sei er aber deshalb nicht gewesen. "In 17 Jahren als Trainer kann mich eine Aufstellung nicht mehr überraschen", sagte der frühere Bundesliga-Trainer von Mainz 05 und Borussia Dortmund.

In den englischen Medien wird spekuliert, dass Wengers Entscheidung gegen Sanchez mehr persönliche denn sportliche Motive hatte. Seit Monaten kursieren Transfergerüchte um Sanchez, die angepeilte Verlängerung seines 2018 auslaufenden Vertrages stockt wegen unterschiedlicher Gehaltsvorstellungen.

Nächstes Debakel gegen Bayern?

Wollte Wenger seinem Stürmer einen Denkzettel verpassen? Ausgerechnet im direkten Duell um die rar gesäten Champions-League-Plätze? "Es war verblüffend und rätselhaft, Sanchez in so einem Spiel nicht in der Startelf zu sehen", sagte Ex-Arsenal-Stürmer Ian Wright bei BT Sport und riet Sanchez sogar zu einem Wechsel: "Jetzt hat er nichts mehr zu verlieren."

Ein auf der Insel noch nicht in Betracht gezogener Grund für Sanchez' Verbannung auf die Bank: Wenger wollte seinen Goalgetter für das Rückspiel im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Bayern (Dienstag ab 20.15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) schonen.

In dieser Verfassung ist den Gunners aber ohnehin nicht zuzutrauen, das 1:5 aus dem ersten Aufeinandertreffen zu drehen. Vielmehr sollte Wenger darum bemüht sein, ein weiteres Debakel zu verhindern.

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