Uwe Gensheimer (M.) und Patrick Groetzki spielten lange gemeinsam bei den Rhein-Neckar Löwen © Picture-Alliance

Patrick Groetzki gehört zu den erfahrensten Spielern im DHB-Team. Im SPORT1-Interview spricht er über die starke Frühform und den Schicksalsschlag für Uwe Gensheimer.

Er zählt zu den Erfahrensten im deutschen Team - und hat daher noch die dunklen Tage in der Nationalmannschaft mitgemacht.

Auch persönlich lief es für Patrick Groetzki nicht immer nach Plan: Den EM-Triumph 2016 verpasste er wegen eines Wadenbeinbruches, bei Olympia reiste er vorzeitig verletzt ab. Nun will der Rechtsaußen von den Rhein-Neckar Löwen bei der WM in Frankreich (ab Mittwoch im LIVETICKER) voll angreifen.

Im SPORT1-Interview spricht der 27-Jährige (103 Länderspiele) über das vielleicht beste Torhüter-Duo der Welt, Comebacker Holger Glandorf und den Schicksalsschlag für seinen langjährigen Vereinskollegen Uwe Gensheimer.

SPORT1: Herr Groetzki, war der deutliche Sieg gegen Österreich eine perfekte WM-Generalprobe?

Patrick Groetzki: Kann man so sagen, das war schon richtig gut. Zumindest nach den ersten 15 Minuten, die etwas zu fehlerhaft waren in Abwehr und Angriff. Dann lief der Motor. Nur fünf Gegentore in der zweiten Halbzeit sprechen eine deutliche Sprache.

SPORT1: Und das, obwohl Dagur Sigurdsson extrem viel gewechselt hat. Ist die Variabilität nach wie vor die größte Stärke der Mannschaft?

Groetzki: Auf jeden Fall eine unserer Stärken. Man hat wieder gesehen, dass alle Spieler, die von der Bank kommen, Impulse setzen und eine wichtige Rolle spielen können. Wenn man das weiterspinnt: Jeder bei uns kann ein Spiel entscheiden. Das ist sehr wichtig. (SERVICE: Der WM-Spielplan zum Ausdrucken)

SPORT1: Wie fällt Ihr Fazit der diesmal ja sehr kurzen Vorbereitung aus?

Groetzki: Sehr gut. Die Testspiele waren ordentlich, und wir sind zum Großteil ohne Verletzungen durchgekommen. Tobi (Reichmann, Anm. d. Red.) war noch etwas angeschlagen, aber ihm geht es auch schon wieder besser. In Kaiserau hatten wir perfekte Bedingungen und auch sehr gutes Essen (lacht).

SPORT1: Wie ist es, mit Holger Glandorf wieder einen ganz erfahrenen Mann auf Ihrer Seite mit dabei zu haben?

Groetzki: Holger ist zunächst mal ein unglaublich guter Handballspieler. Als Außen freut man sich da natürlich. Er hat einfach dieses Tempo drin und das Timing bei den Anspielen. Und er trifft eben fast alle seine Würfe. Das hat unter der Woche im Training schon gut ausgesehen und hat sich jetzt noch einmal bestätigt.

SPORT1: Rechnen Sie damit, dass er zur WM nachreist?

Groetzki: Der Plan ist, erst einmal mit 15 Mann nach Frankreich zu fahren. Wir werden dann sehen, ob Holger nachkommt. Er würde uns als Mannschaft aber sicher sehr gut tun.

SPORT1: Gegen Rumänien glänzte Silvio Heinevetter, gegen Österreich Andreas Wolff. Hat Deutschland das beste Torhüter-Duo der Welt?

Groetzki: Wenn man sich die Quoten der letzten beiden Spiele anschaut, kann man schon darüber reden. Beide sind in unglaublich guter Form und haben sehr starke Hinserien in der Bundesliga gespielt. Und das bestätigen sie konstant. Wir können nur froh sein, zwei Mann von dem Format hinten drin zu haben.

SPORT1: Die Frühform des gesamten Teams ist fast beängstigend gut. Besteht nun die Gefahr, dass man den einen oder anderen Vorrundengegner unterschätzt?

Groetzki: Das glaube ich nicht. Wir wissen schon, dass Österreich und Rumänien nicht die Gradmesser waren. Bei der WM kommen andere Kaliber auf uns zu. Außerdem sehen wir Tag für Tag im Training, was es noch für Schwachstellen bei uns gibt, an denen wir arbeiten müssen.

SPORT1: Die EM verpassten Sie verletzt komplett, Olympia endete für Sie abrupt. Wie ist Ihre persönliche Gefühlslage vor diesem Turnier?

Groetzki: Ich verspüre eine große Vorfreude! Ich freue mich immer auf die Nationalmannschaft. Und wenn man wieder bei einem großen Turnier dabei sein darf, ist das natürlich super.

SPORT1: Wie geht die Mannschaft mit dem Schicksalsschlag für Uwe Gensheimer, ihrem langjährigen Vereinskollegen, um?

Groetzki: Das weiß ich ehrlich gesagt auch noch nicht. Es ist schwierig zu sagen, wie Menschen in so einer Situation reagieren. Uwe muss alle Zeit der Welt gegeben werden, um über so einen schweren Schlag hinwegzukommen. Wenn er dann zurückkommt, werden wir natürlich versuchen, ihn aufzumuntern und auf andere Gedanken zu bringen. Hoffentlich hilft das.

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