SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar sieht Flensburg vor einer der höchsten Hürden auf dem Weg zum Titel © SPORT1-Grafik: Imago

Stefan Kretzschmar spricht in seiner SPORT1-Kolumne über die Chancen der SG in Magdeburg. Kiel sieht er im deutschen Champions-League-Duell als Außenseiter.

Hallo Handball-Fans,

heute muss die SG Flensburg-Handewitt beim SC Magdeburg antreten (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM). Die Magdeburger sind dabei der größte noch verbliebene Stolperstein für die Flensburger im Titelkampf. Der SCM zeigt jetzt das Gesicht, das man von ihm erwartet hat. 

Die Frage war, wie schnell die Spieler zu einer Mannschaft werden. Rund um die Jahreswende wurde das geschafft, jetzt spielen sie mit viel Selbstvertrauen. Die Serie der Magdeburger ist nicht überraschend, sie spielen einen tollen Handball. Daher ist es auch denkbar, dass sie Flensburg schlagen.

Aber Flensburg ist momentan die solideste und stabilste Mannschaft im Titelkampf. Ich hatte Bedenken nach dem Ausfall von Abwehrchef Tobias Karlsson, aber auch das haben sie bravourös weggesteckt. Sollten die Flensburger auch diese Auswärtshürde nehmen, dann sind sie mit ihrem Selbstvertrauen wohl nicht zu bezwingen und kämen der Meisterschaft sehr nahe.

In der Champions League kommt es im Achtelfinale zum deutsch-deutschen Duell zwischen dem THW Kiel und den Rhein-Neckar-Löwen (Mi., ab 18.30 Uhr im LIVETICKER). In dieser Partie gibt es keinen klaren Favoriten. Das Ergebnis von Kiel in Paris (24:42, d. Red.) will ich nicht überbewerten, aber die Kieler haben in diesem Jahr deutlich mehr Probleme als die Löwen.

Daher sind die Löwen auch leichter Favorit in diesem Achtelfinale für mich.

Bei den Kielern hält sich die Enttäuschung über die bisherige Saison in Grenzen. Alle haben mit einem schweren Jahr gerechnet. Daher würde ein Aus im Achtelfinale der Champions League wohl keine personellen Konsequenzen nach sich ziehen. In Kiel ist man zwar erfolgsverwöhnt und spielt immer um Titel mit, doch mit den vielen jungen Spielern braucht es einfach Zeit, bis es wieder soweit ist.

Aber der Kampfgeist von Alfred Gislason und die Ostseehalle werden es den Löwen schwer machen. Ein Abgesang auf die Kieler kommt zu früh. Sie haben ökonomisch die größten Möglichkeiten in Deutschland und können jedes Jahr eine Mannschaft zusammenstellen, die um den Titel mitspielt.

Auch die Mitkonkurrenten werden in der nächsten Saison ihre Probleme bekommen. Flensburg muss sehen, inwieweit der Trainerwechsel von Ljubomir Vranjes zu Maik Machulla Auswirkungen hat, und auch die Löwen haben mit dem Abgang von Kim Ekdahl du Rietz einen herben Verlust zu verkraften.

Daher muss man die Kieler in jedem Jahr auf der Rechnung haben, das dürfte sich auf Jahrzehnte hinaus nicht ändern.

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 43, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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