UEFA-Präsident Aleksander Ceferin will die Vormachtstellung von Topklubs wie Bayern und Real stoppen © SPORT1-Grafik: Paul Hänel/Getty Images

München - Im Kampf um Chancengleichheit will UEFA-Boss Ceferin die Vorherrschaft der Topklubs brechen. Der Verband plant drastische Maßnahmen gegen Bayern, Real und Co..

von Johannes Fischer ,

Seit Beginn des Jahres zählt der FC Bayern auch hochoffiziell zur Elite des europäischen Fußballs.

In einer Studie vom Januar erklärte die UEFA den deutschen Rekordmeister aus wirtschaftlicher Sicht als "dauerhaft uneinholbar" - zusammen mit Manchester United, Real Madrid und sechs weiteren Topklubs. Der Status scheint seitdem in Stein gemeißelt. 

Doch ausgerechnet jetzt schickt sich UEFA-Präsident Aleksander Ceferin an, die Vormachtstellung der großen Vereine zu brechen. SPORT1 erklärt seine Pläne.

Luxussteuer für reiche Klubs

Eine Idee, die Ceferin in dieser Woche bei einer Tagung in Portugal präsentierte. Sie ist angelehnt an den "Salary Cap" der US-amerikanischen Profiligen NBA (Basketball), NHL (Eishockey), NFL (Football) und MLB (Baseball).

Durch die finanzielle Obergrenze dürfen Teams nur ein gewisses Budget für Spieler ausgeben und Stars kassieren ein limitiertes Jahresgehalt. Diese Regelung soll die wirtschaftliche Dominanz der Top-Mannschaften eingrenzen und die Wettbewerbschancen von finanzschwächeren Teams aufrecht erhalten. 

Ein ähnliches Modell schwebt nun dem UEFA-Präsidenten vor. "Wir brauchen keine Angst zu haben, die Marktregeln zu ändern und Mechanismen wie eine Art Luxussteuer einzuführen", tönte Ceferin dieser Tage. Die könnte für den Fall erhoben werden, dass ein Klub die Transfers- und Gehaltsgrenzen überschreiten. Solch ein System gibt es beispielsweise in MLB und NBA.

Ob der Slowene mit diesen Plänen jedoch die dominierenden Vereine in Europa hinter sich versammeln kann, steht stark in Zweifel.

Begrenzte Kaderstärken

Auch so ein Gedankenspiel, das Ceferin momentan umtreibt: Ein sogenanntes Drafting-System, durch das auch leistungs- und finanzschwächere Klubs eine Zugriffschance auf die besten Spieler erhalten.

In den USA ist dieses Modell in den vier großen Sportligen NFL, NBA, NHL und MLB durch den Zusammenhang mit dem College-System Standard. Im Draft dürfen dort (in der Regel) zuerst die schlechtesten Teams der Vorsaison zugreifen und sich die besten Jungstars sichern.

Dass reichere und erfolgreichere Klubs ungezügelt junge Top-Spieler horten - nur mit dem Ziel, sie Konkurrenten vor der Nase wegzuschnappen - könnte unter Umständen so auch im Fußball unterbunden werden. Diese Strategie verfolgen im Fußball derzeit vor allem englische und spanische Topteams - schon bei extrem jungen Spielern. 

Wie sagte England-Ikone Gary Lineker in der Sport Bild? "Das im englischen Fußball bezahlte Geld ist eine Bedrohung für alle Ligen."

Der unschöne Nebeneffekt: Die Kader werden zusehends aufgebläht - und häufig schauen die kleineren Vereine in die Röhre. Dem versucht Ceferin nun entgegenzuwirken: "Viel zu oft sehen wir, dass eine kleine Zahl reicher Vereine die besten Fußballer von kleineren Teams wegkaufen und das darf eigentlich nicht das Ziel sein", sagte der UEFA-Boss.

Aus diesem Grund hat der 49-Jährige beim Konvent in Portugal das Thema Superliga auch fürs Erste beerdigt: "Solange ich Präsident der UEFA bin, wird es keine Superliga geben. Es muss für jeden Verein den Traum geben, sich für die Champions League qualifizieren zu können."

Im europäischen Fußballsystem ist ein Draftsystem aber kaum umsetzbar. Man stelle sich vor, der FC Bayern wählt einen 18-Jährigen von Real Madrid aus. Wird dieser junge Spieler dann gezwungen nach München zu ziehen?

Veränderte Setzliste

Eine Maßnahme, die die UEFA bereits beschlossen hat: Ab 2018 gelten andere Hierarchien in der Champions League. 

Die Länderkoeffizienten, durch die in erster Linie mittelmäßige Teams einer starken Liga profitiert haben, verlieren an Bedeutung. Künftig entscheidet nur noch der Klub-Koeffizient über die Setzliste. Was zählt, ist also die Leistung eines einzelnen Teams. 

Mannschaften wie APOEL Nikosia, Bate Borisow und Celtic Glasgow, die Meister ihrer Länder, werden sportlich aufgewertet. Teams wie AS Rom, Villarreal oder auch Gladbach rutschen im Ranking ab, weil sie nicht mehr vom starken Abschneiden ihrer nationalen Rivalen profitieren.

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