Rouen - Die Europameister müssen lange um den Sieg beim WM-Auftakt gegen Ungarn zittern. SPORT1 zeigt, welche Lehren das DHB-Team auf dem Weg zum Titel ziehen muss.

Abgekämpft, aber zufrieden machten sich die deutschen Handballer nach dem Auftaktsieg bei der WM in Frankreich auf den Weg ins Teamquartier im Süden von Rouen. Was nach einer starken ersten Halbzeit gegen Ungarn schon wie ein Selbstläufer aussah, wurde im zweiten Durchgang ganz schön zitterig.

Am Ende stand ein wichtiges 27:23, weshalb man guter Dinge in die nächste Partie der Vorrundengruppe C am Sonntag gegen Chile (ab 14.30 Uhr im LIVETICKER) gehen kann.

SPORT1 analysiert, was gut lief und wo es noch hakte - die Lehren aus dem WM-Auftakt:

- Deutschland (noch) nicht in Titelform

Das deutsche Team wird sich steigern müssen, will es um die Medaillen spielen. Obwohl Ungarns Superstar Laszlo Nagy früh im Spiel verletzt ausfiel und trotz der individuellen Überlegenheit taten sich die Bad Boys schwer.

Gerade eingangs der zweiten Hälfte wirkte die Offensive konfus. Der gewonnene Kampf stärkte immerhin das Selbstbewusstsein.

"Das war genau der richtige Auftaktgegner – wenn man so ein Spiel dann auch gewinnt", analysierte DHB-Vizepräsident Bob Hanning im Gespräch mit SPORT1: "Jetzt können wir die Fehler analysieren, die wir gemacht haben. Wir wissen, dass wir nicht am Limit gespielt haben und noch einen weiten Weg vor uns haben." Positiv gesehen: Diese Mannschaft kann noch viel mehr.

- Giganten-Gespann im Tor

Etwas überraschend bekam Silvio Heinevetter den Vorzug vor EM-Held Andreas Wolff und dankte es dem Bundestrainer mit einer Glanzleistung.

"Das war Wahnsinn von Heine", sagte Julius Kühn zu SPORT1: "Super, dass er so ins Turnier reinkommt." 39 Prozent gehaltene Bälle, davon zahlreiche spektakuläre Paraden standen unter dem Strich, weshalb Wolff die Trainingsjacke gar nicht erst auszog und 60 Minuten auf der Bank verbrachte.

Jetzt wird Heinevetters Auftritt ihn anstacheln. "Vielleicht steht beim nächsten Mal wieder jemand anderes im Mittelpunkt", orakelte Kühn.

- Häfner nimmt die Schlüsselrolle an

Nur ein Linkshänder für den rechten Rückraum steht im deutschen Kader, auf Kai Häfner kommt es an. Sieben Treffer bei elf Versuchen und ein insgesamt starker Auftritt des Hannoveraners dürften Dagur Sigurdsson in seiner Taktik bestärkt haben, Holger Glandorf (noch) zu Hause zu lassen.

"Ich mache mir da gar nicht so viele Gedanken", sagte Häfner: "Wenn ich auf der Platte bin, lege ich alles rein, was ich habe. Was noch kommt, wird man sehen."

- Der Trainer ist und bleibt ein Fuchs

Als das Spiel zu kippen drohte, setzte Sigurdsson auf den taktischen Kniff mit dem siebten Feldspieler und lag damit goldrichtig. War seinen Spielern zuvor rein gar nichts eingefallen, nutzten sie die Räume mit einem Mann in Überzahl für einige wichtige Aktionen und hielten die Ungarn auf Distanz.

Außerdem wechselte Sigurdsson viel im Rückraum, verteilte die Belastung. Und auf Heinevetter anstelle von Wolff zu setzen, erwies sich als goldrichtig.

- Abwehr auf gutem Weg

Was der Innenblock mit Patrick Wiencek und Finn Lemke gerade in der ersten Halbzeit zeigte, war phasenweise beeindruckend. Schon beim EM-Triumph basierte der Erfolg bekanntlich auf der bärenstarken Defensive. Aber: Erst gegen die Top-Gegner wird sich zeigen, wie gut das Fehlen Hendrik Pekelers wirklich kompensiert werden kann.

- Gensheimer wird gebraucht und ist da

Natürlich stand ein Fragezeichen hinter Uwe Gensheimer. Wie würde er den Schicksalsschlag mit dem Tod seines Vaters verdrängen können? Er schaffte es, sich auf den Sport zu konzentrieren, war mit 13 Treffern und 87 Prozent Quote mit Abstand bester deutscher Werfer.

Und wenn er die Mannschaft in der kommenden Woche wegen der Beerdigung kurzzeitig verlassen wird, kann Rune Dahmke ihn ersetzen. Der Kieler ist nach seiner Erkrankung wieder fit.

Weiterlesen