1860-Investor Hasan Ismaik übernahm die Löwen am 30. Mai 2011 und rettete sie damals vor der Insolvenz

München - Die Mitglieder von 1860 München haben sich für eine Trennung von Investor Hasan Ismaik ausgesprochen. Wie geht es weiter? SPORT hat sich umgehört.

Trotz seiner Bestätigung als Präsident von 1860 München hatte Robert Reisinger wenig Grund zur Freude. 

Auf einer hitzigen Mitgliederversammlung votierte eine Mehrheit für eine Trennung vom jordanischen Investor Hasan Ismaik innerhalb eines halben Jahres.

"Das wird die Verhandlungen nicht leichter machen", sagte Reisinger im Anschluss der tz: "Wir wissen nicht genau, was das für Konsequenzen haben wird. Es wird aber rechtlich geprüft werden."

Beim Traditionsverein aus Giesing weiß man nicht, wie die Zukunft aussieht - wieder einmal. Es droht ein langer Rechtsstreit.

Eine Ablösung werde alles andere als leicht, sagt ein Insider zu SPORT1: "Die Kandidaten wollen Anteile. Die Ismaik-Anhänger sind nicht so viele, allerdings gibt es einige vernünftige Leute, die sagen, dass es nach wie vor ohne ihn nicht geht. Irgendwann wird es einen Knackpunkt geben."

Wie SPORT1 aus dem Umfeld von Ismaik erfuhr, will er sich nicht vom Hof jagen lassen. Immer wieder betonte der Investor, wie sehr ihm die Löwen am Herzen liegen.

Ismaik bleibt entspannt

Dass ihm, wie er es interpretiert, Teile der aufgebrachten Mitglieder nicht gerade wohlgesonnen sind, stört ihn nicht: "Das ist schon seit meinem Einstieg 2011 so. Für mich ist das in Ordnung, denn es ist nicht die Mehrheit. Der Verein steht nicht zum Verkauf", sagte er dem Münchner Merkur.

Dass es also tatsächlich zu einer Trennung von dem Jordanier kommt, gilt deshalb im Moment als unwahrscheinlich.

Zwar ist die Mitgliederversammlung laut Satzung das oberste beschließende Vereinsorgan der Löwen, das geschäftsführende Präsidium unterliegt aber der Sorgfaltspflicht.

Ende der Zwangsehe?

Ein Ende des Kooperationsvertrags würde ohnehin nicht das Ende der Zwangsehe mit Ismaik bedeuten. Er hält 60 Prozent der stimmberechtigten Anteile, die würden ihm auch im Falle einer Aufkündigung der Zusammenarbeit bleiben. 

"Wir können ihn ja nicht wegdenken - oder ihn mit Tipp-Ex löschen", betonte Reisinger.

Doch genau das wollte Antragstellerin Ulla Hoppen. Die Verweigerung der Zahlung für die Drittligaligalizenz sei eine Hauptpflichtverletzung Ismaiks gewesen und damit ein Kündigungsgrund, argumentierte die 57-Jährige.

"Wir schaffen es auch ohne Investor", sagte sie und wurde deutlich: Auf Basis der "cholerischen und erpresserischen Zusammenarbeit mit Ismaik" sei eine Genesung der in die Regionalliga abgestürzten Löwen nicht möglich.

"Ich habe Kopfschmerzen dabei"

Kurz vor der Abstimmung hatte Reisinger erneut seine Bedenken geäußert: "Ich habe Kopfschmerzen dabei." Zuvor war der Antrag auf sein Bestreben überarbeitet und die Frist auf sechs Monate ausgeweitet worden. Hoppen hatte zunächst für eine fristlose Kündigung des Kontrakts plädiert. 

331 noch anwesende Mitglieder sahen das genauso, 56 - darunter auch Reisinger und seine beiden Vizepräsidenten Heinz Schmidt und Hans Sitzberger - stimmten gegen den Antrag. Die Basis machte klar: Man wolle sich von dem unberechenbaren Investor nicht länger gängeln lassen. 

Insbesondere finanziell dürfte es ohne Ismaik, der insgesamt rund 70 Millionen Euro in die Löwen investiert haben soll, allerdings düster aussehen: Der 40-Jährige könnte seine Darlehen sofort fällig stellen. Geschäftsführer Markus Fauser erinnerte auf der Mitgliederversammlung an die Zitterpartie nach dem Abstieg: "Wir haben die Insolvenz haarscharf vermieden."

Ismaik will gegen 50+1 klagen

Gerade noch rechtzeitig hatte der Investor, der seinerseits gegen die umstrittene 50+1-Regel klagen will, einer Stundung eines Acht-Millionen-Darlehens zugestimmt.

Trotz des sportlich gelungenen Starts in der Regionalliga Bayern mit der Höchstausbeute von sechs Punkten nimmt das Dilemma beim Traditionsverein kein Ende. Wenigstens der Klub selbst sieht das anders: Im Bericht über die Mitgliederversammlung auf der Vereinshomepage findet sich kein Wort zu dem Antrag.

Stattdessen hieß es: "Insgesamt war es - bis auf wenige Ausnahmen - eine harmonische von Aufbruchsstimmung geprägte Veranstaltung."

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