Bastian Schweinsteiger
Bastian Schweinsteiger erzielte gegen Wigan Athletic sein erstes Tor seit 429 Tagen © Getty Images

München - Bastian Schweinsteiger feiert ein traumhaftes Comeback für Manchester United. Im FA Cup darf er durchspielen und trifft sehenswert. Ist es seine große Auferstehung?

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Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Genau nach diesem Motto arbeitete Bastian Schweinsteiger monatelang auf sein Startelf-Comeback für Manchester United hin. Zu einem anderen Klub fliehen? Lehnte er ab. Sich wie ein Fußball-Rentner seine zehn Millionen Euro Jahresgehalt ohne Gegenleistung auszahlen lassen? War ihm zu langweilig. Den kritisieren, der ihn bisweilen wie einen limitierten Kreisliga-Kicker statt Weltmeister behandelte? Entsprach einfach nicht seinem Stil.

Nein, Schweinsteiger blieb nach seiner Degradierung standhaft und fand mit unbändiger Akribie und höchster Professionalität den Weg in die Pläne von Jose Mourinho. Er gewann die Anerkennung des launischen Star-Trainers, erntete die Bewunderung seiner Kameraden und der Fans.

Schweinsteiger für Europa League berufen

Die Belohnung: Er durfte im FA Cup gegen Zweitligist Wigan Athletic erstmals seit 385 Tagen wieder von Beginn an für die "Red Devils" spielen und ein eigenes Tor bejubeln. Ein überaus sehenswertes. Es gab am Sonntagnachmittag wohl kaum einen Zuschauer im Old Trafford, der ihm seinen Fallrückzieher in der 81. Minute nicht gönnte.

Doch wie geht es nach dieser Bilderbuch-Rückkehr nun für Schweinsteiger weiter? Ist er wieder "back in business", wie sein Kumpel Lukas Podolski freudig twitterte?

"Durch die Abgänge von Memphis Depay und Morgan Schneiderlin haben wir Platz für ihn geschaffen", machte Mourinho dem 32-Jährigen nach dem 4:0 gegen Wigan Hoffnung auf weitere Einsätze.

Der Portugiese nahm den 32-Jährigen deshalb auch in den Kader für die K.o.-Runde der UEFA Europa League (LIVE im TV auf SPORT1) auf, in der es United Mitte Februar mit AS Saint-Etienne zu tun bekommt. Ein weiteres Signal, das man durchaus als Wiederauferstehung des Routiniers deuten kann. Die Realität dürfte allerdings anders aussehen.

Zuschauer in den wichtigen Spielen

Zwar ist ein Einsatz Schweinsteigers gegen Saint-Etienne keineswegs unwahrscheinlich, doch in den wirklich wichtigen Spielen wird er wohl weiterhin nicht über die Rolle des Zuschauers hinauskommen.

United liegt in der Premier League nach wie vor nur auf Platz sechs, die Champions-League-Teilnahme ist in ernsthafter Gefahr. Mourinho wird den Fokus in den nächsten Wochen daher voll auf die Liga richten. Und da gilt sein Vertrauen eher anderen, wie etwa dem Engländer Michael Carrick, dem Belgier Marouane Fellaini, dem Spanier Ander Herrera oder dem ohnehin unangefochtenen 105-Millionen-Mann Paul Pogba.

Sollte sich keiner dieser drei Spieler verletzen, kommt Schweinsteiger "nur" für die auf der Insel weniger belangvollen Pokal-Wettbewerbe infrage.

"Im Mittelfeld haben wir nicht mehr viele Optionen - also ist er jetzt ganz offensichtlich eine davon. Mit so vielen Spielen und Wettbewerben wird er seine Chancen bekommen", versprach Mourinho.

Abschied im Sommer?

Ob das auch nach der Saison noch der Fall sein wird, ist stark anzuzweifeln. Denn: Der langjährige DFB-Kapitän wird nicht jünger und Mourinho möchte sein Starensemble im Sommer zukunftsorientiert verstärken.

Schweinsteiger habe laut der Daily Mail aber nicht nur aus diesem Grund "langfristig keine Zukunft mehr". Die englische Tageszeitung attestierte ihm zwar, insgesamt einen "guten Job" gegen Wigan gemacht zu haben, übte aber auch Kritik an seiner fehlenden Dynamik und seinen "einfachen Fünf-Yard-Pässen".

Der Independent warf ihm gar vor, über weite Strecken "planlos in den Raum" gespielt zu haben. Immerhin die Sun erkannte, dass nach 385 Tagen ohne Startelf-Einsatz nicht sofort alles gelingen kann: "Er kämpfte immer um den Ball, auch wenn es vergeblich war." (Mehr Pressestimmen)

Kämpfen, das ist eben Schweinsteigers Motto. Damit hat er es trotz unzähliger Erfolge nicht nur Mourinho und den Fans, sondern auch sich selbst noch einmal bewiesen.

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