Rouen und München - Beim WM-Auftakt noch außen vor, hext sich Andreas Wolff gegen Chile trotz eines schmerzhaften Bremsmanövers zum MVP und rechtfertigt seinen Ehrgeiz gegenüber dem DHB-Vize.

von Michael Prieler

Große Taten, große Worte: Andreas Wolff hat das WM-Parkett verspätet, aber umso eindrucksvoller betreten.

Nachdem Deutschlands Vorzeige-Handballer seinen Platz im Tor beim Auftakt gegen Ungarn komplett Silvio Heinevetter hatte überlassen müssen, stieg er beim 35:14-Kantersieg gegen Chile am Sonntag gleich zum MVP auf und hat damit seinen ersten Titel schon eingeheimst. (Der Spielplan der Handball-Weltmeisterschaft 2017)

Was ihm natürlich nicht genug ist. "Ich habe oft genug gesagt, dass ich den Titel gewinnen will, und meine Mannschaft zieht mit", erneuerte der EM-Held von 2016 unmissverständlich seine Gold-Ansprüche. "Deshalb geht es bis ins Finale und dann auf den Rathausbalkon feiern."

Schmerzen zwingen Wolff nur kurz in die Knie

Fokussiert wie beim Europameisterschaftstriumph im vorigen Jahr ließ sich Wolff auch von einer schmerzhaften Rutschpartie nicht beirren. 

"Ich musste aufs Tor zu sprinten, habe meine Geschwindigkeit unterschätzt und musste dann auf den Knien abbremsen", erklärte er auf SPORT1-Nachfrage die Szene in der 21. Minute, nach der er kurz humpelte.  "Das ist dann über die Hüfte in die Knie reingezogen."

Wolff wäre aber nicht Wolff, würde er Bundestrainer Dagur Sigurdsson nicht umgehend seine Bereitschaft für die anstehende Partie gegen Saudi-Arabien (Di., 17.45 Uhr auf im LIVESTREAM auf handball.dkb.de und im LIVETICKER) geben: "Es tut noch etwas weh, aber ich denke, dass ich in zwei Tagen wieder fit bin."  

Auch gegen Schwächere hochmotiviert

Auch gegen schwächere Gegner ist Wolff vom Ehrgeiz getrieben und "nimmt jedes Gegentor als persönliche Beleidigung", wie DHB-Vizepräsident Bob Hanning anmerkt.

Der Keeper verteidigte sich schlüssig: "Ich ärgere mich generell über jedes Gegentor - gegen Chile genauso wie gegen Dänemark. Dass kann er mir nicht übel nehmen. Mein Job ist es ja schließlich, diese zu verhindern."

Und er weiß, dass er dabei auf seine Vorderleute angewiesen ist. Folglich lobte er nach seiner Gala mit 53 Prozent gehaltener Würfe: "Wir haben dominiert, haben sehr früh sehr hoch vorne gelegen. Und trotzdem hat der Defensivverbund sehr, sehr gut gearbeitet und über 60 Minuten die Spannung hoch gehalten. Das ist nicht einfach gegen solche Mannschaften."

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