Der Sechstligist tritt als krasser Außenseiter gegen den BVB an - chancenlos ist er nicht © SPORT1-Grafik: Imago/Philipp Heinemann

München - Rielasingen-Arlen ist gegen den BVB einer der größten Außenseiter in der 1. Runde des DFB-Pokals. Aber der Sechstligist ist mehr als ein gewöhnlicher Dorfverein.

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Sechstligist gegen Champions-League-Teilnehmer, DFB-Pokal-Neuling gegen Titelverteidiger: Der 1. FC Rielasingen-Arlen ist im Duell mit Borussia Dortmund (Sa., ab 15.15 Uhr im LIVETICKER) einer der größten Außenseiter in der 1. Runde des DFB-Pokals.

Vom Status einer Thekentruppe aber ist der Sieger des südbadischen Verbandspokals weit entfernt.

"Natürlich kommen wir aus einer kleinen Gemeinde mit 12.000 Einwohnern, aber die Arbeit, die wir hier machen, gleicht keinem Dorfverein", betont Patrick Leschinski bei SPORT1: "Das hat schon semi-professionelle Züge."

Bezirksliga-Zeiten sind Vergangenheit

Der 31-Jährige ist seit sechs Jahren als Spieler beim 1. FC Rielasingen-Arlen und nebenbei im Team von Trainer Jürgen Rittenauer als sportlicher Leiter tätig.

Patrick Leschinski vom SSV Ulm 1846 grätscht gegen Bayern Alzenau
Patrick Leschinski (u., im Trikot des SSV Ulm 1846) wurde einst beim VfB Stuttgart Deutscher U19-Meister © Getty Images

Als Leschinski 2011 an die Schweizer Grenze wechselte, spielte der Verein noch in der achtklassigen Bezirksliga. Nach einem rasanten Aufstieg klopfte der Verein im Sommer 2016 sogar an die Tür zur Oberliga - und lockt mittlerweile zahlreiche talentierte Spieler an.

Torwart Dennis Klose und Innenverteidiger Danny Berger wurden in der Jugend des SC Freiburg ausgebildet. Vom Schweizer Zweitligisten FC Schaffhausen kamen im Sommer in Gian-Luca Wellhäuser und Johannes Niederberger zwei hochveranlagte Youngster.

Meister mit Khedira beim VfB Stuttgart

Auch Leschinski selbst kann auf große sportliche Erfolge zurückblicken: 2005 wurde der Mittelfeldspieler mit dem VfB Stuttgart Deutscher A-Juniorenmeister, spielte damals an der Seite von Sami Khedira, Serdar Tasci, Andreas Beck und Adam Szalai.

Anders als damals das Finale gegen den VfL Bochum geht es für ihn trotz allen Ehrgeizes am Samstag gegen den BVB nun vor allem darum, "das Spiel zu genießen".

Trotzdem werde die Mannschaft nicht mit der Einstellung auf den Platz gehen, "dass wir verlieren oder nur auf Schadensbegrenzung aus sind".

Rielasingen-Stürmer kegelte Klopp aus DFB-Pokal

Als Geheimwaffe haben sie in Rielasingen noch einen echten Pokal-Experten in der Hinterhand: Nazif Hajdarovic war mit Hessen Kassel und dem 1. FC Saarbrücken schon zwei Mal im DFB-Pokal dabei - und kegelte 2006 mit Regionalligist Saarbrücken den Bundesligisten Mainz 05 mit Trainer Jürgen Klopp aus dem Wettbewerb.

Nazif Hajdarovic für den FC Bayern München II gegen SV Babelsberg
Nazif Hajdarovic (l.) spielte zwei Jahre lang für die zweite Mannschaft des FC Bayern © Getty Images

Der inzwischen 32 Jahre alte Stürmer spielte einst auch bei der zweiten Mannschaft des FC Bayern. Seine Trainer waren Mehmet Scholl und Hermann Gerland - David Alaba, Mehmet Ekici und Diego Contento gehörten zu seinen Mitspielern.

"Nazif hat schon mit am meisten Erfahrung", erklärt Leschinski und kündigt an: "Von ihm werden wir uns noch den einen oder anderen Tipp holen."

Thorsten Legat sorgt für Extra-Motivation

Den einen oder anderen Tipp gab der Mannschaft kürzlich auch schon Thorsten Legat mit auf den Weg. Der Ex-Profi schaute im Training auf der Talwiese vorbei und versprach in der Bild: "Schafft Rielasingen die Sensation, komme ich mit dem Fahrrad und spende dem Klub 1000 Euro."

Die nötige Unterstützung aus der Heimat werden die Rielasinger auf jeden Fall haben - auch wenn der Pokal-Kracher im rund 100 Kilometer entfernten Freiburg steigt. Dafür wurde der Ticketverkauf an den ersten Tagen nur für Einwohner aus den umliegenden Gemeinden freigegeben.

"Danach hatten wir schon um die 10.000 Karten weg. Es wird schon so sein, dass die Dörfer hier leergefegt sein werden", prophezeit Leschinski, für den es vor dem Duell mit der Borussia nur einen kleinen Wermutstropfen gibt: die Suspendierung von Ousmane Dembele.

Vorfreude auf Aubameyang - Respekt vor Sokratis

"Ehrlich gesagt bin ich gar nicht froh, dass er nicht dabei ist, weil ich ihn gerne mal auf dem Platz erlebt hätte", sagt Leschinski. So sei die Vorfreude in der Mannschaft nun am größten auf BVB-Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang.

Und vor wem hat der Außenseiter aus Liga sechs am meisten Respekt? Für Leschinski eine klare Sache.

"Sokratis!", sagt er ohne nachzudenken: "Der kann glaube ich richtig weh tun. Von dem möchte ich nicht abgegrätscht werden."

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