Chicago und München - Warmer Empfang, erste Trainingseinheit, feierliche Vorstellung: Bastian Schweinsteiger US-Abenteuer hat begonnen. Sein erster Tag bei Chicago Fire im Rückblick.

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WM-Titel mit Deutschland, Champions-League-Sieg mit Bayern München - Bastian Schweinsteiger kann auf eine Vielzahl besonderer Fußball-Momente zurückblicken.

Zu den speziellsten Tagen seiner großer Karriere dürfte fortan aber auch der 29. März 2017 zählen. Der Tag, an dem ihn Chicago Fire als neuen Heilsbringer präsentierte.

Als "Fußballgott", als "wahrer Champion", als "neue Ikone" der Major League Soccer.

"Wir sind stolz, diesen außergewöhnlichen Menschen und unglaublich talentierten Fußballer unter uns zu haben. Er vereint Eleganz und Arbeitskraft", brachte Fire-Manager Nelson Rodriguez die Begeisterung einer ganzen Stadt über die Verpflichtung des Deutschen zum Ausdruck.

"Ich habe noch sehr viel zu geben"

Nach all den Leidensmonaten unter Jose Mourinho, nach all den Nachmittagen auf der Ersatzbank von Manchester United waren diese Worte Balsam auf Schweinsteigers Seele.

Selbstbewusst und sympathisch sprach der 32-Jährige vor den Augen seiner Ehefrau Ana Ivanovic und seiner Eltern Alfred und Monika über seine Ziele mit dem Verein, der ihn aus der Karriere-Sackgasse geholt hatte.

"Ich freue mich auf jedes einzelne Spiel", sagte Schweinsteiger, gekleidet in ein graues Sakko, in zumeist flüssigem Englisch. "Und ich habe noch sehr viel zu geben. Ich weiß, dass ich ein Schlüsselspieler sein werde, und ich will mich hier voll reinhängen."

Genau diese Einstellung hatte er zuvor schon in seiner ersten Trainingseinheit vorgegeben. 

In Chicago hat Schweinsteiger noch große Ziele. "Ich kann keine Titel garantieren", erklärte der Ex-Bayer: "Aber ich will versprechen, dass ich alles dafür tun werde, eines Tages dahin zu kommen."

Im Training sofort präsent

Coach Veljko Paunovic, der Schweinsteiger nach dessen Aussage seit dem ersten Gespräch an Pep Guardiola erinnert, schwärmte: "Man konnte gleich sehen, welchen Einfluss er auf die Mannschaft hat, allein durch seine Präsenz. Seine Ausstrahlung ist eine Inspiration. Wir haben seit Jahren auf einen Spieler von seinem Kaliber gewartet. Bastian kann eine Ikone für die gesamte Major League Soccer werden."

Bereits bei der Ankunft in seiner neuen Wahlheimat war Schweinsteiger mit Begeisterung empfangen worden.

Laute "Basti"-Rufe schallten durch die Ankunftshalle im Terminal 5 des Flughafens O'Hare, immer wieder brandete begeisterter "Schweini"-Jubel auf: Der "Fußballgott", wie auf einem großen roten Plakat zu lesen war, wurde gefeiert.

Warmer Empfang

Rund 500 Fans des MLS-Klubs hatten den Weltmeister am Dienstagabend (Ortszeit) empfangen.

Schweinsteiger, in schwarzem Rollkragenpullover und Sakko gekleidet und von vier Sicherheitsleuten abgeschirmt, genoss das Bad in der Menge trotz des Trubels sichtlich. Er schrieb auf dem Weg zum Ausgang Autogramme, schüttelte Hände und machte mit den Fans Selfies.

In einer schwarzen Limousine verließ "Messias" Schweinsteiger schließlich den Flughafen.

Und schon am Samstag (21 Uhr MESZ im LIVETICKER) könnte der 121-malige Nationalspieler gegen Montreal Impact sein Debüt feiern. "Seien Sie bereit dafür, dass er spielt", kündigte Trainer Paunovic an.

Neue Herausforderung

Nach dem abrupten Ende in Manchester ist es für den ehemaligen DFB-Kapitän ein Neustart. "Ich bin glücklich und habe ein gutes Gefühl", sagte Schweinsteiger. Er möge "die Idee und die Philosophie" von Paunovic und Manager Rodriguez.

Denn: Chicago will mit dem Mittelfeld-Routinier auch sportlich angreifen. Nach drei Spielen in der Eastern Conference steht das Team mit nur vier Zählern auf Rang sieben.

In der vergangenen Saison verpasste das Team die Playoffs. Eine einfache Aufgabe erwartet den Neuzugang demnach keineswegs. 

"Ich habe gespürt, dass hier etwas vorwärts gehen soll. Das ist die Herausforderung", sagte Schweinsteiger, bremste die Erwartungen wegen seiner fehlenden Spielpraxis aber auch ein wenig: "Ich muss Schritt für Schritt gehen."

Hochbezahlter Star unter College-Absolventen

Auf was sich Schweinsteiger, der angeblich 4,5 Millionen Dollar im Jahr erhalten soll, in Chicago und den USA einstellen muss?

Nun ja, erklärt Fire-Manager Rodriguez: "Dass er als hochbezahlter Star neben einem 22 Jahre alten College-Absolventen spielen wird, der nur 55.000 Dollar verdient". Oder, "dass er bei frostigen Temperaturen in Chicago und bei brutal schwülen Temperaturen in Houston spielen muss."

Schweinsteiger wird es herzlich egal sein. Hauptsache er darf seiner Lieblingsbeschäftigung wieder regelmäßig nachgehen.

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