Carlo Ancelotti New Real Madrid Manager Press Conference and Photo Call
Real-Präsident Florentino Perez (r.) holte 2013 Carlo Ancelotti als Trainer © Getty Images

Real-Präsident Florentino Perez sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Dabei geht es auch um die Beeinflussung des damaligen Trainers Ancelotti.

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Korruption, Instrumentalisierung von Medien, Beeinflussung des Trainers: Das sind die Schlagwörter, die momentan mit Real Madrids Präsident Florentino Perez in Verbindung gebracht werden.

Nun sind in Spanien auch noch Chat-Protokolle von Perez mit dem Journalisten Alejandro de Pedro aufgetaucht - und die setzen den Real-Boss mächtig unter Druck, was die im Raum stehenden Vorwürfe betrifft.

Aber der Reihe nach: Wie kam es überhaupt zu der Verbindung zwischen de Pedro und Perez?

Seit 2013 betrieb de Pedro die Zeitung diariobernabeu.com, die sich ausschließlich und äußerst unreflektiert mit Real Madrid beschäftigte. "Presi", wie er Florentino Perez anredet, erhielt von de Pedro regelmäßige Updates über die Nachrichtenlage bei diariobernabeu.com.

In der Regel blieben Reaktionen seitens Perez auf die Nachrichten von de Pedro aus, manchmal ließ er sich zu einem "Bien" (auf deutsch: gut) hinreißen. Eine Episode lässt dennoch ein von Perez geschaffenes Abhängigkeitsverhältnis zu de Pedro vermuten.

"Ancelotti, stell' Bale auf!"

Heißt konkret: Mitte Januar 2014 setzte der damalige Real-Trainer Carlo Ancelotti nicht mehr regelmäßig auf Gareth Bale in der Startelf. Die diariobernabeu reagierte mit der Kolumne "Ancelotti, stell' Bale auf!", in der offensiv ein Stammplatz für den Waliser gefordert wurde.

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Gareth Bale wechselte 2013 von Tottenham Hotspur zu Real Madrid © Getty Images

Wie gewohnt unterrichtete de Pedro seinen Präsidenten, die erste Nachricht datiert vom Abend des 16. Januars: "Presi, gleich hauen wir es raus, ich schick's Dir. Morgen werden wir den Trainer (Ancelotti Anm. d. Red.) auf der Pressekonferenz danach fragen" - Eine Antwort von Perez: Fehlanzeige.

Am nächsten Morgen legte de Pedro nach: "Guten Morgen Presi, wir haben die zwei Artikel online gestellt und heute in den sozialen Medien verbreitet." - Eine Antwort von Perez: Fehlanzeige.

Zitate belegen Einflussnahme

Kurz darauf: "Ich habe es so geändert, wie du es erbeten hast" - Eine Antwort von Perez: Fehlanzeige

Am Abend des 17. Januars: "Presi, heute Morgen haben wir den Trainer gefragt, wie du es uns gesagt hast." - Antwort von Perez: "Gut."

In der Tat wurde Ancelotti in der Pressekonferenz von Javier Iglesias, dem Chefredakteur der diariobernabeu.com befragt: "Ist es nicht ein übertriebener Luxus, dass Gareth Bale, anders als Cristiano Ronaldo, nicht immer in der Startelf steht?"

Weshalb sich nun die Frage aufdrängt, ob das Medium auf Anweisung des Real-Bosses handelte, sich womöglich gar auch anderer Stelle instrumentalisieren ließ.    

Ancelotti bestätigte in seiner Autobiographie darüberhinaus, dass Perez ihm auch in einem persönlichen Gespräch auftrug, Bale eine zentrale Rolle zu geben - nach Intervention von Bales Berater wohlgemerkt.

Perez spricht von "bedeutungslosem Thema"

De Pedro ist eine schillernde Figur auf in Spanien, gilt als Mitbeteiligter an der "Operacion Punica", einem großen Korruptionsskandal, in den auch die regierende konservative Volkspartei PP und Behörden verstrickt sein sollen.

Auch Perez wurde im Rahmen des Korruptionsskandals zu dem Thema befragt. Diariobernabeu.com sei "ein bedeutungsloses Thema", nur "eine von Tausenden" Zeitungen, die es zu Real Madrid gebe, zitierte El Confidencial aus der Vernehmung.

Perez versicherte zudem, die Zeitung sei nicht vom Verein verantwortet worden, sondern von de Pedro.

So oder so wirft die Veröffentlichung der Chatprotokolle weiteres Zwielicht auf den 70-Jährigen Klubboss von Real Madrid.

Die Chatprotokolle zum Nachlesen: https://de.scribd.com/document/343455739/Conversaciones-de-Alejandro-de-Pedro-con-Florentino-Perez#from_embed

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