München - Wie geht es weiter mit Bastian Schweinsteiger? Nach dem Wechsel von Manchester United zu Chicago Fire beantwortet SPORT1 die wichtigsten Fragen.

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Am Ende ging es schneller als erwartet. Dass Bastian Schweinsteiger keine Zukunft bei Manchester United unter Jose Mourinho hat, war schon seit Saisonbeginn klar.

Der 32-Jährige kämpfte sich dennoch zurück in den Profi-Kader, bekam dann aber trotz der offensichtlichen sportlichen Probleme der Red Devils speziell im Mittelfeld keine echte Chance mehr.

"Er hat wohl das Gefühl gehabt, das ManU ohne ihn plant. Es ist schade, dass es für ihn so bei Manchester endet. Er hätte der Mannschaft in der aktuellen Situation sicher helfen können", meinte Bundestrainer Joachim Löw.

Stattdessen sucht Schweinsteiger bei Chicago Fire noch einmal eine neue Herausforderung und wandelt in den USA auf den Spuren prominenter Vorgänger wie Franz Beckenbauer und Lothar Matthäus.

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zum Wechsel.

- Warum wechselt Schweinsteiger mitten in der Saison?

Der Transfer in die MLS stand schon seit Monaten im Raum, im November war ein Restaurantbesuch Schweinsteigers mit Fire-Coach Veljko Paunovic in Manchester öffentlich geworden. Die fehlende sportliche Perspektive in der Premier League gab nun den Ausschlag.

"In Manchester immer nur das fünfte Rad am Wagen zu sein, damit kann ein Mann wie Bastian Schweinsteiger nicht zufrieden sein", meinte Bayern-Präsident Uli Hoeneß. "Das war auf Dauer kein Zustand für ihn."

Schon kommende Woche könnte Schweinsteiger erstmals in Chicago trainieren und am 1. April im Heimspiel gegen Montreal Impact sein Debüt feiern. Offen sind noch die Arbeitserlaubnis der US-Behörden und die medizinische Untersuchung bei seinem neuen Verein.

Eine größere Verabschiedung in Manchester ist dagegen aufgrund der Länderspielpause nicht mehr geplant.

"Ich wünschte, ich hätte mehr für Euch tun können", erklärte Schweinsteiger in einer Videobotschaft: "Aber nun war es an der Zeit für mich, etwas zu ändern."

Zudem hat die Saison in der MLS gerade erst begonnen, erst drei Spieltage sind absolviert.

- Was verdient er in Chicago?

Angeblich soll Schweinsteiger, der einen Einjahresvertrag mit der Option auf ein weiteres Jahr erhält, umgerechnet 4,2 Millionen Euro pro Jahr bekommen – was mehr ist als der Großteil der gesamten Mannschaft zusammen.

Denn der Salary Cap liegt pro MLS-Team bei 3,845 Millionen Dollar (ca. 3,56 Millionen Euro), das Einkommen pro Spieler bei maximal 480.625 Dollar (rund 445.000 Euro). Lediglich für drei "designates player" pro Klub gilt diese Gehaltsobergrenze nicht, einer davon ist Schweinsteiger.

Bastian Schweinsteiger soll 4,2 Millionen Euro in den USA kassieren © iM Football

Andererseits muss er gegenüber seinem Gehalt in Manchester deutliche Abstriche machen, dort soll er bis zu 14 Millionen Euro pro Spielzeit bekommen haben. Möglicherweise hat er bei der Auflösung seines noch bis 2018 laufenden Vertrags aber noch eine Abfindung ausgehandelt, immerhin spart United dadurch sehr viel Geld.

- Wie stark ist die US-Liga?

Das Niveau ist sicherlich nicht mit der Premier League vergleichbar. Dennoch spielen mit dem Spanier David Villa, dem Italiener Andrea Pirlo (beide New York City FC) und dem Brasilianer Kaka (Orlando City SC) bereits drei frühere Weltmeister in der US-Liga.

"Man kann die MLS sicher nicht mit der Bundesliga oder der Premier League vergleichen, aber dort wird auch ein guter Fußball gespielt", meint der ehemalige Nationalspieler und Ex-MLS-Legionär Arne Friedrich.

Neben Schweinsteiger spielen mit Florian Jungwirth (San Jose Earthquakes), Fabian Herbers (Philadelphia Union), Julian Büscher (Washington D.C. United) und Julian Gressel (Atlanta United) vier weitere Deutsche in der MLS.

- Zu welchem Klub wechselt Schweinsteiger?

Der Chicago Fire Soccer Club hat seinen Namen in Erinnerung an das große Feuer in der Stadt im Jahr 1871 und wurde exakt 126 Jahre danach am 8. Oktober 1997 gegründet.

Gleich in ihrer ersten MLS-Saison gewannen die "Men in Red" das Double und wurden danach noch dreimal Pokalsieger.

Unter anderem spielten Christo Stojtschkow, Piotr Nowak, Jorge Campos und der jetzige Wolfsburger Co-Trainer Freddie Ljungberg für Chicago. Als bislang einziger Deutscher bestritt zudem Arne Friedrich zwischen 2012 und 2013 insgesamt 23 Spiele für das Team.

"Er kann sich auf eine gute Zeit freuen. Chicago ist eine tolle Stadt und der Verein wird sehr professionell geführt", erklärte Friedrich.

Besitzer ist der Millionär Andrew Hauptmann, der den Klub 2007 von der Anschutz Entertainment Group (u.a. Besitzer der Eisbären Berlin) für 35 Millionen Dollar gekauft hat. Ungewöhnlich für die USA ist die relativ große Zahl an Fans.

- Wie gut ist das Team aktuell?

Seit 2010 erreichte Chicago nur einmal überhaupt die Playoffs und beendete die vergangenen beiden Spielzeiten als Tabellenletzter.

Trainer ist seit November 2015 der Serbe Paunovic, einst Profi bei Atletico Madrid und kurz auch bei Hannover 96 (sechs Spiele in der Saison 2004/2005). Bekannteste Spieler sind der Ghanaer David Accam (Stürmer, sechs Länderspiele) und der Ungar Nemanja Nikolic (Stürmer, 23 Länderspiele).

Zum Auftakt seiner 20. Saison spielte Chiacgo Remis gegen Columbus Crew, es folgten ein 2:0 gegen Real Salt Lake City im ersten Heimspiel und ein 0:4 bei Liganeuling Atlanta United. 

Dennoch glaubt Schweinsteiger daran, mit seiner neuen Mannschaft wieder erfolgreich zu sein. "Nach meinen Gesprächen bin ich überzeugt von der Vision und der Philosophie des Klubs", sagte der Weltmeister. Auch die Verantwortlichen erwarten Großes vom Neuzugang. "Dies ist ein historischer Moment für den Klub", sagte General Manager Nelson Rodriguez. "Wir haben einen der größten Champions des Sports geholt."

- Kommt Ana Ivanovic mit nach Chicago?

Davon ist auszugehen.

Die Stadt im US-Bundestaat Illinois am Südwestufer des Michigansees ist mit rund vier Millionen Einwohnern die drittgrößte Metropole und gilt als eine der lebenswertesten Städte in den USA.

Ivanovic hat deutlich mehr Zeit, seit sie im vergangenen Jahr ihre Karriere als Tennisprofi beendet hat. Und ihren weltweiten PR-Aktivitäten kann die Serbin mindestens genauso gut auch aus den USA nachgehen.

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