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Paris Saint-Germain mit Trainer Unai Emery (l.), Scheich Nasser Al-Khelaifi (M.) und Julian Draxler (r.) steht nach dem Debakel in Barcelona am Scheideweg © SPORT1-Grafik: Getty Images/Philipp Heinemann

Bei Paris Saint-Germain herrscht nach dem Debakel in Barcelona Alarmstufe Rot. Trainer, Großinvestor und die Deutschen um Julian Draxler und Kevin Trapp stehen am Scheideweg.

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Im Fußball passieren manchmal Dinge, die man mit rationalen Argumenten nicht erklären kann. 

Deutschlands monumentales 7:1 gegen Brasilien bei der WM 2014 ist so ein Beispiel. Oder der dramatische Zwei-Minuten-K.o. des FC Bayern im Champions-League-Finale 1999. 

Zwei Spiele, zwei extreme Gefühlslagen. Ungefähr so weit auseinander lagen am Mittwochabend auch der FC Barcelona und Paris Saint-Germain.

Während die Katalanen ihre sensationelle Aufholjagd feierten, erlebte die Mannschaft von Julian Draxler und Kevin Trapp einen sportlichen Tiefschlag. 

Verliert Al-Khelaifi die Geduld?

Nach der 1:6-Schmach besteht die Gefahr, dass das Projekt PSG nachhaltigen Schaden genommen hat. Die L'Equipe titelte nach dem Ausscheiden: "Das gesamte PSG-Projekt ist durch diese Demütigung gefährdet!"

Schon wieder hat der Scheich-Klub eine Saison in der Königsklasse verpatzt. Der Traum vom Titel ist erneut frühzeitig geplatzt. Und allmählich besteht die Sorge, dass Großinvestor Nasser Al-Khelaifi die Geduld verlieren könnte.

Gerüchte in diese Richtung halten sich seit Monaten hartnäckig. Und sie hätten wohl gravierende Auswirkungen, sollten sie sich bewahrheiten.

Al-Khelaifi hat seit seinem Einstieg 2011 mehrere hundert Millionen Euro in den Klub gepumpt. Im Falle eines Rückzugs stünde PSG wohl vom einen auf den anderen Moment vor einer existenziellen Krise. 

Es ist die sportliche Erfolglosigkeit, die den Investor vertreiben könnte. Al-Khelaifi hatte den Gewinn der Champions League in absehbarer Zeit zur Vorgabe gemacht. Wirklich angenähert hat sich Paris diesem Ziel nicht.

Coach Emery steht auf der Kippe

Viermal in Folge ist PSG in den vergangenen Spielzeiten im Viertelfinale gescheitert. Zu wenig für die hehren Ambitionen der Klubführung. 

Womöglich könnte das ein Mann bei PSG schon sehr bald zu spüren bekommen: Coach Unai Emery.

Der Spanier hatte erst zu Saisonbeginn den glücklosen Laurent Blanc beerbt. Nun muss er schon wieder um seinen Job zittern

"Ob er noch haltbar ist? Das ist nicht der Moment, um darüber zu sprechen. Nach diesem Spiel sind wir alle enttäuscht", erklärte Boss Al-Khelaifi noch in Barcelona und ließ die Zukunft des 45-Jährigen offen.

Emery wird in den kommenden Tagen sicher gute Argumente brauchen. Seitdem er am Ruder ist, ist PSG nicht mal mehr die Meisterschaft sicher.

Der Seriensieger der vergangenen Tage liegt aktuell drei Zähler hinter Spitzenreiter AS Monaco. Ein möglicher Erfolg im Pokal oder im Ligacup würde den Verlust der Meisterschaft sicherlich nicht kompensieren können.

Draxler erlebt Barca-Trauma

Und wie geht es weiter mit Julian Draxler?

Der Nationalspieler hat bei seinem neuen Klub bislang famos aufgespielt, in 14 Partien bereits sechs Treffer erzielt. Auch beim 4:0-Triumph über Barca im Hinspiel zählte er zu den Torschützen. 

Beim Rückspiel im Camp Nou erlebte Draxler nun sein persönliches Trauma. Als er in der 75. Minute ausgewechselt wurde, stand es 1:3. PSG lag klar auf Kurs Viertelfinale. Von draußen musste Draxler hilflos zuschauen, wie seine Teamkollegen Schiffbruch erlitten. 

Ein ähnliches Erlebnis an selber Stelle haben auch schon prominente Bayern-Spieler erlitten. Damals, 1999, bei der Pleite gegen Manchester United. 

"Das waren sicher diese großen Spiele, von denen Draxler immer geträumt hat", frotzelte ein Nutzer bei Twitter. 

Held ter Stegen - Trapp leidet

Auch für einen anderen Deutschen verlief der Abend alles andere als nach Plan. 

Nationaltorhüter Kevin Trapp wollte sich im direkten Duell gegen Rivale Marc-Andre ter Stegen beweisen. Ein Weiterkommen gegen Barca hätte sicherlich seine Ambitionen im DFB-Team bekräftigt. Zumal Bundestorwarttrainer Andreas Köpke auf der Tribüne saß. 

Irgendwann in der Schlussphase entwickelte sich dieses Spiel dann zu einem Albtraum für Trapp. Dass ter Stegen den entscheidenden Treffer auch noch mit einleitete, indem er einen Freistoß am Mittelkreis rausholte, passte ins Bild. 

Nicht Trapp, sondern ein anderer deutscher Keeper spielt nun weiter um den begehrtesten Titel im Vereinsfußball.  

Die Zeit wird kommen, in der sich Trapp und Draxler fragen müssen, ob PSG tatsächlich die richtige Adresse ist für die großen sportlichen Ziele.

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