Das Experiment der chinesischen U20 beginnt mit einem Aufreger. Auf der Tribüne wird eine provozierende Flagge gehisst. Die Mannschaft aus Fernost weigert sich weiterzuspielen.

Debüt in der Regionalliga und gleich der erste Eklat. 

Das Auftaktspiel der chinesischen U20-Nationalmannschaft gegen TSV Schott Mainz ist nach einem Zwischenfall auf der Tribüne unterbrochen worden. 

Zuschauer hatten tibetische Fahnen ausgerollt. Ein Affront gegen das chinesische Team. Der politische Hintergrund: China hat Tibet 1951 besetzt. Der völkerrechtliche Status Tibets ist umstritten.

Tibet-Aktivisten während des Spiels der chinesischen U20 in Mainz
Auf der Tribüne des Regionalliga-Spiels der chinesischen Nationalmannschaft wurde eine tibetische Flagge gehisst © Martin Quast/SPORT1

Chinas U20 weigerte sich weiterzuspielen. Da die Zuschauer die Flaggen zunächst nicht einrollen wollten, wurde das Freundschaftsspiel für eine halbe Stunde unterbrochen.

Erst als die Aktivisten die Flaggen von sich aus verstauten, konnte die Partie wieder angepfiffen werden. Die Mannschaften waren zu diesem Zeitpunkt bereits im Kabinentrakt verschwunden. Mainz siegte schließlich vor 400 Besuchern mit 3:0 (2:0).

Die Regionalliga-Partie war deshalb als Freundschaftsspiel angesetzt worden, weil das chinesische Team außer Konkurrenz antritt.

Beim DFB sah man die Aktion mit gemischten Gefühlen. "Die Proteste können wir nicht verbieten, es gibt das Recht auf freie Meinungsäußerung", sagte DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann: "Wir werden nun noch einmal das Gespräch mit der chinesischen Delegation zu diesem Thema suchen und ihr empfehlen, gelassener mit solchen Aktionen umzugehen. Umgekehrt verurteilen wir es, den Fußball für bewusste Provokationen gegen unsere Gäste zu missbrauchen."

Chinas Trainer Sun Jihai gab sich verwundert. "Ich hätte erwartet, dass über Fußball geredet wird. Aber jetzt geht es um etwas anderes", sagte er: "Für mich war es ein Freundschaftsspiel. Ich hoffe, dass es hier um Fußball und nichts anderes geht. Fußball ist ein Sport."

Drei Teams machen nicht mit

Zuvor hatte es Aufregung um die Starterlaubnis des Teams gegeben. Die Stuttgarter Kickers, TuS Koblenz und Waldhof Mannheim - deren Fans teilweise sogar mit einem Boykott und der Rückgabe ihrer Dauerkarten drohten - haben sich geweigert gegen die Mannschaft anzutreten. 

Nicht alle Beobachter der Szene stehen dem Pilotprojekt kritisch gegenüber. In der Facebook-Gruppe "China U20 Ultras Südwest" fanden sich fast 13.000 Menschen zusammen, die das chinesische Team auf ironische Weise unterstützen. Seit Monaten werden Flyer verteilt mit der Aufschrift: "You'll never WOK alone."

15.000 Euro erhalten alle Regionalligaklubs für ihre Bereitschaft, sich an ihrem spielfreien Tag der Olympia-Auswahl aus Fernost als Sparringspartner zur Verfügung zu stellen. Eingefädelt hatte das der Deutsche Fußball-Bund (DFB) im Rahmen der auf Jahre ausgelegten Kooperation mit dem chinesischen Verband.

Bis zum Beginn der Winterpause (10. Dezember) kommen noch der FSV Frankfurt, Hoffenheim II und Wormatia Worms in den Genuss der Spiele.

Gegner der chinesischen U20 im Überblick:

18. November, 14 Uhr: TSV Schott Mainz

25. November, 14 Uhr: FSV Frankfurt

1. Dezember, 18 Uhr: TSG Hoffenheim II

9. Dezember, 14 Uhr: Wormatia Worms

10. Februar, 14 Uhr: TSV Steinbach

17. Februar, 14 Uhr: FC-Astoria Walldorf

24. Februar, 14 Uhr: SSV Ulm 1846

10. März, 14 Uhr: KSV Hessen Kassel

17. März, 14 Uhr: Eintracht Stadtallendorf

24. März, 14 Uhr: SV Elversberg

31. März, 14 Uhr: SV Röchling Völklingen

7. April, 14 Uhr: 1. FC Saarbrücken

14. April, 14 Uhr: SC Freiburg II

21. April, 14 Uhr:VfB Stuttgart II

5. Mai, 14 Uhr - Kickers Offenbach

12. Mai, 14 Uhr - 1. FSV Mainz 05 II

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