Antonio Conte führt mit dem FC Chelsea vor dem Boxing Day die Tabelle an
Antonio Conte führt mit dem FC Chelsea vor dem Boxing Day die Tabelle an © Getty Images

Früher war Antonio Conte einer der größten Fans des Boxing-Day-Fußballs. Nun ist der Coach des FC Chelsea Trainer der Stunde in der Premier League.

Vielleicht ärgert sich Elisabetta Muscarello, dass ihr Ehemann über die Feiertage nicht zu Hause ist. Vielleicht ist sie auch ganz froh, diesmal ein anderes Feiertagsprogramm zu haben.

"Früher", sagt Muscarellos Mann, "saß ich immer daheim und habe mir die Premier League im Fernsehen angeschaut." Diesmal kann er das nicht: Antonio Conte liefert das sportliche Feiertagsprogramm selbst.

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Auch Guardiola preist Conte

Conte, seit Sommer Teammanager des FC Chelsea, tritt am auf der Insel "Boxing Day" genannten zweiten Weihnachtsfeiertag (Mo., ab 16 Uhr im LIVETICKER) mit seiner Mannschaft gegen den AFC Bournemouth an - alles andere als ein Sieg der Blues wäre eine Sensation. Und das liegt zuallererst an Conte, dem "Eroberer", wie der Guardian den Italiener zuletzt nannte.

Conte hat in London nicht weniger als eine "italienische Revolution" (Times) angezettelt. Vor einem Jahr hatte der damalige Titelverteidiger als Tabellen-16. einen Punkt Vorsprung auf die Abstiegsränge, die Mannschaft schien tot, kurz vor Weihnachten setzte der Klub Jose Mourinho vor die Tür. Jetzt hat Conte elf Spiele in Serie gewonnen - Vereinsrekord.

Bereits Ende November bekam er den Ritterschlag von höchster Stelle. "Sie haben in den letzten Wochen wunderbar gespielt, nicht nur, dass sie keine Gegentore kassieren, sondern die Art, wie sie spielen", sagte Pep Guardiola vor dem Duell mit Manchester City gegen Contes Chelsea.

Dann lieferten sich die beiden derzeit vielleicht besten Trainer der Welt eine Taktik-Schlacht auf Topniveau, "wie sie die Premier League noch nie gesehen hat" (Guardian). Conte gewann 3:1.

"Im Sommer haben wir alle nur über Pep Guardiola gesprochen, jetzt reden wir über Antonio Conte", sagte TV-Experte Jamie Carragher.

Transfers schlagen ein

Contes Geheimnis? Mit der Rückholaktion von Abwehrchef David Luiz und der Verpflichtung von Leicesters Mittelfeld-Herzstück N'Golo Kante hatte er ein glückliches Händchen auf dem Transfermarkt.

Und: Vor dem Duell mit Manchester United im Oktober stellte er auf ein 3-4-3-System um - Mourinhos United ging an der Stamford Bridge 0:4 unter.

Conte, sagte sein ehemaliger Spieler Andrea Pirlo einst, sei "ein Genie" - und wie jeder Hochbegabte "auch ein bisschen verrückt". Wenn Conte sauer sei, "ist die Kabine einer der gefährlichsten Orte der Welt", ergänzte Pirlo, und: "Wenn er spricht, fallen dich seine Worte an. Sie reißen die Türen deines Gehirns ein."

Nicht die schlechtesten Voraussetzungen, um eine Versammlung hochbezahlter Stars mitzureißen. Conte coacht im Rumpelstilzchen-Stil.

Schon bei der EM erfolgreich

Bei der EM gelang es ihm mit dieser Emotion und taktischem Geschick, aus der vielleicht schwächsten Squadra Azzurra der jüngeren Geschichte ein Team zu formen, das die höher gehandelten Belgier schlug und den Weltmeister Deutschland am Rande des K.o. hatte.

Contes Lieblingswort, das wissen sie in England längst, ist "work", Arbeit. Und so beklagt eine Chelsea-Fanseite im Netz, dass der frühere Mittelfeldrenner für seine Spieler am Weihnachtstag (25. Dezember) keine "Energy-Drinks mit Truthahngeschmack" oder "Weihnachtskekse mit Witzen über Arsene Wenger" parat habe, sondern einen normalen Arbeitstag.

"Es läuft wie vor jedem Spiel", sagte Conte über die Vorbereitungen auf den Boxing Day, "wir haben um neun Uhr im Hotel unser Abendessen, dann gehen wir schlafen, und am nächsten Tag spielen wir Fußball." Und das, betonte der Premier-League-Fan, sei "einfach fantastisch".

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