Yokohama - Real Madrid muss gegen Kashima nachsitzen, krönt sich aber dank eines Dreierpacks von Cristiano Ronaldo zum Klub-Weltmeister. Der Matchwinner wird dennoch kritisiert.

Dreierpack und Matchwinner - Cristiano Ronaldo klatschte sich nach getaner Arbeit bei seiner Auswechslung in der 112. Minute fast lapidar nur kurz mit Trainer Zinedine Zidane ab.

Der schwer erkämpfte 4:2 (2:2, 1:1)-Erfolg des Champions-League-Siegers Real Madrid gegen den kessen Außenseiter Kashima Antlers im Finale der Klub-WM in Yokohama stand für den 31-Jährigen unter dem Motto: Auftrag erfüllt, abhaken!

"Was für ein Spiel?! Es wird von mir immer etwas Besonderes erwartet", sagte Ronaldo, "es ist ein unvergessliches Jahr - Champions-League-Sieg, Super-Cup-Triumph und EM-Titel mit Portugal. Hier nochmal drei Tore erzielt zu haben, macht das Traum-Jahr perfekt. Es ist unglaublich!"

Trotz seines 40. Hattricks im Real-Trikot bewertete die spanische Sportpresse die Leistung des Ausnahmekönners kritisch.

"Der schlechteste Ronaldo lässt Real triumphieren", titelte zum Beispiel die Madrider Tageszeitung AS auf ihrer Website und begründete diese harsche Beurteilung mit Ronaldos spielerischen Problemen: "Er verdribbelte sich ständig oder verlor Zweikämpfe. Er war erst am Ende hilfreich."

Schiedsrichter sorgt für Verwirrung

Kritik hin oder her: Am Ende blieb Real dank des Europameisters auch im 37. Spiel in Folge ungeschlagen, die letzte Niederlage hatten die Königlichen sinnigerweise gegen den Bundesligisten VfL Wolfsburg (0:2) am 6. April dieses Jahres in der Königsklasse hinnehmen müssen. 

"Das fantastische Ende eines großartigen Jahres mit Real Madrid. Jetzt ein paar Tage bei der Familie ausspannen", twitterte Kroos.

Ronaldo war in der 60. per Foulelfmeter, 98. und 104. Minute erfolgreich, das vierte Real-Tor steuerte Karim Benzema (9.) bei.

Für Verwirrung sorgte Schiedsrichter Janny Sikazwe aus Sambia, der Sergio Ramos kurz vor dem Ablauf der regulären Spielzeit wohl mit Gelb-Rot vom Platz stellen wollte, sich vermutlich auf Intervention des Video-Schiedsrichters aber anders entschied.

Die Madrilenen holten zum fünften Mal nach 1960, 1998, 2002 und 2014 den Weltpokal bzw. die Klub-WM.

Zidane wechselt vier Mal

EM-Champion Ronaldo bewahrte sein Team mit seinen Treffern vor einer drohenden Blamage gegen die unbequemen Japaner. Als Ronaldo in der 112. Minute den Platz im Nationalstadion von Yokohama verließ, war es im Übrigen die vierte Auswechslung bei Real; die Erhöhung des Wechselkontingents ist bei Verlängerungen möglich.

Gaku Shibasaki (44./52.) hatte mit einem Doppelschlag das zwischenzeitliche 2:1 erzielt. Antlers-Profi Yuma Suzuki (101.) hatte beim Stande von 2:3 mit einem Lattenkopfball Pech.

Ronaldo und Co. zeigten die reifere Spielanlage. Mit der frühen Führung im Rücken diktierten die Königlichen das Spiel und standen auch in der Abwehr sicher. Kashima konnte die Verteidigung der Madrilenen zunächst nur selten in Gefahr bringen, zeigte aber im weiteren Verlauf immer mehr Selbstvertrauen und deckte die Abwehrschwächen der Real-Asse auf.

Perfekter Jahresabschluss für Ronaldo

Ronaldo konnte sich lange Zeit nicht in Szene setzen. Doch in der zweiten Halbzeit nach dem Rückstand und der Verlängerung drehte er auf, war nicht mehr zu halten und war der entscheidende Mann aufseiten des spanischen Tabellenführers. 

Am Ende stand für Europas Fußballer des Jahres und EM-Champion aber ein perfekter Jahresabschluss bei der Klub-WM. Außerdem schloss er die Woche standesgemäß mit einem weiteren Titel ab, nachdem er erst am vergangenen Montag bei der Wahl von "France Football" mit dem Ballon d'Or (goldenen Ball) ausgezeichnet worden war.

Es wird nicht der letzte Titel für Ronaldo in dieser Saison gewesen sein.

Auch bei der FIFA-Gala im Januar in Zürich gilt er als haushoher Favorit auf den Titel als Weltfußballer im Dauerduell mit seinem argentinischen Erzrivalen Lionel Messi vom FC Barcelona. Real trat bei der Klub-WM die Nachfolge der Katalanen an, die vor Jahresfrist gegen River Plate aus Buenos Aires triumphiert hatten.

Kroos glänzt mit Assist

Real-Coach Zinedine Zidane hatte allerdings davor gewarnt, den Wettbewerb des Weltverbandes FIFA in Japan auf die leichte Schulter zu nehmen.

"Wir können nicht einfach auftauchen und erwarten, dass wir gewinnen. Wir müssen es uns verdienen", sagte der einstige französische Weltstar, der auf den Waliser Gareth Bale (Knöchel-OP) verzichten musste, im Vorfeld. Kroos stand hingegen nach seinem Haarriss im rechten Fuß wieder komplett genesen zur Verfügung. Der Ex-Münchner gehörte zu den Aktivposten bei Real und bereitete den 4:2-Endstand vor.

Zuvor hatte sich der kolumbianische Klub Atletico Nacional aus Medellin den dritten Platz gesichert. Im kleinen Finale gewannen die Südamerikaner mit 4:3 im Elfmeterschießen gegen die Mexikaner von Club America.

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