München - Bixente Lizarazu ist neuer Markenbotschafter des FC Bayern. Bei SPORT1 spricht der ehemalige Vorzeigeprofi über die Gala gegen Arsenal, Thiagos Überform und Thomas Müllers Tief.

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Bixente Lizarazu wurde am Donnerstag zusammen mit Giovane Elber und Hasan Salihamidzic als neuer Markenbotschafter des FC Bayern vorgestellt.

Im SPORT1-Interview spricht der ehemalige Star des Rekordmeisters über die Gala gegen Arsenal, Thiagos Überform, Thomas Müllers Tief - und das Erfolgsrezept von Julian Draxler.

SPORT1: Bayern hat am Mittwoch ein fabelhaftes Spiel abgeliefert. Macht es Ihnen solch eine Vorstellung einfacher, den Verein im Ausland zu promoten?

Bixente Lizarazu: Ja, natürlich. Bayern hat sehr gut gespielt, insbesondere in der zweiten Halbzeit. In der ersten Halbzeit gab es in der Folge des Elfmeters eine schwierige Situation zu überstehen. Aber nach der Pause war Bayern großartig, Arjen Robben und Robert Lewandowski haben fantastisch gespielt. Wenn du solche Weltklassespieler hast, macht es die Dinge einfacher. Bayern hat mit gutem körperlichem Einsatz und hoher Aggressivitat gespielt. Das war bei Arsenal nicht der Fall. So kam es zum 5:1. Damit sind wir im Viertelfinale, auch wenn man das im Fußball natürlich noch nicht so sagen darf.

SPORT1: Thiago hat sich mit seinen zwei Treffern gegen Arsenal auch hervorragend in Szene gesetzt. Wie erklären Sie seine enorme Entwicklung in dieser Saison?

Lizarazu: Zunächst einmal ist er ein technisch sehr versierter Mittelfeldspieler von außerordentlich hoher Qualität. Pep Guardiola hat ihn damals geholt, weil er seine Art zu spielen liebt: die Qualität seines Passspiels und die seiner Spielkontrolle. Aufgrund seiner starken Technik sieht bei ihm alles leicht aus. Eigentlich schießt er nicht so viele Tore. Aber gegen Arsenal hat er den Unterschied gemacht und groß aufgetrumpft. Aber so ist das mit allen jungen Spielern: Sie werden besser und sammeln Erfahrung. Und dann werden sie Männer. Thiago weiß jetzt, was er auf dem Platz zu tun hat. Und er wird immer noch besser. Das ist großartig für Bayern.

SPORT1: Thiagos Aufstieg wird zum Problem für Thomas Müller, der nun keinen Platz mehr in der Münchner Startelf hat. Was raten Sie ihm, um in die erste Elf zurückkehren zu können?

Lizarazu: Im Fußball ändern sich die Dinge so schnell. Im Moment hat Thomas Müller meiner Ansicht nach ein bisschen sein Selbstbewusstsein verloren. Wenn du als Stürmer nicht triffst, ist das die logische Folge. Es gab eine Zeit, in der Bayern ohne Thomas Müller nicht gewonnen hat. Heute kann man es sich womöglich auch leisten, mal ohne ihn zu spielen. Aber er ist ein Weltklassespieler. Er wird wieder zu seiner Spitzenform zurückfinden. Das Tor gegen Arsenal war sehr wichtig für ihn. Aus taktischen Gründen und der Position von Thiago hat er zwar derzeit keinen Platz im Team. Aber du weißt nie, was morgen passiert. Da können Verletzungen dazwischen kommen und alles ändert sich wieder. Aber die beiden können meiner Ansicht nach auch mit Robert Lewandowski zusammenspielen. Da sehe ich kein Problem. Müller ist wichtig für Bayern.

SPORT1: In den ersten beiden Tagen des Achtelfinals der Champions League haben mit Bayern und Paris Saint-Germain zwei Teams besonders überzeugt. Wer ist für Sie aktuell stärker?

Lizarazu: Das ist schwer zu sagen, denn jetzt geht es ja gerade erst ans Eingemachte. Paris hat gegen Barcelona fantastisch gespielt. Aber Barca hat auch so schlecht gespielt, wie ich es noch nie gesehen habe. Das war nicht der wahre FC Barcelona, nicht der wahre Lionel Messi, Andres Iniesta, Sergio Busquets oder Luis Suarez. Natürlich hat Paris von der körperlichen Präsenz und Aggressivität, die in der Champions League sehr wichtig sind, eine großartige Partie geboten, dazu ein starkes Pressing. Aber der Unterschied zwischen den beiden Teams am Dienstag entspricht nicht der eigentlichen Realität. Für Paris war es wichtig, jetzt zu einer starken Leistung zu finden, denn die erste Saisonhälfte war nicht wirklich überzeugend.

SPORT1: Das hat sich jetzt aber scheinbar geändert...

Lizarazu: Sie haben jetzt eine breite Brust. Vielleicht treffen wir PSG jetzt im Viertelfinale. Im Moment ist in der Champions League alles offen, weil es sehr viele Teams gibt, die aktuell noch nicht ihr bestes Gesicht zeigen. Manchester City tut es nicht, Real Madrid auch nicht. Bayern hat in der zweiten Halbzeit gegen Arsenal aufgedreht, kann aber noch besser spielen. Wenn es Richtung Halbfinale geht, werden wir sicher klarer sehen. Dann haben wir gute zwei Monate gesehen, in denen sich die Teams bewähren mussten. Dann erkennt man die wahre Qualität einer Mannschaft.

SPORT1: In Deutschland wird Julian Draxlers Weg bei PSG besonders beobachtet. Wie beurteilen Sie seinen Beitrag zum aktuellen Erfolg der Mannschaft?

Lizarazu: Er macht das sehr gut. Er hat meiner Ansicht nach weniger Druck in Frankreich. Auf Schalke und in Wolfsburg galt er als das Riesentalent. Jeder hat enorm viel von ihm erwartet. Vielleicht hat ihm dieser Druck die Freiheit genommen, seinen Fußball zu spielen, ohne zu viel nachzudenken. In Paris sieht es so aus, als ob er ganz natürlich spielt und sich keinen Kopf macht. Er spielt einfach, hat ein gutes Passspiel, ein gutes Dribbling, einen guten Abschluss. Und er spielt mannschaftsdienlich. Er hat bei PSG losgelegt, als ob er dort schon seit zwei, drei Jahren spielt. In Paris gibt es auch noch Edinson Cavani oder Angel Di Maria. Da lastet der Druck nicht allein auf Draxlers Schultern. Deshalb trumpft er gerade so auf. 

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