China und sein Werben um Topstars: Bei Anthony Modeste und Pierre-Emerick Aubameyang war die Mühe bislang vergebens © SPORT1-Grafik: Davina Knigge/ Getty Images

München - Chinas Fußball wollte das Eldorado für große Stars werden. Doch neue Top-Transfers bleiben aus. Woran Deals mit Aubameyang, Modeste und Co. scheitern.

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Anthony Modeste also. Für 35,7 Millionen Euro. Der drittbeste Torjäger der Bundesliga im - wenn man es gut meint - drittklassigen Fußball-Land. In China werden manche auch das als Sensationscoup verkaufen. 

Im Reich der Mitte haben Fußball-Themen ja häufig etwas Groteskes. Und fast immer geht es dabei um irrwitzige Ablösesummen und Gehälter, mit denen Spieler nach Fernost gelockt werden.

Die Masche funktionierte eine Zeit lang. Inzwischen sind Top-Transfers aber eine Rarität geworden. Ohne dem Kölner Böses zu wollen: Verglichen mit anderen Stars in der Chinese Super League fällt Modeste fast etwas ab. 

Der Brasilianer Oscar etwa, der im Winter vom FC Chelsea zu Shanghai SIPG wechselte, kostete dem Vernehmen nach bei 71,5 Millionen Euro. Etwa das Doppelte der Modeste-Ablöse.

In China herrscht Transfer-Not

Dass Chinas Größenwahn auf dem Transfermarkt nicht ewig anhalten können wird, war abzusehen. 

Schon ein halbes Jahr später herrschen andere Verhältnisse. Modestes Verpflichtung könnte auch als Panik-Transfer durchgehen. Chinas Klubs bleibt nur noch eine Woche bis zum Ablauf der Wechselfrist. Und es herrscht akuter Mangel an neuen Topstars. 

Der Plan, Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang zum neuen Aushängeschild der Liga zu machen, ging nicht auf. Ein Deal war zwar schon mehrfach als fix vermeldet worden - zustande gekommen ist er bis heute nicht. 

SPORT1 erklärt, warum China keine Kracher-Transfers mehr einfädelt. 

Transferzensur für Chinas Klubs

Weil die chinesische Profiliga den Andrang ausländischer Spieler aufhalten will, hat der Ligaverband ein drastisches Maßnahmenpaket beschlossen

Regel 1: Jeder Klub muss mehr Geld einnehmen, als er für Spieler ausgibt. Financial Fairplay auf Chinesisch. 

Das Problem: Kaum ein ausländischer Klub bezahlt die hohen Summen, für die die Chinesen selbst regelmäßig einkaufen gehen. Viele Kandidaten kommen nicht infrage - was Top-Transfers erheblich erschwert.

Regel 2: Bei Spielerkäufen von mehr als 5,9 Millionen Euro zahlt ein Klub die Ablösesumme quasi doppelt - einmal dem abgebenden Verein und dieselbe Summe noch mal in einen staatlichen Fonds.

Eine 100-Prozent-Steuer, die in die Förderung des chinesischen Fußball-Nachwuchses fließen soll. Bei Transfers wie dem von Modeste muss Tianjin die 35,7 Millionen Euro also doppelt stemmen. 

Mit potenten Geldgebern im Rücken ist das durchaus machbar. Bei Verpflichtungen der Marke Oscar wird das schon deutlich aufwändiger. Eine Aussicht, die selbst in einem Land wie China, in dem in Teilen finanzieller Gigantismus vorherrscht, die meisten Fußball-Klubs abschreckt. 

Ausländerregel wird zum Verhängnis

Regel 3: Pro eingesetztem ausländischen Spieler muss auch ein einheimischer Akteur unter 23 Jahren auf dem Platz stehen.

Dieser Passus setzt die Transfer-Planer von Chinas Topklubs unter Zugzwang. Denn die heimische Nachwuchsarbeit ist noch lange nicht soweit gediehen, um die vielen Transfers aus dem Ausland zu kompensieren. Also müssen die Vereine bei den Zugängen abspecken. 

Regel 4: In jeder Mannschaft dürfen nur drei Ausländer gleichzeitig auflaufen. 

Die Stars kommen nicht nach China, um auf der Bank zu sitzen. Hätten Aubameyang und Modeste, wie zeitweise kolportiert, bei Tianjin Quanjian angeheuert, wären dort sieben Nicht-Chinesen im Kader gestanden. Nur drei davon hätten spielen dürfen. Das führt zwar zu Konkurrenzkampf, aber auch zu Missstimmung, besonders wenn von sieben Stars vier auf der Bank versauern. 

Es mag etwas von einer Selbstreinigungskur haben, der sich die Erstligisten dort unterzogen haben. Doch durch die Transfer-Beschränkungen werden die großen internationalen Stars vorerst wohl eher in anderen Ländern lukrative Verträge unterschreiben. 

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