TSG 1899 Hoffenheim v Borussia Dortmund - Bundesliga
Sandro Wagner ist mit 19 Toren im Kalenderjahr 2016 der treffsicherste deutsche Stürmer © Getty Images

München - Sandro Wagner lässt Tore sprechen, garniert mit markigen Worten. Und Joachim Löw macht dem Knipser sogar Hoffnungen. Doch wie realistisch ist eine Nominierung?

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Geht es nach Zahlen, hat Sandro Wagner klar die Nase vorne. Kevin Volland steht bei null, Thomas Müller schaffte gerade mal eins, und auch Mario Gomez ist mit seinen immerhin vier Saisontoren noch deutlich entfernt von der Ausbeute Wagners.

Der Knipser der TSG Hoffenheim stellt die aktuellen Nationalspieler mit seinen neun Saisontoren klar in den Schatten.

Löw macht Wagner Hoffnungen

Das ist auch Bundestrainer Joachim Löw natürlich nicht verborgen geblieben. "Er hat in Hoffenheim gute Leistungen gezeigt, insofern könnte er vielleicht auch für uns noch mal eine Option werden", sagte Löw zuletzt der Bild am Sonntag.

Aber rechtfertigen Tore allein eine Nominierung für das DFB-Team? Zumal Wagner mit seinen 29 Jahren das klassische Debütanten-Alter längst überschritten hat.

Fakt ist: Die Bilanz von Wagner allein im Kalenderjahr 2016 ist herausragend. Mit zehn Toren in der Rückrunde verhalf er Darmstadt 98 in der Vorsaison zum Klassenerhalt. Und in den ersten 16 Spielen der laufenden Saison blieben die Hoffenheimer auch dank seiner neun Treffer ungeschlagen. Mit insgesamt 19 Toren ist der 1,94 Meter große Mittelstürmer der erfolgreichste deutsche Stürmer des Jahres.

Forsche Töne von Wagner

Und dessen ist sich Wagner auch bewusst. "Ich bin in meinen Augen seit einiger Zeit mit Abstand der beste deutsche Stürmer", sagte er unlängst.

Das Trikot mit dem Adler auf der Brust trug er dennoch letztmals im Jahr 2009. Im Finale der U21-EM gegen England schnürte er beim 4:0-Sieg gegen England einen Doppelpack.

Während seine damaligen Teamkollegen Manuel Neuer, Benedikt Höwedes, Jerome Boateng, Mats Hummels, Sami Khedira und Mesut Özil 2014 Weltmeister wurden, endete Wagners DFB-Karriere, bevor sie richtig angefangen hatte.

Die Tür zur Nationalmannschaft sei grundsätzlich immer offen, erklärt Löw, "das gilt für einige Spieler, die wir beobachten". Der Bundestrainer gab allerdings auch zu bedenken, dass es um das höchste Niveau gehe, "also um Messi und Ronaldo. Das ist für eine Mannschaft, die den WM-Titel verteidigen will, die Messlatte".

Am nötigen Selbstvertrauen, es auch mit den Größten der Branche aufzunehmen, mangelt es Wagner jedenfalls nicht.

"Nicht nur brave Elemente in seinem Spiel"

Mit seiner Spielweise eckt er Woche für Woche an. Als Mitspieler hat man einen wie ihn gerne in seinen Reihen - und die Gegner verzweifeln reihenweise. "Er bringt die nötige Emotion rein und hat nicht nur brave Elemente in seinem Spiel", sagt sein Coach Julian Nagelsmann über ihn: "Er beschäftigt die Innenverteidiger und auch mal die Zuschauer. Und wenn er dann auch noch Tore macht, macht er vieles richtig."

Zudem schätzt der TSG-Coach die Qualitäten Wagners als Führungsspieler in seinem jungen Team.

Der Hoffenheimer sagt gerne seine Meinung - und geht dabei keiner Kontroverse aus dem Weg. So auch mit seiner Auffassung, Fußballer würde eher zu wenig Geld verdienen als zu viel.

Dass ihn gegnerische Fans nach dem Spiel in Frankfurt zuletzt auspfiffen, während er auf dem Rasen ein TV-Interview gab, ließ ihn kalt. "Was soll ich jetzt machen? Es ist völlig in Ordnung, sie können ja ihren Unmut äußern."

Wagner überrascht des Öfteren, so auch, als er sich nach der überaus hitzigen Partie bei den Eintracht äußerst handzahm gab - obwohl er mit voller Wucht den Ellbogen seines Gegenspielers David Abraham hatte zu spüren bekommen und nach eigener Aussage noch "sein Schädel brummte".

Typ mit Ecken und Kanten

Er ist in jeglicher Hinsicht ein Spieler mit Ecken und Kanten, der aber immer auch alles für den Erfolg der eigenen Mannschaft gibt.

Er sei ein "anderer Stürmer-Typ", urteilte Löw, der in seiner WM-Analyse erkannte, dass sein Team zu viele Torschüsse für ein Tor braucht.

Das nächste Länderspiel steht im März auf dem Programm. Der Gegner heißt übrigens England.

Vielleicht schließt sich dann für Wagner der Kreis.

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