München - "Irgendwann verschlingt der Gott des Geldes alles": Christian Streich nimmt den Neymar-Transfer zum Anlass für eine Warnung an die Gesellschaft.

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Es sollte eine Pressekonferenz zu einem Quali-Spiel für die UEFA Europa League werden. Es wurde ein großer Appell ans gesellschaftliche Gewissen.

Christian Streich, Trainer des SC Freiburg wurde auf der PK vor dem Rückspiel bei NK Domzale auf den sich abzeichnenden 222-Millionen-Euro-Transfer von Neymar angesprochen.

Er wollte zunächst nichts sagen, hielt dann aber doch einen fast zehn Minuten langen Vortrag zum Thema. Und was für einen.

"Der Gott des Geldes verschlingt alles"

"Der Gott des Geldes wird immer größer und irgendwann verschlingt er alles", wird Streich im kicker zitiert: "Aber die meisten werden es erst merken, wenn alles verschlungen wird."

Streich, der neben Sport und Germanistik auch Geschichte auf Lehramt studiert hat, erinnerte aus aktuellem Anlass an die historischen Schriften: "Der Mammon - es steht nicht umsonst in den alten Büchern - ist eine der größten Gefahren für die Menschen: dass er über sie Besitz ergreift. Und das muss jeder immer wieder reflektieren, das geht mir genauso. Das ist eine enorme Gefahr."

Streich sorgt sich um die Gesellschaft

Der 52-Jährige macht sich aufgrund dieser Gefahr auch Sorgen um die gesellschaftliche Ordnung: "Ich weiß nicht, wie es Leuten geht, die nichts haben, wenn sie das lesen, ob da eine Frustration eintritt. Ich weiß nicht, ob es gut ist für unsere demokratische Ordnung. Ich glaube, es ist nicht gut. Aber ich werde es nicht verhindern. Wir sind im irrealen Bereich, aber es ist gerade Realität."

Denjenigen, die die irrealen Summen einstreichen, macht Streich übrigens keinen persönlichen Vorwurf.

"Man will Sicherheit. Es ist normal", sagte Streich: "Auch Menschen, die sehr viel Geld haben, wollen noch mal ein bisschen mehr Geld, weil sie sagen: 'Aber wenn das und das passiert, habe ich noch mal mehr Geld.' Es ist kein böser Gedanke, wenn man noch mal mehr Geld will. Es ist die Sehnsucht nach Sicherheit und Anerkennung."

Ein Spieler, der Millionen verdiene, wolle nicht mehr Millionen verdienen, "weil er böse ist. Er will die Anerkennung und er will noch mehr Sicherheit, man findet immer Argumente. Es ist nicht böse, wenn man das will. Es ist irreal."

"Es löst bei mir nichts mehr aus"

Streich selbst habe die rechte Empfindung für die nun grassierenden Summen verloren.

"Mir ist wirklich völlig egal, ob der 220 Millionen kostet oder 440 Millionen. Wirklich! Das können Sie mir glauben", bekannte Streich. "Ganz ehrlich: Es löst bei mir nichts mehr aus. Ich kann keine Unterscheidung mehr finden zwischen 220 und 440 Millionen. Es übersteigt meine Fähigkeit, das einzuordnen."

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