Rhein Neckar Loewen v THW Kiel - EHF Champions League Quarter Final Leg 2
Die Rhein-Neckar Löwen um Spielmacher Andy Schmid (r.) sind mit der Informationspolitik des THW Kiel nicht einverstanden © Getty Images

Mannheim - Nach dem dramatischen Champions-League-Aus gegen den THW Kiel werfen die Rhein-Neckar Löwen dem Rekordmeister eine "unangemessene" Finte vor.

Andy Schmid wollte nach dem Champions-League-Krimi eigentlich kein schlechter Verlierer sein. Und trotzdem ließ der Weltklasse-Spielmacher der Rhein-Neckar Löwen seiner Wut über die vermeintliche Fake-News-Taktik des THW Kiel freien Lauf.

"So etwas hätten sie vor ein paar Jahren noch nicht nötig gehabt", schimpfte Schmid nach dem 24:26 (12:12) der Badener im Achtelfinal-Rückspiel gegen den Handball-Rekordmeister von der Förde.

Was den ansonsten so gelassenen Schweizer nach dem verpassten Viertelfinale auf die Palme brachte, war das im Vorfeld verbreitete falsche Bulletin der Kieler. Gewitzter Bluff oder Naivität der Löwen? Die Meinungen über die kolportierten Verletzungen der drei THW-Leistungsträger Domagoj Duvnjak, Steffen Weinhold und Rene Toft Hansen gingen weit auseinander.

Vorwürfe in den Katakomben

Fakt war allerdings, dass der zuletzt strauchelnde THW die Niederlage (24:25) aus dem Hinspiel auch dank seines bärenstarken Keepers Niklas Landin wettmachen konnte. Nach hochspannenden Minuten entschied vor 10.712 Zuschauern letztlich nur ein Treffer das Prestigeduell auf Augenhöhe. 

Die "Nachspielzeit" in den Katakomben der Mannheimer Arena war dann auch nicht weniger brisant. Und Kiels Nationalspieler Patrick Wiencek gab den Täuschungsversuch der Gäste sogar zu: "Das sind doch Tricks, die jeder macht. Und wir dürfen das auch mal", betonte der bullige Kreisläufer schulterzuckend.

Was Wiencek mit "Tricks" meinte: Wider Erwarten hatten Duvnjak (entzündete Patellasehne), Weinhold (Entzündung in der Nackenmuskulatur) und Toft Hansen (Adduktorenprobleme) in der Startformation der Gäste gestanden. Dabei hatte der THW in den Tagen vorher in einer Pressemitteilung verkündet, dass Linkshänder Weinhold definitiv im Rückspiel gegen die Löwen fehlen werde.

Kiels Trainer Alfred Gislason und Manager Thorsten Storm hatten zudem im Vorfeld bestätigt, dass auch Regisseur Duvnjak wegen einer OP an der Patellasehne nicht auflaufen könne. "Dass Storm nicht immer die Wahrheit sagt, wissen wir alle", ätzte Löwen-Anführer Schmid.

Storm kontert Schmids Kritik

Die Worte kamen einem Donnerhall gleich und werden umso pikanter, wenn man bedenkt, dass Storm vor seiner Zeit in Kiel sieben Jahre lang die Geschicke in Mannheim geleitet und Schmid sogar zu den Rhein-Neckar Löwen geholt hatte.

Storm konterte derweil die Schmid-Kritik als "unangemessen" und widersprach sogar seinem Kreisläufer Wiencek. "Das war kein Trick. Duvnjak, Weinhold und Toft Hansen wollten unbedingt spielen. Das war ein riesen Risiko", meinte der 52-Jährige und fügte an: "Ich glaube auch nicht, dass sie in diesem Spiel den Ausschlag gegeben haben." 

Abwehrchef Toft Hansen schon einmal sicher nicht. Der Däne kassierte bereits in der 6. Minute nach einem rüden Foul an Alexander Petersson die Rote Karte. Einen "echten" Verletzten beklagten einen Tag nach dem Spiel dagegen die Löwen. Der schwedische Nationaltorhüter Andreas Palicka fällt mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel wohl vier bis fünf Wochen aus.

Weinhold konnte die Aufregung ebenfalls nicht verstehen: "Ich habe eben die Zähne zusammengebissen - wie meine Teamkollegen auch", sagte der Europameister, dem wie Duvnjak drei Treffer gelangen.

Weinhold konnte die Aufregung über "Flunker Gate" nicht verstehen: "Ich habe eben die Zähne zusammengebissen - wie meine Teamkollegen auch", sagte der Europameister, dem wie Duvnjak drei Treffer gelangen.

Gislason: "Habe keinen angelogen"

Auch Gislason wehrte sich. "Ich habe keinen angelogen", behauptete der Isländer. Wie es mit Duvnjak, der mit Schmerzmitteln spielt und nicht trainieren kann, weitergeht, steht noch nicht fest. Gut möglich aber, dass der Kroate auch in den Viertelfinalspielen gegen den neunmaligen Titelträger FC Barcelona (zwischen dem 19. und 30. April) zum Einsatz kommt.

Die Katalanen sinnen in der Königsklasse auf Revanche. Die Kieler hatten Barca in der vergangenen Saison in der Runde der letzten Acht ausgeschaltet, zuletzt in der Gruppenphase gewann Barca sein Heimspiel, in Kiel gab es ein Remis.

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