SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar zieht nach dem WM-Auftaktsieg der Bad Boys den Hut vor Heinevetter und Gensheimer. Für die Nachnominierung kommt nur ein Spieler infrage.

Hallo Handball-Fans,

der WM-Auftakt ist mit dem Sieg gegen Ungarn geglückt.

In der ersten Halbzeit hat die deutsche Mannschaft aufgespielt, wie wir es von ihr aus den letzten Turnieren kennen. Silvio Heinevetter war überragend hinten drin und hat mehrere Monster-Paraden abgeliefert, sodass die Mannschaft immer wieder zu leichten Toren kam. Damit hat Heinevetter eine absolute Benchmark gesetzt und ist großartig ins Turnier gestartet. Hut ab!

Dennoch glaube ich, dass Andreas Wolff im Turnierverlauf noch wichtig werden wird. Ich kann mir sogar vorstellen, dass er im nächsten Spiel beginnen wird. Auf der Torhüterposition sind wir einfach sehr gut besetzt. Da gibt es keine klare Nummer 1 und 2.

In der zweiten Halbzeit gab es dann einen kleinen Bruch. Da haben wir viele technische Fehler gemacht und die sehr robuste Abwehr der Ungarn hat uns zu schaffen gemacht. Diese Phase war sehr umkämpft und Ungarn ist noch einmal gefährlich nah herangekommen.

Zusammenfassend würde ich aber sagen, dass diese immer noch recht junge deutsche Mannschaft die Nerven behalten und die Bewährungsprobe bestanden hat.

Dabei hat mich vor allem die Leistung von Uwe Gensheimer beeindruckt. Dass er trotz des Schicksalsschlags zur Weltmeisterschaft gefahren ist, finde ich bemerkenswert. Und mit dem Background 13 Tore im ersten Spiel zu machen, ist sehr beachtlich. Davor muss man Respekt haben. Also Hut ab vor dem, was unser Kapitän da geleistet hat. 

Für den freien Platz im Kader kommt für mich nur Holger Glandorf in Frage. Es sei denn, es passiert in den nächsten Spielen noch etwas Ungewöhnliches und jemand verletzt sich. Im ersten Spiel hat Kai Häfner auf dieser Position eine tolle erste Halbzeit gespielt. Er ist auch zu Recht die Nummer 1 dort. Am Anfang der zweiten Hälfte hat er sich allerdings etwas schwer getan. Es wäre gut, noch einen weiteren Linkshänder zu haben.

Daher ist für mich die logische Konsequenz, Glandorf zu holen. Die Frage ist demnach nur, zu welchem Zeitpunkt des Turniers er - abhängig von seinem Gesundheitszustand - einsteigen kann.

Nun wartet als nächster Gegner auf die deutsche Mannschaft Chile (So., ab 14.45 Uhr im LIVETICKER und im LIVESTREAM auf handball.dkb.de), das nicht zu unterschätzen ist. Immerhin haben die Chilenen Weißrussland geschlagen, was keine Laufkundschaft ist. Durch den ersten Sieg bei dieser WM herrscht bei Chile eine gewisse Euphorie, sodass ich denke, dass es ein unangenehmer Gegner ist.

Allerdings muss man auch ehrlich sagen: Chile, Weißrussland und Saudi-Arabien sind Mannschaften, die wir schlagen müssen. Das Ziel unserer Mannschaft ist, Gruppensieger zu werden und somit sind die nächsten Spiele eine Pflichtaufgabe. Wir haben jetzt Ungarn geschlagen und die logische Konsequenz muss sein, auch gegen Chile zu gewinnen.

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 43, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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