SPORT1-Redakteur Holger Luhmann wünscht sich, dass Thomas Tuchel und Hans-Joachim Watzke eine saubere Trennung hinbekommen © SPORT1/Imago

Der Pokalsieg wird Thomas Tuchel in Dortmund nicht retten. Die Trennung ist konsequent, birgt für Klubboss Watzke aber auch Gefahren. Der SPORT1-Kommentar.

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Nach dem gewonnenen Pokalfinale gestattete Thomas Tuchel ein paar tiefere Einblicke in sein Seelenleben.

Als Rampensau etwa fühle er sich ungelenk. Und zu Weihnachten sei er am glücklichsten, wenn er den anderen beim Auspacken der Geschenke zuschauen könne.

Wie Tuchel sich selbst sieht, lässt sich vielleicht wie folgt am trefflichsten ausdrücken: Er ist nicht der volksnahe Trainer wie einst Jürgen Klopp, aber dennoch einer mit Gefühlen und Empathie.

Tuchel hat in den vergangenen Wochen viel an Sympathiepunkten gewonnen. Retten wird ihn das in Dortmund aber ebenso wenig wie der Triumph in Berlin.

Die Trennung gilt bereits als beschlossene Sache. In den nächsten Tagen, wenn die Feierlichkeiten abgeebbt sind, soll sie verkündet werden.

Klubboss Hans-Joachim Watzke hat seinen Daumen schon gesenkt, mit Lucien Favre wohl den Nachfolger in der Hinterhand.

Der Schritt ist konsequent. Intern hat Tuchel für so einiges an zerschlagenem Porzellan gesorgt. Wie unsensibel er manchmal sein kann, hat er auch beim Endspiel mit der Ausbootung von Nuri Sahin gezeigt.

Für Watzke ist es dennoch ein gefährliches Spiel. Er muss aufpassen, nicht als Buhmann dazustehen.

Die Stimmung beim schwarz-gelben Anhang war nach dem Pokalsieg nicht so ausgelassen wie sonst. Das mag der Tatsache geschuldet sein, dass der Pott gegen Frankfurt fest eingeplant war. Dass der emotionale Höhepunkt schon nach dem Sieg im Halbfinale beim FC Bayern erreicht war.

Die Fans haben aber auch ein feines Gespür für die Stimmung im Verein. Der Zwist zwischen Watzke und Tuchel trübt die Stimmung.

Deshalb ist es wichtig, dass Watzke und Tuchel noch eine halbwegs saubere Trennung hinbekommen - für beide.

Tuchel sollte mit dem gebührenden Respekt für seine Arbeit verabschiedet werden und eine faire Chance auf einen Neubeginn bei einem anderen Klub bekommen.

Und Watzke braucht das Vertrauen der BVB-Basis für die nächste Entscheidung, die zu treffen ist.

Denn der nächste Trainer und damit die nächste Herausforderung steht der Borussia nach dem Pokalsieg schon wieder bevor.

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