Arne Friedrich (l.) und Bastian Schweinsteiger
Arne Friedrich (l.) und Bastian Schweinsteiger spielten von 2004 bis 2010 zusammen im DFB-Team © Getty Images

München - Arne Friedrich spielte als bisher einziger Deutscher bei Chicago Fire. Bei SPORT1 erklärt der Ex-Nationalspieler, was Bastian Schweinsteiger in den USA erwartet.

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Arne Friedrich kennt sich bestens aus in Chicago.

Der frühere Nationalspieler spielte von 2012 bis 2013 in der Major League Soccer für den neuen Klub von Bastian Schweinsteiger.

Im SPORT1-Interview spricht Friedrich über die Stadt, den Verein Chiacgo Fire sowie die neue Rolle von Schweinsteiger. Und er bietet dem ehemaligen DFB-Teamkollegen seine Hilfe an.

SPORT1: Herr Friedrich, wie denken Sie über den Wechsel von Bastian Schweinsteiger in die USA?

Arne Friedrich: Ich denke, dass die Situation in Manchester am Ende nicht mehr zufrieden stellend war. Es gab schon länger die Gerüchte um einen Wechsel zu Chicago Fire. Der Trainer Veljko Paunović ist ein Serbe, ich weiß nicht, ob er auch mit seiner Frau Ana Ivanovic, die ebenfalls Serbin ist, in Kontakt steht. Auf jeden Fall glaube ich, dass er zum Abschluss noch mal Spaß haben will, dass er zu einem Verein kommen will, der auf ihn baut, wo er noch mal Freude haben kann, nicht nur am Fußball, sondern auch am Leben drumherum.

SPORT1: Sie sollen ein richtiger Chicago-Fan sein...

Friedrich: Für mich ist es die interessanteste Stadt Amerikas und der Verein wird total professionell geführt. Die Stadt hat eine unheimliche Energie, es ist aber netter und ruhiger zu leben als in New York. Chicago ist eine Traumstadt und er wird da die besten Voraussetzungen vorfinden. Zudem hat er die Möglichkeit, sportlich einiges zu verändern. Chicago Fire war das letzte Mal in den Playoffs, als ich dort noch aktiv war. Danach landete das Team immer auf dem letzten oder vorletzten Platz.

SPORT1: Ein Vorteil für Schweinsteiger dürfte sicher sein, dass er nicht überall erkannt wird. Oder?

Friedrich: Absolut. Er hat die Chance, sich in der Stadt frei bewegen zu können, noch freier als in Europa. Das ist natürlich ein großes Stück Lebensqualität.

SPORT1: Welche Rolle wird Schweinsteiger in der Mannschaft einnehmen?

Friedrich: Basti wird das zentrale Element des Spiels sein, er wird im Mittelfeld die Fäden ziehen. Er wird aber auch das machen, was ich gemacht habe: Nämlich dem Trainer mit all seiner Erfahrung zur Seite stehen. Ich glaube, er hat riesige Chancen, sportlich etwas zu verändern.Es ist Riesenpotenzial da. Ich gehe fest davon aus, dass sie dieses Jahr in die Playoffs kommen und er dem Team seinen Stempel aufdrückt. 

SPORT1: Hatten Sie Kontakt mit Schweinsteiger?

Friedrich: Ich habe ihm gratuliert und ihm geschrieben, wenn er Tipps braucht, könne er sich gerne melden. Ich stehe natürlich auch im Austausch mit Fire. Mein Herz hängt weiter an der Stadt und am Verein.

SPORT1: Was macht Chicago aus?

Friedrich: Chicago ist eine große Stadt mit acht Millionen Einwohnern - das merkt man aber gar nicht so. Ich glaube, dass das jetzt der richtige Schritt für Basti ist. Es wird voll auf ihn gesetzt. Die Deutschen sind in Amerika und ganz speziell in Chicago sehr hoch angesehen. Ihm wird sehr viel Respekt entgegengebracht und das wird eine super Zeit für ihn.

SPORT1: Wie ist die Liga denn sportlich einzuschätzen?

Friedrich: Es ist nicht so, dass man die MLS gar nicht mit dem deutschen Fußball vergleichen kann. Sie ist nicht so schlecht, wie viele denken. Es ist auf jeden Fall gehobenes Zweitliga-Niveau. Die Spieler sind alle topfit und super organisiert, das ist schon sehr professionell. Deswegen: Nur Spaß wird es auch nicht.

SPORT1: Was glauben Sie, wo Schweinsteiger wohnen wird?

Friedrich: Ich habe damals am Lincoln Park gewohnt, direkt am Strand und am Zoo. Das war für mich eine sehr schöne Ecke. Ich könnte mir auch vorstellen, dass er irgendwo "Downtown" wohnt, relativ nah am Leben. Er kann da anonymer leben als in Deutschland. Das war für mich damals ein unheimliches Stück Lebensqualität, die dazugekommen ist. Allerdings mit Bastis Frau Ana Ivanovic, die einen gewissen Celebrity-Status genießt, kann es schon sein, dass sie erkannt werden, aber mit Sicherheit nicht so häufig wie in Deutschland.

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