Kommentar zur Mammut-WM
Martin Volkmar, Leiter News Online, kommentiert den Beschluss zur Mammut-WM © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/Getty Images

Die Aufblähung der WM auf 48 Teilnehmer ist eine krachende Niederlage für den europäischen Fußball. FIFA-Boss Infantino ist der Imageverlust allerdings egal.

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Gianni Infantino macht kurzen Prozess.

Nicht mal ein Jahr nach seiner Wahl machte der FIFA-Präsident am Dienstag sein Versprechen wahr, mit dem er sich damals die Mehrheit der Stimmen aus Afrika, Asien sowie Nord- und Mittelamerika gesichert hatte: Die Aufstockung der Weltmeisterschaft ab 2026 von 32 auf 48 Mannschaften.

Dahinter steckt wie so vieles beim Schweizer vor allem Kalkül. Denn Infantino wusste die überwältigende Mehrheit im 33 Mann starken FIFA-Council hinter sich, da die kleineren Verbände nun ihre große Chance auf eine WM-Teilnahme sehen.

Deshalb hat er den opponierenden Verbänden und Topligen in Europa erst gar keine Chance gelassen, den Widerstand zu organisieren, sondern schnell Fakten geschaffen. Für die Europäer bedeutet die Entscheidung eine krachende Niederlage, auch wenn am Ende immerhin nicht mehr Spiele für die einzelnen Nationalteams stehen sollen.

Obwohl sie der wichtigste Markt mit den besten Spielern und dem meisten Geld sind, hatten sie gegen Infantinos Coup von Anfang an keine Chance. Und müssen jetzt tatenlos zuschauen, wie die WM durch die Aufblähung mit schwächeren Mannschaften entwertet wird und so der Fußball weiter Schaden nimmt.

Dabei geht es dem FIFA-Boss neben der Erfüllung seines Wahlversprechens vor allem ums Geld. Denn die Männer-WM ist das einzige Pfund des Weltverbandes, mit dem man richtig viel verdienen kann. Und auch damit konnte er die ärmeren Mitglieder locken.

Einem internen Papier zufolge sollen die Mehreinnahmen nun zwischen 600 Millionen und einer Milliarde Euro liegen, davon will Infantino bis zu fünf Millionen Dollar pro Vierjahreszeitraum an jeden einzelnen Verband geben (bisher 1,6 Millionen).

Den Großteil allerdings behält die FIFA für sich, und das ist auch dringend nötig. Denn nach dem Absprung einiger Sponsoren und besonders der sehr teuren juristischen Auseinandersetzungen wegen angeblicher und teilweise bewiesener Korruption werden die finanziellen Probleme immer größer.

Das liegt natürlich vor allem daran, dass die FIFA nach den andauernden Skandalen ein gewaltiges Imageproblem hat. Infantino redet zwar viel von Erneuerung, in Wahrheit geht die Mauschelei aber genauso weiter wie unter Sepp Blatter.

Seinem Nachfolger und Wiedergänger ist das aber offensichtlich egal. Die Gefahr, vom Goldgräber zum Totengräber des Fußballs zu werden, nimmt er für den Millionenregen gerne in Kauf.

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