Karl Heinz Riedle in seinem Hotel in Oberstaufen
In Oberstaufen betreibt Karl Heinz Riedle das Hotel "eviva". Im Speiseraum hängt das Bild, welches ihn mit dem Champions-League-Pokal zeigt © Maximilian Wessing

München - Dortmunds Finalheld Karl-Heinz Riedle spricht im SPORT1-Interview über das Finale 1997, eine kuriose Wette und die Neuauflage gegen Juventus Turin im Achtelfinale.

Von Maximilian Wessing und Michel Marcolesco

Mit seinen beiden Toren gegen Juventus Turin schrieb Karl-Heinz Riedle Geschichte.

Beim 3:1-Erfolg im Finale 1997 ebnete der Mittelstürmer Borussia Dortmund den Weg zum ersten und bislang einzigen Titelgewinn in der Champions League.

"Der Sieg war für mich noch bedeutsamer als der Weltmeistertitel", sagt Riedle im Gespräch mit SPORT1. Von 1994 bis 1997 spielte der gebürtige Allgäuer für den BVB und feierte neben dem Gewinn der Königsklasse auch zwei Deutsche Meisterschaften.

Im SPORT1-Interview spricht der 49-Jährige über die magische Nacht von München, eine Wette mit seinem damaligen Teamkollegen Paul Lambert und die Neuauflage des Endspiels von 1997 im Achtelfinale (ab 20.15 Uhr im Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER).

(Alles zum Spiel Juventus Turin - Borussia Dortmund auch im Bitburger Fantalk ab 20.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

SPORT1: Herr Riedle, vor knapp 18 Jahren schossen Sie Borussia Dortmund im Finale gegen Juventus Turin zum Triumph in der Champions League. Damals war der Erfolg gegen die Italiener - im Gegensatz zu heute - eine Sensation.

Zeitungsartikel über Karl Heinz Riedle
In Riedles Hotel hängen einige eingerahmte Zeitungsartikel. Hier: Der AZ-Bericht, erschienen einen Tag nach dem Erfolg in München © M. Wessing

Karl-Heinz Riedle: Richtig. Um es mal bildlich auszudrücken: Damals waren wir ein Mittelklassewagen und Juventus ein Rolls Royce. Die Chancen standen neunzig und zehn, Juve war die Übermannschaft zu der Zeit. Umso gigantischer war der Sieg. Wir haben anschließend in München in der Disco P1 gefeiert, am nächsten Tag war dann der Empfang in Dortmund - mein emotionalster Moment.

SPORT1: Und sicherlich unvergesslich...

Riedle: Das sind Momente, die kommen nicht so oft im Leben. Ganz ehrlich: Der Champions-League-Sieg war für mich noch bedeutsamer als der Weltmeistertitel 1990. Ich erlebte den Abend in München wie in Trance, dann habe ich mir in der ersten Halbzeit noch den Zeh gebrochen und musste in der Pause gespritzt werden. Die Ansprache von Ottmar Hitzfeld (damaliger Trainer, d. Red.) habe ich gar nicht mitbekommen, habe einfach drauf losgespielt.

SPORT1: Michael Zorc, Matthias Sammer, Jürgen Kohler, Sie - um nur ein paar Spieler zu nennen. Hatte die damalige Mannschaft das Sieger-Gen eingeimpft?

Karl-Heinz Riedle Matthias Sammer
"Matthias Sammer konnte zwischendurch richtig unangenehm werden", sagt Karl-Heinz Riedle (r.) über seinen damaligen Teamkollegen © Getty Images

Riedle: Wir waren viele gute Einzelspieler. Alle haben sich aber dem Erfolg untergeordnet. Vor allem Matthias Sammer, der zwischendurch richtig unangenehm werden konnte (lacht). Oder Andreas Möller, der ja oft als Diva verschrien war. Aber auch er wusste: Das ist die Chance meines Lebens. Da gab es überhaupt keine egoistischen Züge.

SPORT1: Um eine Anekdote kurz zu nennen: Den Sieg mussten Sie teuer bezahlen damals.

Riedle: Ja, stimmt. Mein damaliger Mitspieler Paul Lambert war hinter meiner Rolex-Uhr her, die ich in meiner vorherigen Zeit in Italien bekommen hatte. Irgendwann ging er mir damit so sehr auf den Zeiger, dass ich ihm versprochen habe, dass er die Uhr bekommen würde, wenn wir den Titel holen. Was ich nicht wusste: Lambert hatte genau den gleichen Deal mit Paulo Sousa gemacht. Nach dem Sieg hat er sich dann gar nicht für den Pokal interessiert, sondern nur für die Uhren. Wenig später hatte er dann sowohl eine am linken als auch rechten Handgelenk.

SPORT1: Nun trifft der BVB also wieder auf Juventus, diesmal im Achtelfinale (Datencenter: Ergebnisse und Spielplan). Kommt die Champions League nun zum passenden Zeitpunkt, nachdem die Dortmunder ihr Tief anscheinend überwunden haben?

Riedle: Die Mannschaft hat sich wieder gefangen. Trotzdem braucht sie zwei absolute Top-Tage, um weiterzukommen. Es war für alle wahnsinnig schwer, die letzten Monate zu verarbeiten. Selbst Trainer Jürgen Klopp wirkte häufig konsterniert. Das war nicht der Klopp, den man die letzten Jahre gesehen hat. Doch auch er ist wieder in der Spur. Ein anderer Trainer, der introvertierter ist, hätte sich die Krise sicherlich noch mehr zu Herzen genommen - und sie nicht so überstanden.

SPORT1: Sie sind seit November Markenbotschafter des BVB. Da dürfte Sie die Verlängerung von Marco Reus nun doppelt freuen.

Riedle: Natürlich. Das ist ein Meilenstein für uns und ein Liebesbekenntnis von ihm. Für den ganzen Verein ist das eine große Signalwirkung und hält sicherlich manche Spieler, die Abwanderungsgedanken haben, davon ab, den BVB zu verlassen. Auch mir persönlich hilft es natürlich weiter. In meiner Rolle bin ich dafür mitverantwortlich, den Markt in Asien weiter zu erobern. Die Fans wollen Gesichter sehen - und Marco Reus ist das Gesicht des BVB!

SPORT1: Das den Verein wieder zu alter Stärke führt?

Riedle: Die Fans wissen, dass es wohl auch mal ein Jahr ohne die große Bühne geben wird. Im Sommer wird es, denke ich, gewisse Veränderungen geben, es muss frisches Blut rein. Das ist eine Phase für den Verein, in der ein gewisser Umbruch da sein wird. Fest steht: Ein neuer Spieler muss beim BVB sofort funktionieren. Mit Immobile und Ramos etwa hat man es sich ja etwas anders vorgestellt. Aber vielleicht wird es ja nun deren Sternstunde.

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