München - Real Madrid gewinnt 4:1 gegen Sevilla und macht einen großen Schritt Richtung Titel. Ein Tor der Königlichen sorgt allerdings für mächtig Diskussionsstoff.

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Nacho Fernandez hat bei Real Madrid eigentlich die Aufgabe, Tore zu verhindern.

Beim Heimsieg gegen den FC Sevilla (4:1) mutierte der Verteidiger aber in einer entscheidenden Situation zum Angreifer.

Der Spanier brachte den Champions-League-Sieger nach zehn Minuten mit einem gewitzten Freistoßtor in Führung. Einem Freistoßtor, das große Diskussionen nach sich zog.

Der Grund: Nachdem Schiedsrichter Alberto Undiano Mallenco auf Foulspiel an Marco Asensio entschieden hatte, schoss Nacho ohne Vorwarnung aufs gegnerische Tor.

"Ich war einfach schlau"

Die Gäste aus Sevilla waren überhaupt nicht sortiert, zudem diskutierte der Unparteiische noch mit einigen Spielern der Andalusier. Allerdings war der Ball freigegeben. Nacho schaltete schnell. Schneller als alle anderen.

"Ich sah, dass Sevillas Spieler unsortiert waren und ihr Torwart nicht gut stand. Also hielt ich einfach drauf und der Ball ging rein. Ich war in dieser Situation einfach schlau", sagte Nacho nach Spielende.

Sevillas Trainer Jorge Sampaoli, der an der Seitenlinie noch vor Wut geschäumt und den Vierten Offiziellen verbal bearbeitet hatte, meinte: "Ich sah zunächst nicht, was geschah. Ich war einfach überrascht. Mir fällt es schwer, dieses Tor zu bewerten - auch nachdem ich es gesehen habe."

Katalanen toben

War der Treffer nun regulär oder nicht? 

Während die katalanische, dem FC Barcelona nahe stehende Presse, von einem "polemischen Geschenk" (Sport) des Referees und des Sevilla-Teams für Real schrieb, bewerteten die Madrider Zeitungen Marca und AS den Treffer als vollkommen regelkonform.

"Das Tor zählte zu Recht", urteilte etwa der frühere Elite-Schiedsrichter Eduardo Iturralde Gonzalez, immerhin 31 Jahre lang in der Primera Division und 15 auf internationalem Top-Niveau tätig, in seiner Kolumne für die AS.

"Sevillas Spieler verhielten sich in dieser Situation wie Schuljungen. Der Schiedsrichter muss zur Fortsetzung des Spiels nur pfeifen, wenn es sich um einen Anstoß nach einem Tor oder einem Freistoß nach einer Karte handelt."

"Legaler Lausbubenstreich"

Juan Andujar Oliver, ein weiterer Ex-Schiedsrichter, stimmte Iturralde zu. Nachos Tor sei ein "legaler Lausbubenstreich" gewesen, meinte er in der Spielanalyse von Radio Marca.

Die Regeln des International Football Association Board stützen diese Meinung. Dort heißt es: "Wenn ein Gegenspieler bei einem Freistoß nicht den erforderlichen Abstand zum Ball einhält, wird der Freistoß wiederholt, es sei denn, es kann auf Vorteil entschieden werden."

Das war bei Nacho ganz klar der Fall - und so muss sich Sevilla vorwerfen lassen, den "Lausbubenstreich" nicht verhindert zu haben. Hätten sich einer oder mehrere Spieler vor den Ball gestellt, hätte der Referee den Abstand von 9,15 Metern einfordern und abzählen müssen. Der Ball wäre dann gesperrt gewesen.

Letztlich schlug Real Sevilla nicht nur wegen dieser frechen Aktion. Cristiano Ronaldo mit einem Doppelpack, seinen Toren 400 und 401 im Real-Trikot, und Toni Kroos veredelten den klaren Sieg am vorletzten Spieltag. 

Mit einem Sieg oder Unentschieden im Nachholspiel bei Celta Vigo am Mittwoch (ab 21 Uhr im LIVETICKER) können die Madrilenen ihren Erzrivalen Barca überholen. Gegen die Galicier muss das Starensemble von Zinedine Zidane aber ohne einen Geniestreich von Nacho auskommen. Das Eigengewächs fehlt gelbgesperrt.

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