Martin Kaymer gewann mit dem Team Europa zum dritten Mal in Folge den Ryder Cup

Von Martin Hoffmann

München - Der Hattrick ist vollbracht.

Zum dritten Mal hat Martin Kaymer den Ryder Cup gewonnen, in der 40. Auflage des Kontinentalvergleichs gab es den 13. Sieg für Team Europa über Team USA (Bericht).

"Jetzt wird nicht ein bisschen gefeiert, es wird extrem gefeiert", kündigte der deutsche US-Open-Sieger bei "Sky" direkt an.

Nur logisch, das Traditionsereignis ist bekannt dafür, aus der sonst so gediegenen Golfwelt weit mehr Emotionen herauszuholen als üblich – und auch weit mehr Fans, die sonst nichts mit dem Sport anfangen können, zu begeistern.

SPORT1 blickt auf ein spezielles Turnierwochenende zurück - nicht nur sportlich (LIVE-TICKER zum Nachlesen).

Das Sportliche:

Beim Wunder von Medinah 2012 machte Martin Kaymer den entscheidenden Putt, in Gleneagles war der Deutsche nach zwei wechselhaften ersten Tagen wieder da, als es darauf ankam.

Zum Schluss holte er den vorentscheidenden 13. Punkt gegen Masters-Sieger Bubba Watson, mit einem Eagle entschied er das Match schon am 16. der 18 Löcher für sich - ehe der Waliser Jamie Donaldson den Sieg vollendete (DATENCENTER: Turniere und Ergebnisse).

In erster Linie war Europas Erfolg eine Teamleistung, die sich Kapitän Paul McGinley zugutehalten darf. Von allen Seiten wird ihm attestiert, seine Mannschaft strategisch und menschlich klug geführt zu haben.

Seinem US-Pendant Tom Watson wurde dagegen ein fehlender Plan und Mangel an Kommunikation vorgeworfen, Routinier Phil Mickelson übte hinterher öffentliche, nur notdürftig verhüllte Kritik an Watson.

Bezeichnend: Eine SMS Mickelsons mit dem Wunsch, am Samstag spielen zu dürfen, soll Watson mit einem schlichten "No" beantwortet haben.

Im Team Europa funktionierte es zwischenmenschlich, dazu trug auch Kaymer bei. Seine Qualitäten in dieser Hinsicht sah man beim Match gegen Watson, als er einen lautstarken Streit der Caddies schlichtete.

Die Fans:

500 bis 600 Millionen Menschen konnten den Ryder Cup weltweit verfolgen, 45.000 von ihnen feuerten am Schlusstag in Gleneagles ihre Teams an.

Die Fans vor Ort waren wie immer beim Ryder Cup engagiert, bunt und laut. Recht naiv wirkte am Sonntag US-Teilnehmer Patrick Reed, als er das Publikum beim Putt zur Ruhe aufforderte.

Mit dem größten Eifer dabei waren die "Guardians of the Ryder Cup", eine Gruppe schottischer Edelfans, die jeden Tag am ersten Abschlag stand.

Ihr Erkennungszeichen: gelbe Hemden, blaue Westen und die Idee, bekannte Musiklieder mit den Namen der europäischen Golfer umzudichten.

Aus "The Eye of the Tiger" machten sie "The Eye of the Poulter", aus "Born in the USA" wurde "Björn beats the USA" – und statt Boy Georges "Karma Chamaleon" sangen sie "Kaymer-Kaymer-Kaymer-Kaymer-Kaymer Chameleon" (Bild-Copyrights: Getty).

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Die Frauen:

Martin Kaymer hat keine, Rory McIlroy nach seiner Trennung von Caroline Wozniacki auch nicht mehr, die meisten anderen aber hatten ihre "Gwags" ("Golf wives and girlfriends") dabei.

Die anwesenden Kameraleute freute es, es hat Tradition, dass sich auch die Partnerinnen der Akteure in Szene setzen.

Anders als in anderen Sportarten sind unter Spielerfrauen des Golfs alle Generationen vertreten. Annie Verret, High-School-Schatz von US-Jungstar Jordan Spieth (beide 21) war ebenso vertreten wie die 36 Jahre ältere Suzanne Torrance, frühere Schauspielen und nun unverzichtbare, bessere Hälfte von Europas Vizekapitän.

Die sozialen Medien:

Ein Großereignis wie der Ryder Cup beschäftigte natürlich auch die Internetgemeinde weltweit, es wurde getwittert, geinstagramt, gevinet – von Fans, von Spielern und von anderen Prominenten.

Englands Fußballlegende Gary Lineker etwa schien während des gesamten Ryder-Cup-Wochenendes mit nichts anderem beschäftigt.

Wie so oft war es nicht immer das rein sportliche, das die User beschäftigte. Ein Foto von Stargast Michael Jordan mit Actionstar-Outfit und Zigarre brachte die Photoshop-Künstler auf eine Menge Ideen.

Die Zukunft:

2016 sind wieder die USA dran mit dem Ryder Cup, er steigt dann im Hazeltine National Golf Club in Minnesota.

Deutschland ist mit seinem Versuch, den Wettbewerb 2018 auszurichten, gescheitert. Frankreich bekam den Zuschlag. Durch den Zwei-Jahres-Rhythmus und den regelmäßigen Tausch mit Amerika bietet sich erst 2022 wieder die Chance.

Mit einer erneuten Bewerbung will der Deutsche Golf-Verband sie ergreifen, "wir haben viel gelernt", sagt Marco Kaussler, Geschäftsführer der neuen Kampagne.

Im Rennen sind Standorte bei Hamburg, Berlin und am Tegernsee. Der Ryder Cup 2014 hat in jedem Fall gezeigt: Es lohnt sich, die Show in sein Land zu holen.