München - Mit zehn Saisontreffern ist Sergio Ramos der torgefährlichste Verteidiger Europas. Real Madrid wäre ohne ihn nur Dritter in Spanien. Die Presse schwärmt - und warnt.

von

Undankbar. Undankbarer. Sergio Ramos bei einer Standardsituation verteidigen.

So oder ähnlich dürften allmählich die meisten Spieler der spanischen Primera Division denken, wenn sie es mit Real Madrid zu tun bekommen.

Beim 2:1-Heimsieg gegen Betis Sevilla traf der Kapitän der Madrilenen wieder einmal entscheidend per Kopf - nur fünf Tage, nachdem er alle Hoffnungen des aufmüpfigen SSC Neapels im Champions-League-Achtelfinale zerstört hatte. Business as usual im Estadio Santiago Bernabeu.

"Schamane" Ramos führt Real zurück an die Spitze

"Es hat einfach kein Ende", titelte die Sportzeitung AS nach dem Spiel, während die Marca vom "unaufhaltsamen Ramos" schrieb und El Mundo den 30-Jährigen gar mit einem "Schamanen" verglich.

Dank des Weltmeisters von 2010 thronen die Königlichen wieder an Spaniens Spitze. Zwei Punkte beträgt der Vorsprung vor dem Erzrivalen FC Barcelona, der völlig überraschend beim Abstiegskandidaten Deportiva La Coruna 1:2 verlor und zudem ein Spiel mehr absolviert hat. (Die Tabelle der Primera Division)

Von Friede, Freude, Eierkuchen kann in Madrid derzeit trotzdem keine Rede sein. Wieder musste ein Eckball her, um einen uninspirierten Auftritt zu retten. Wieder tat sich das Starensemble von Zinedine Zidane schwer, Spielfreude zu versprühen. 

"Wird Schamane Ramos den Hintern von Herrn Zidane immer retten?", fragte El Mundo kritisch. (Ergebnisse und Spielplan der Primera Division)

Torgefährlichster Verteidiger Europas

"Im Fußball zählen nur die Ergebnisse. Aber es ist richtig, dass wir besser spielen müssen, damit unsere Fans es genießen, hierherzukommen", sagte der Matchwinner nach Abpfiff.

Tatsächlich hätte Real ohne den Mann mit der Nummer vier im Titelkampf überhaupt nichts zu melden.

© iM Football

Neun Punkte brachten die Tore des Abwehrspielers den Königlichen schon, nur Weltfußballer Cristiano Ronaldo (zehn) liegt in dieser Statistik knapp vorne. Demnach würde Real aktuell abgeschlagen auf Platz drei stehen, hinter Barcelona und Sevilla und nur knapp vor Lokalrivale Atletico.

Bei acht Vereinen in der Primera Division wäre Ramos (sieben Tore) sogar Top-Torschütze. Europaweit ist er ohnehin der torgefährlichste Verteidiger.

Nur Gareth McAuley vom englischen Vertreter West Bromwich Albion und Corentin Tolisso von Ligue-1-Klub Olympique Lyon (sechs Tore) befinden sich annähernd in Ramos Sphären - zumal der Real-Star auch in den restlichen Wettbewerben drei Mal erfolgreich war.

"Tödliche Verbindung" zu Kroos

Einen großen Anteil an dem Lauf von "Captain Fantastic" (Daily Mirror) hat Toni Kroos. Der deutsche Weltmeister ist Ramos' Tor-Lieferant bei Ecken und Freistößen. Fünf der zehn Buden des Andalusiers in dieser Saison bereitete er vor.

Als "tödliche Verbindung" bezeichnete die AS schon nach dem Neapel-Spiel am vergangenen Dienstag das blinde Verständnis zwischen dem Duo.

Zidane und seine Mannen sollten aufpassen, dass sie sich nicht zu sehr darauf verlassen.

Weiterlesen