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Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft ist bei der EM als Titelverteidiger krachend gescheitert. Dafür trägt die Bundestrainerin die Verantwortung.

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Als Trainer-Routinier Bernd Schröder vor zwei Jahren von der Ernennung von Steffi Jones zur Bundestrainerin erfuhr, dachte er laut eigener Aussage zunächst an einen Aprilscherz.

Auch andere Experten im deutschen Frauen-Fußball waren über die Entscheidung der DFB-Spitze zumindest überrascht, schließlich hatte Jones bis dahin noch nie als Trainerin gearbeitet.

Nach dem Debakel des Frauen-Nationalteams bei der EM können sich die Kritiker im Nachhinein bestätigt fühlen: Das Experiment mit Neuling Jones ist gescheitert.

Schließlich hatte die einstige Nationalspielerin beim Amtsantritt hohe Ziele ausgegeben: Sie wolle der Mannschaft eine eigene Handschrift geben, schöneren Fußball spielen und den EM-Titel gewinnen – was im Übrigen auch der erklärte Anspruch von DFB-Präsident Reinhard Grindel war.

All das ist Jones nicht gelungen. Der Titelverteidiger präsentierte sich in den Niederlanden spielerisch weit entfernt von früheren Glanztaten, agierte in allen Begegnungen vorne ideen- und harmlos sowie hinten unaufmerksam und fehlerhaft.

Die fünf Turniertore entstanden aus drei Elfmetern und zwei Torwartfehlern, die finale Niederlage gegen den klaren Außenseiter Dänemark war völlig verdient. Mehr noch: Seit 30 Jahren ist das DFB- Team, das zuletzt sechsmal in Folge den Titel holte, nicht mehr so früh bei einer EM ausgeschieden.

Ein Jahr nach dem Olympia-Triumph liegt der deutsche Frauen-Fußball somit am Boden.

Das alles ist nicht allein die Schuld von Jones, die nach den vielen Rücktritten nach dem Gold von Rio kein leichtes Erbe von Erfolgstrainerin Silvia Neid übernommen hat.

Doch die Bundestrainerin trägt die Verantwortung für den desolaten Auftritt ihrer Mannschaft bei der Endrunde.

Sollte Jones' Vertrag dennoch verlängert werden, wird die WM 2019 sicher ihre letzte Chance sein. Dafür sind die Ansprüche des erfolgsverwöhnten DFB – und auch ihre eigenen – mit Sicherheit zu hoch.

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