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DFB-Präsident Reinhard Grindel sagte am Mittwoch vor dem DFB-Sportausschuss aus © Getty Images

DFB-Präsident Reinhard Grindel verteidigt vor dem Sportausschuss die Aufklärungsarbeit in der WM-Affäre. Die Grünen vermissen aber weiter eine lückenlose Aufklärung.

Verständnis und nur wenig Kritik: DFB-Präsident Reinhard Grindel hat in der Affäre um die WM 2006 bei seinem Auftritt im Sportausschuss des Deutschen Bundestages die Aufklärungsarbeit seines Verbandes verteidigt.

Der 55-Jährige konnte die erhitzten Gemüter der Sportpolitiker ein wenig beruhigen.

"Ich habe den unbedingten Aufklärungswillen der neuen DFB-Führung unterstrichen und die Konsequenzen aufgezeigt, die wir als Verband gezogen haben", erklärte der DFB-Boss nach einer eineinhalbstündigen Sitzung vor dem Gremium, dem der DFB-Präsident selbst für die CDU mehrere Jahre angehört hatte.

Grindel: Grund für dubiose Zahlung unbekannt

Der Funktionär nahm viel Zuspruch wahr. "Ich habe bei keiner Fraktion den Vorwurf vernommen, dass es irgendwelche Defizite geben würde, die aufseiten der neuen DFB-Führung zu beklagen wären", sagte Grindel. Zu beklagen sei, dass man durch den Untersuchungsbericht der Kanzlei Freshfields die Zahlungsflüsse der Bewerbung kenne, "aber nicht den Grund, weshalb die 6,7 Millionen Euro verlangt wurden und wofür sie am Ende eingesetzt worden sind."

Die Ausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag (SPD) lobte, dass Grindel ausführlich berichtet habe. "Wir hatten schon den Eindruck, dass der Deutsche Fußball-Bund in der Affäre Interesse daran hat, weitere Erkenntnisse zu gewinnen", urteilte die Politikerin.

Wie Freitag weiter ausführte, habe Grindel zurecht darauf hingewiesen, dass der DFB zunächst die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abwarten müsse, "weil es für den Verband um erhebliche finanzielle Nachforderungen gehen kann", so Freitag. Die Nachforderungen könnten sich auch gegen Personen in der Affäre richten, die "einen gewissen Bekanntheitsgrad haben", wie Freitag meinte, ohne den Namen von Franz Beckenbauer zu nennen. Der Kaiser war ehemaliger WM-Bewerbungs- und späterer WM-OK-Chef.

Grüne vermissen lückenlose Aufklärung

Selbst Özcan Mutlu lobte seinen politischen Widersacher Grindel. "Er ist kooperativ gewesen", meinte der Grünen-Sprecher, bemängelte aber: "Eine lückenlose Aufklärung vermissen wir immer noch. Herr Grindel ist der Meinung, dass alles aufgeklärt sei. Wir sehen das nicht so, weil wir nach wie vor nicht wissen, wofür die 6,7 Mio Euro geflossen sind."

Sowohl Mutlu als auch Freitag machten Andeutungen, dass eine nicht aufgeklärte Affäre negative Folgen auf die Bewerbung des DFB für die Austragung der Euro 2024 haben könnte. Dies beziehe sich vor allem auf die Steuerbefreiung eines solchen Events durch die Bundesregierung.

"Wenn die Umstände nicht aufgeklärt sind, sollte man sich überlegen, ob man eine Bewerbung mit Steuerbefreiung unterstützt", sagte Mutlu und erklärte: "Wir müssen die Lehren aus dem Skandal von 2006 ziehen. Denn nur so macht eine neuerliche Bewerbung Sinn." Freitag sah das ähnlich. "Bislang haben wir keine Anfragen bezüglich von Unterstützungsgarantien bekommen. Aber diese Anfragen werden kommen. Ich meine aber, dass die Politik erst einmal nachdenken muss, bevor sie durchwinkt."

Grindel glaubte nicht, dass die Affäre negative Auswirkungen auf eine Bewerbung des DFB für die EM haben werde, indem der Bund eine Steuerbefreiung verweigere. "Ich sehe die Bewerbung um die EURO 2024 nicht gefährdet", sagte der Funktionär. Man werde "eine transparente und nachhaltige Bewerbung vorlegen, die Vorbildcharakter hat", so der DFB-Boss. Dadurch könne man an wichtigen Stellen Vertrauen und Integrität zurückgewinnen.

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