Der SC Magdeburg gewinnt einen irren Handball-Krimi gegen den THW Kiel in allerletzter Sekunde. Tabellenführer Flensburg feiert dagegen einen Kantersieg.

Der SC Magdeburg hat einen irren Krimi in der Handball-Bundesliga gegen den THW Kiel dank eines Treffers in letzter Sekunde mit 27:26 gewonnen. Im ausverkauften Magdeburger "Hexenkessel" verlangten die Gastgeber den "Zebras" alles ab und holten mit dem Erfolg den siebten Sieg nacheinander.

Michael Damgaard erzielte in der Schlusssekunde den entscheidenden Treffer für Magdeburg. Damit bleibt der SC mit 30:14 Punkten als Tabellenfünfter auf Europapokal-Kurs, während die Meisterchancen von Kiel auf ein Minimum gesunken sind (SERVICE: Die Tabelle).

"Ich habe in dieser Situation nicht nachgedacht. Ich bin überglücklich", sagte der Matchwinner nach der Partie im Gespräch mit SPORT1.

Tumulte nach Rot gegen SCM

Beide Mannschaften zeigten von Beginn an ein Spiel der Extraklasse - in dem es auch ordentlich zur Sache ging. Magdeburgs Marko Bezjak sah nach 14 Spielminuten nach einer harten Attacke gegen Christian Dissinger die Rote Karte. Danach kam es zu Tumulten hinter der Kieler Spielerbank, woraufhin zwei Zuschauer die Halle verlassen mussten. 

Zu diesem Zeitpunkt lag der THW auch dank starker Paraden von Torwart Andreas Wolff mit 10:7 in Führung. Der SCM steckte jedoch nicht zurück und ging selbst mit 15:14 in Front, ehe Kiels Domogoj Duvnjak mit einem Tor in der letzten Sekunde der ersten Halbzeit per Kempa-Trick für den würdigen Abschluss sorgte.

THW mit Ladehemmung

Der THW erwischte den besseren Start aus der Pause und führte 20:17. Nach fast acht Minuten ohne eigenes Tor musste der Rekordmeister das "Team der Stunde" aber wieder vorbeiziehen lassen - und nicht nur das. Beim Stand von 26:23 sah der SCM bereits wie der sichere Sieger aus, doch dem THW gelang in einer dramatischen Schlussphase noch einmal der Ausgleich.

Dann schlug die große Sekunde von Damgaard, der dem in der zweiten Halbzeit stark haltenden Niklas Landin im Kieler Tor mit seinem Hammerwurf keine Chance ließ.

Gislason sauer auf die Schiedsrichter

THW-Trainer Alfred Gislason haderte nach dem Spiel mit Zwei-Minuten-Strafen gegen Lukas Nilsson und Patrick Wiencek in der Schlussphase und mit Unkonzentiertheiten seiner Spieler.

"Wir haben in der zweiten Halbzeit zu viel über außen verworfen und zu überhastet gespielt. Sonst war es ein gutes Spiel von uns. Ein Punkt wäre verdient gewesen", sagte er am SPORT1-Mikrofon. Auf die Frage, ob der THW jetzt aus dem Titelrennen ist, antwortete er: "So wie es momentan aussieht ja."

Flensburg bleibt an der Spitze

Die SG Flensburg-Handewitt hat derweil ihre Führung weiter ausgebaut. Die Mannschaft von Trainer Ljubomir Vranjes setzte sichh bei GWD Minden mit 41:17 (18:9) durch und steht mit 41:3 Punkten an der Spitze. Meister Rhein-Neckar Löwen (34:4) kann dadurch am Sonntag mit einem Sieg bei den Füchsen Berlin wieder an Kiel vorbeiziehen und auf Platz zwei vorrücken. 

Der SC DHfK Leipzig setzte sich in seinem ersten Heimspiel 2017 gegen FrischAuf Göppingen mit 29:23 (15:8) durch. Für die Mannschaft des designierten Bundestrainers Christian Prokop war es nach drei Niederlagen und einem Unentschieden in der Fremde der erste Sieg seit dem 17. Dezember.

Der TVB Stuttgart musste unterdessen im Kampf um den Klassenerhalt eine bittere 21:23 (12:13)-Niederlage gegen die MT Melsungen hinnehmen.

Die Spiele im Stenogramm:

DHfK Leipzig - FA Göppingen 29:23 (15:8)
Tore: Pieczkowski (6), Steinert (5), Semper (5), Meschke (4), Krzikalla (3), Jurdzs (2), Binder (2), Rojewski (1), Janke (1) für Leipzig - Sesum (4), Berg (4), Kneule (3), Schiller (3), Pfahl (3), Späth (2), Heymann (2), Rentschler (2) für Göppingen
Zuschauer: 3298

TVB Stuttgart - MT Melsungen 21:23 (12:13)
Tore: Weiss (5), Celebi (4), Schimmelbauer (3), Schagen (3), Schweikardt (2), Kraus (2), M'Bengue (2) für Stuttgart - Sellin (8), Jaanimaa (6), Fahlgren (3), Müller (2), Schneider (2), Rnic (1), Danner (1) für Melsungen
Zuschauer: 2251

TSV GWD Minden - SG Flensburg-Handwitt 17:41 (9:18)
Tore: Wieling (6), Freitag (2), Freiman (2), Rambo (2), Gullerud (2), Korte (1), Richtzenhain (1), Michalczik (1) für Minden -  Eggert (8), Svan (7), Toft Hansen (6), Gottfridsson (4), Mahé (4), Glandorf (3), Lauge Schmidt (3), Radivojevic (3), Zachariassen (2), Djordjic (1) für Flensburg
Zuschauer: 3197

SC Magdeburg - THW Kiel 27:26 (15:15)
Tore: Damgaard (6), Musche (5), Christiansen (5), Weber (4), Musa (2), Grafenhorst (2), O'Sullivan (1), Bezjak (1), Bagersted (1) für Magdeburg - Ekberg (5), Vujin (5), Duvnjak (3), Dissinger (3), Dahmke (3), Nilsson (3), Wienceck (2), Toft Hansen (1), Bilyk (1) für Kiel
Zuschauer: 6800

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