Oscar (r.) und Renato Augusto (M.) stehen schon in China unter Vertrag. Folgt auch Lukas Podolski (l.)?
Oscar (r.) und Renato Augusto (M.) stehen schon in China unter Vertrag. Folgt auch Lukas Podolski (l.)? © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann/Getty Images/Imago

München und Rio de Janeiro - China holt nicht wahllos überalterte Stars für teures Geld. Qualität steht jetzt auf dem Einkaufszettel. Aber nicht nur am Niveau der Mannschaften wird geschraubt.

von , Martina Farmbauer

Der Wechsel von Carlos Tevez nach China scheint jedes Klischee über die Liga im Reich der Mitte zu bedienen.

Ein international erfahrener Profi im Herbst seiner Karriere nimmt einen sportlichen Abstieg in Kauf, um noch einmal richtig abzukassieren. Schließlich soll der bald 33 Jahre alte Angreifer nach seinem Wechsel von den Boca Juniors zu Shanghai Shenhua in zwei Jahren rund 80 Millionen Euro verdienen. Mehr als Cristiano Ronaldo und Lionel Messi.

Doch die irrsinnigen Zahlen vernebeln den Blick darauf, dass China bereits die nächste Stufe in seinem Masterplan zur massiven Aufwertung des heimischen Fußballs gezündet hat.

Oscar kommt für 60 Millionen

Nachdem die chinesische Regierung Fußball als Staatsziel ausgegeben hatte, wurden sofort ausländische Stars mit viel Geld in die Chinese Super League gelockt.

Doch Routiniers wie Nicolas Anelka oder Didier Drogba hielten es 2012 nicht lange aus. Sie berichteten von korrupten Strukturen und verloren den Spaß am Spiel. Beide waren allerdings bei ihrem Wechsel nach China schon über ihren Zenit hinaus.

Einige der jüngsten Transfers lassen aber aufhorchen. Besonders der des Brasilianers Oscar. Er verließ den Premier-League-Tabellenführer FC Chelsea, um sich Shanghai SIPG anzuschließen.

Ja, für eine hohe Ablöse - 60 Millionen Euro. Ja, für ein horrendes Gehalt - 21 Millionen Euro netto im Jahr.

Aber: Der Offensiv-Spieler ist mit 25 Jahren im besten Fußball-Alter, hat also seine beste Zeit noch vor sich.

"Spieler von hohem Niveau"

Auch der ehemalige Bundesliga-Torjäger Anthony Ujah (26) und Ex-Schachtjor-Star Alex Texeira (26) können noch mehrere Jahre auf hohem Niveau spielen.

Und Ramires, Ezequiel Lavezzi oder Hulk hätten sicherlich ebenfalls noch das Zeug dazu, um in der Champions League mitzuhalten.

Bemerkenswert ist ebenso der Fall Renato Augusto. Der Ex-Leverkusener hätte zum FC Schalke wechseln können, ging aber lieber zu Beijing Guoan. In den Länderspielpausen zieht der 28-Jährige die Fäden im zentralen Mittelfeld der brasilianischen Nationalmannschaft. Die Chinesen setzen neuerdings also auf Qualität.

Renato Augusto im Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft
Renato Augusto im Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft © Getty Images

Renato Augusto bestätigte das bei SPORT1: "China ist ein neuer Markt, der schon Nationalspieler angezogen hat und das wird nur noch zunehmen. Die Chinesen wollen, dass die Meisterschaft eine große Sichtbarkeit hat. Deshalb holen sie Spieler von hohem Niveau."

Und die haben nun mal ihren Preis. Renato Augusto meint dazu nur: "China ist voll mit Geld."

Das belegt auch ein Angebot für Cristiano Ronaldo. Laut dessen Berater Jorge Mendes versuchte ein chinesischer Klub den Superstar mit einem Jahresgehalt von 300 Millionen Euro zu locken - vergebens.

Chinesen sollen von Stars lernen

Die Fokussierung auf starke Spieler macht besonders mit Blick auf das Regelwerk der chinesischen Liga Sinn: Lediglich vier ausländische Spieler darf jedes Team unter Vertrag nehmen, nur drei davon dürfen auf dem Platz stehen. Die chinesischen Teamkollegen sollen von ihnen lernen, aber nicht verdrängt werden.

Durch ihre Fußball-Offensive will die Staatsführung nämlich die einheimischen Fußballer verbessern. Das Nationalteam soll nach Wunsch von Staatspräsident Xi Jinping regelmäßig an Weltmeisterschaften teilnehmen und irgendwann sogar um den Titel mitspielen.

Um sich das nötige Fußball-Know-how anzueignen, arbeiten die Chinesen bereits mit europäischen Top-Klubs wie Manchester City und Real Madrid zusammen.

Deutsches Know-how gefragt

Auch Richtung Deutschland wurden die Fühler schon ausgestreckt. Eine "FC Bayern Football School" soll in Qingdao entstehen, mit dem Hamburger SV werden regelmäßige Workshops abgehalten. DFB, DFL und Chinas Verband CFA vereinbarten im November eine weitreichende Zusammenarbeit. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel war bei der Vertragsunterzeichnung anwesend.

Mit Felix Magath wurde bereits ein deutscher Coach zu Shandong Luneng geholt. Bald könnte auch ein deutscher Weltmeister in der Super League auf dem Platz stehen: Lukas Podolski liegt ein Angebot von Renato Augustos Klub Beijing Guoan vor. Auch Guangzhou Evergrande soll Interesse am Weltmeister haben.

Bisher wechselten meist Südamerikaner und Afrikaner nach China. Podolski könnte nun die Tür nach Deutschland noch weiter aufstoßen.

Sogar Schiedsrichter im Visier

Aber nicht nur seine Spieler will China verbessern. An allen Stellschrauben wird gedreht.

Das Schiedsrichterwesen etwa wird als verbesserungsfähig angesehen. Deshalb soll auch der englische Top-Referee Mark Clattenburg ins Visier der Chinesen geraten sein.

Wie viel der Schiri in China verdienen würde, ist allerdings noch nicht bekannt.

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