Xabi Alonso (r.) ist seit dem 29. August 2014 Spieler des FC Bayern

München - Xabi Alonso stürmt nicht nur die Charts der Ballkontaktler. Binnen vier Wochen profiliert er sich beim FC Bayern als Dirigent.

Von Holger Luhmann

Die Hauptrolle für den nächsten Kinofilm der X-Men-Reihe dürfte Xabi Alonso sicher sein.

Im Marvel-Universum ist dem Welt- und Europameister des FC Bayern die Rolle des Magneto wie auf den Leib geschnitten.

Jene Figur also, die Dinge magisch anzieht. Im Fall von Alonso wäre dies der Ball.

Erster Spieler über der 200-Marke

206 Ballkontakte hatte Alonso beim Münchner 2:0-Sieg am Samstag beim 1. FC Köln. Ganz so, als habe er einen Magneten in seinem Schuh.

Als erster Bundesligaspieler seit der Erhebung dieser Daten im Jahr 1999 knackte der 32-Jährige die 200-Marke. 

Bislang führte Alonsos momentan verletzter Teamkollege und Landsmann Thiago Alcantara die Statistik mit 185 Ballkontakten an.

Dreh- und Angelpunkt

Welch außergewöhnliche Leistung Alonso vollbrachte, belegen weitere Zahlen.

Alle 26 Sekunden im Schnitt war der Spanier am Ball.

Jeder fünfte Ballkontakt beim FC Bayern lief über Alonso.

Und: Alonso glänzte nicht nur durch Präsenz, sondern auch durch Passgenauigkeit. 175 Pässe brachte er an die eigenen Mitspieler - 16 mehr als die komplette Kölner Mannschaft.

Ohne Schnörkel und Allüren

Manchmal sind Statistiken nicht mehr als schnöde Zahlenspielereien.

In diesem Fall aber sind sie ein Spiegel des Geschehens auf dem Platz.

In nur einem Monat nach seinem Blitz-Transfer von Champions-League-Sieger Real Madrid hat sich Alonso zum Lenker und Denker im Bayern-Mittelfeld aufgeschwungen.

Zu einem virtuosen Dirigenten. Ganz ohne Schnörkel im Spiel und Allüren im Auftreten übrigens. Gänzlich konzentriert auf die Sache.

Lücke von Kroos geschlossen

Dass Alonso sich bei den Bayern im Sturm mit an die Spitze der Hierarchie gesetzt hat, ist trotz seiner Erfolge und Erfahrung nicht selbstverständlich.

Bei seiner Verpflichtung gab es Unkenrufe, die Bayern hätten einen gealterten Weltstar geholt, ein Auslaufmodell.

Alonso sei höchstens ein Ersatz, bis die verletzten Thiago, Bastian Schweinsteiger oder Javier Martinez wieder gesund und zurück seien.

Doch gleich bei seinem Debüt auf Schalke übernahm Alonso - damals noch ohne jegliche Trainingseinheit mit den neuen Kollegen - das Zepter. War von Beginn an Chef, Führungsfigur.

Inzwischen stellt sich höchstens noch die Frage, wer von den derzeit verletzten Rückkehrer künftig für Alonso weichen muss.

Auch die Lücke von Toni Kroos, den es seinerseits nach Madrid zog, hat er geschlossen.

"Können nicht ohne Xabi gewinnen"

"Wir können nicht ohne Xabi gewinnen", sagte Trainer Pep Guardiola am Montag vor dem Auswärtsspiel in der Champions League (Di., ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE auf SPORT1.fm) bei ZSKA Moskau. 

Das ist natürlich etwas pathetisch. Auch ohne Alonso werden die Bayern künftig mal ein Spiel gewinnen.

Doch auch unter den ungewöhnlichen Umständen beim "Geisterspiel" in Moskau wird Alonso gebraucht werden.

Balleroberer- und -Verteiler in einem

Was aber macht Alonso eigentlich so wertvoll?

Er ist Balleroberer und -Verteiler in einem.

Er ist unentwegt unterwegs, bietet sich ständig an.

Und kann den Ball schließlich auch mit höchster Effektivität weiter spielen.

"Er hat das Auge für kurze und lange Pässe", sagte Guardiola über Alonso vor zwei Wochen.

Schon drei Einträge in Top Ten

"Über 200 Ballkontakte - dafür brauche ich eine ganze Saison", sagte Mitspieler Thomas Müller zur Leistung Alonsos am Samstag.

Auch das ist natürlich etwas überspitzt.

Fakt ist aber: In den Charts der besten Ballkontaktler wird Alonso nach nur vier Wochen in der Bundesliga bereits auf den Plätzen eins, vier und sieben geführt.

Macht er so weiter, wird er die Top Ten bald alleine bestücken.