Cristiano Ronaldo Real Madrid FC Barcelona
Gerard Pique (r.) konnte sich eine Spitze gegen Rivale Real Madrid nicht verkneifen © Getty Images

München - Der Barca-Star lässt eine verbale Breitseite gegen die Praktiken beim Erzrivalen los. Dessen Anwälte sind alarmiert. Von einer Klage will der Klub jedoch wohl absehen.

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Das Länderspiel gegen Frankreich war gerade mit einem 2:0-Prestigeerfolg für Spanien beendet, als Gerard Pique nicht mehr an sich halten konnte.

Ohne konkreten Anlass richtete der Abwehrspieler des FC Barcelona eine verbale Breitseite gegen Erzrivale Real Madrid, die in Spanien für großes Aufsehen sorgt - für die Pique inzwischen aber Rückendeckung aus dem Barca-Vorstand erhalten hat.

"Mag die Werte nicht, die Real vermittelt"

"Ich mag an Real die Werte nicht, die der Verein vermittelt. Die Spieler schätze ich sehr und viele im Nationalteam sind Freunde, mit denen ich Karten spiele", erklärte Pique, "aber mir gefällt nicht, auf der Ehrentribüne von Real die Menschen zu sehen, die die Fäden dieses Landes ziehen."

Und weiter: "Die Person, die Messi und Neymar beschuldigt und Ronaldo anders behandelt, ist auf der Tribüne an der Seite von Florentino (Perez). Ihr wisst, von wem ich spreche. So wie sie sind viele."

Damit bezog sich Pique anscheinend auf die Verurteilungen gegen seine Barca-Teamkollegen Messi und Neymar wegen Steuerhinterziehung, während gegen Real-Star Cristiano Ronaldo trotz der Aufdeckungen von Football Leaks nicht in Spanien ermittelt wird.

Generalstaatsanwältin bei Real Dauergast

Persönlich gemeint ist offenkundig die Perez-Vertraute Marta Silva de Lapuerta, während dessen erster Ägide als Real-Präsident in der Vereinsführung tätig und seitdem regelmäßig auf der Ehrentribüne zu Gast. 

Mittlerweile ist Silva de Lapuerta spanische Generalstaatsanwältin und in diesem Amt mehrfach gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens vorgegangen, die Pique unterstützt.

Barcas Vize-Präsident Jordi Cardoner stellte sich demonstrativ hinter seinen Spieler.

"Es beschäftigt mich, dass ich die Person im VIP-Bereich des Bernabeu sehe, die mit den Ermittlungen gegen Messi und Neymar betraut ist", sagte Cardoner mit Blick auf Lapuerta.

Nach allem, was er gelesen und gehört habe, "hat Gerard Pique keine Lügen verbreitet - und Barca ist immer auf der Seite der Wahrheit", betonte Cardoner: "Pique hat seine freie Meinung geäußert und wir sind für freie Meinungsäußerung."

Reals Anwälte prüfen Klage gegen Pique

Dennoch ist der Ärger bei den Königlichen über die Angriffe groß, diese seien auch unter Rivalen unsportlich und respektlos. Von einer Klage, über die laut Medienberichten zunächst diskutiert worden war, will der Klub jedoch wohl absehen.

Gelassener reagierte Real-Kapitän Sergio Ramos, der unmittelbar nach Piques Aussagen in Paris mit den Journalisten sprach. "Das, was Pique gesagt hat, ändert nichts an den Werten, am Wappen, an der Geschichte und an den Titeln von Real", sagte er, "auf jeder Ehrentribüne werden Fäden gezogen. Aber wenn man das generell bewertet, dann braucht es schon mehr, um uns zum Schweigen zu bringen."

Ramos: "Unsere Beziehung ist großartig"

Zudem stimmte Ramos den Aussagen seines Nebenmanns in der spanischen Abwehr zu, dass das Verhältnis der beiden ungeachtet aller gegenseitiger Sticheleien bestens sei: "Wir sind seit Jahren im Nationalteam zusammen und unsere Beziehung ist großartig. Wir haben ihm alle gesagt, dass es ein Fehler wäre, die Nationalmannschaft zu verlassen."

An seinem nach der EM in Frankreich angekündigten Rücktritt aus der Seleccion nach der WM 2018 will Pique aber nichts mehr ändern: "Das ist beschlossene Sache und steht seit langem fest. Aber im Moment genieße ich das Nationalteam sehr, wir haben eine großartige Gruppe und einen tollen Trainer und sind einer der Favoriten auf den WM-Titel."

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