München - Vor dem Europa-League-Kracher gegen Gladbach (LIVE im TV auf SPORT1) machen sich Huub Stevens und Peter Neururer bei SPORT1 Gedanken um die kriselnden Schalker.

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Fakten können manchmal wehtun, lügen aber nicht. Für Schalke 04 ist die aktuelle Saison die schlechteste seit der Amtszeit von Trainer Helmut Schulte. Das war 1993.

Mit nur 21 Punkten aus seinen ersten 18 Bundesligaspielen mit den Königsblauen ist Trainer Markus Weinzierl statistisch der erfolgloseste Trainer auf Schalke seit 24 Jahren. Schulte unterbot damals die durchschnittlich 1,17 Zähler des ehemaligen Augsburgers mit einem Durchschnittswert von 1,04.

Nach der enttäuschenden 2:4-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach am vergangenen Samstag leuchten alle Alarmsignale knallrot. Die Abstiegszone rückt näher. nur noch vier Punkte trennen die Weinzierl-Elf vom Relegationsplatz. In dieser Situation steht nun der Kracher im Achtelfinale der UEFA Europa League gegen Gladbach (Do., ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, im LIVETICKER und in unserem Sportradio SPORT1.fm) an.

Stevens: "Ganz schwierige Phase"

"Es ist eine ganz schwierige Phase auf Schalke. Wenn man zwei Tore in Mönchengladbach macht, dann hoffst du doch, dass du da etwas mitnehmen kannst", sagt Schalkes Jahrhundert-Trainer Huub Stevens, der 1997 mit S04 den UEFA-Cup gewann, im Gespräch mit SPORT1.

"Schalke ist nur vier Punkte von einem Relegationsplatz entfernt. Das ist besorgniserregend, aber es ist auch nur eine Momentaufnahme. Man darf jetzt nicht die Nerven verlieren. Auf Schalke weißt du, dass es schwierig ist, wenn die Leistungen ausbleiben."

Auch SPORT1-Experte Peter Neururer, nach wie vor "durch und durch Blau-Weiß", macht sich große Sorgen um seine Schalker, die er 1989/1990 trainierte.

"Der Klub hat den dritthöchsten Etat in der Bundesliga. Da erwartet der Fan nicht unbedingt die drittbeste Leistung. Aber bei dem Investitionsvolumen erwartet man eine adäquate Platzierung. Das heißt normalerweise Champions League. Wenn alles schief geht, zumindest Europa League."

Weinzierl und Heidel in der Bredouille

Die aktuelle Situation bringt natürlich Weinzierl und Sportvorstand Christian Heidel in die Bredouille. Dass ihre Zeit aber bald zu Ende sein könnte, glaubt Stevens nicht.

"Ich kann mir das nicht vorstellen", sagt der Niederländer. "Beide haben einen Plan. Ich kenne die Gedanken der beiden und kann nur sagen, dass ihre Gedanken gut sind. Beide lassen sich da auch nicht verrückt machen."

Weinzierl und Heidel müssten "weiter arbeiten und Ruhe bewahren", doch dies sei auf Schalke "schwierig". 

Neururer: Spieler bekommen ein Alibi

Neururer ist etwas kritischer. "Was auf Schalke so langsam entsteht, ist eine Entwicklung, die ich vor der Saison befürchtet habe, weil einige Äußerungen der Verantwortlichen dazu passen."

Das Verletzungspech und den schlechten Saisonstart anzuführen und das als Grund für eine Gesamt-Entwicklung zu sehen, gebe den Spielern ein Alibi. "Man kann natürlich davon sprechen, dass man schlecht in eine Saison gestartet ist, aber bitte nicht andauernd."

Dass die Königsblauen mit fünf Niederlagen losgelegt haben, ist laut Neururer übrigens "in 100 Jahren nicht vorgekommen".

Stevens indes glaubt, dass die sportliche Führung die Augen vor der Realität nicht verschließt. "Weinzierl und Heidel wissen, dass man versagt hat, wenn man nicht ins internationale Geschäft kommt. Aber wenn es so kommen sollte, dann muss es einfach mal akzeptiert werden. Man sollte auch dann an Weinzierl festhalten."

Wenn die Ideen des Trainers allerdings nicht umgesetzt werden können, "dann hat er ein Problem".

Für Neururer steht fest: "Jeder sollte sich hinterfragen. Weinzierl und Heidel werden das auch tun. Auch einige Spieler sollten sich fragen, ob sie das wert sind, was Schalke für sie ausgegeben hat."

Steigt Schalke am Ende gar ab? "Glücklicherweise", so Neururer, "sind gerade andere Mannschaften noch schwächer."

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