Stuttgart - Borussia Dortmund befindet sich im freien Fall. Nach der Pleite in Stuttgart werden die Zweifel an Trainer Peter Bosz immer größer.

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Eine halbe Stunde nach der Schmach von Stuttgart wählte auch Hans-Joachim Watzke den Weg in die Kabine. Der Blick des BVB-Geschäftsführers war starr Richtung Boden gerichtet, die Lippen fest zusammen gepresst.

Watzkes Gesicht war ein Spiegelbild der Situation: Borussia Dortmund steckt ganz tief im Jammertal. Statt der erhofften Wende nach der Länderspielpause gab es bei der 1:2-Niederlage beim Bundesliga-Rückkehrer den nächsten Rückschlag.

Slapstick-Gegentore und einem spielerischen Offenbarungseid in der zweiten Halbzeit inklusive. (Spielplan und Ergebnisse)

Die Frage, die sich aufdrängt: Ist Peter Bosz überhaupt der richtige Trainer? Nach dem Traumstart unter dem Niederländer zerfällt die Borussia immer mehr in ihre Einzelteile. Zwar genießt Bosz bei den BVB-Verantwortlichen einen guten Ruf, doch die Mängelliste wird immer größer.

Auch Watzke weiß: So kann es nicht mehr weiter gehen.

Die Partie in der Champions League gegen Tottenham Hotspur und das Revierderby gegen Schalke 04 – es werden Schicksalsspiele für Bosz.

Die Highlights des Spieltags am Sonntag ab 13.30 Uhr in Bundesliga Pur - Lunchtime

"Lächerliche" Gegentore

In Stuttgart schlug sich die Borussia weitgehend selbst.

Ein peinlicher Abstimmungsfehler von Innenverteidiger Marc Bartra und Torhüter Roman Bürki führte in der 5. Minute zum frühen Rückstand durch Chadrac Akolo.

Vor dem 1:2 in der 51. Minute verlor Bartra den Ball im Mittelfeld, Bürki bekam den Schuss von Josip Brekalo durch die Beine.

"Unsere Gegentore waren fast lächerlich", befand Bosz.

Insgesamt kassierte die Borussia in den letzten fünf sieglosen Spielen 14 Gegentore - so viele gab es zuletzt vor 26 Jahren binnen fünf Ligapartien. Zwischendurch gab es die blamablen Auftritte in der Champions League gegen Nikosia

Zu allem Überfluss musste Abwehrrecke Sokratis mit einer Rippenverletzungs ausgewechselt weden. (Die Tabelle)

Kein Plan B

Auch in der Offensive blieben die Dortmunder diesmal vieles schuldig – insbesondere nach dem Seitenwechsel.

Das einzige Tor gelang Maximilian Philipp in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit mit einem Nachschuss nach einem verschossenen Handelfmeter von Andre Schürrle.

Bosz' taktische Ausrichtung ist berechenbar. Überraschungsmomente? Ein Plan B? Fehlanzeige!

Lediglich Bosz' Wechsel überraschten. Der einmal mehr schwache Mahmoud Dahoud kam Mitte der zweiten Halbzeit in die Partie, Europameister Raphael Guerreiro musste bis kurz vor dem Ende auf der Bank schmoren.

Hinzu kommt, dass einige Spieler nicht austrainiert wirken. Am Ende schwanden einigen Dortmundern die Kräfte.

Gefährliches Spiel mit Aubameyang

Dazu kommt das gefährliche Spiel mit Pierre-Emerick Aubameyang. Der Torjäger war von Bosz aus disziplinarischen Gründen für das Spiel suspendiert worden.

Dass Christian Pulisic und Alexander Isak kurzfristig angeschlagen ausfielen, machte die Sache nicht einfacher.

Zum Thema Aubameyang schwiegen sich Verantwortliche und Mannschaft weitgehend aus.

"Das ist ein mannschaftsinternes Thema", sagte Mario Götze auf SPORT1-Nachfrage.

Aubameyangs Allüren sollen bei den Mitspielern nicht gut ankommen. Ein zusätzlicher Brandherd.

Götze: “Kleiner Genickbruch”

Die eigenen Fans wenden sich ab. In Stuttgart ertrugen die Anhänger den gruseligen Auftritt beinahe lautlos. Umso deutlicher fielen die Unmutsbekundungen nach der Niederlage aus.

Während Bosz (“teilweise gut gespielt”) und Kapitän Marcel Schmelzer ("von der Einstellung ein Schritt in die richtige Richtung") den nächsten Rückschlag zu verharmlosen suchten, legte einzig Götze den Finger in die Wunde, sprach nach dem 1:2 von einem "kleinen Genickbruch".

Die Frage ist, wie lange Bosz all diese Nackenschläge noch unbeschadet überstehen wird.

Watzke bekundete in Stuttgart den demonstativen Schulterschluss mit dem Coach. "Die interne Zusammenarbeit ist überragend. Das fühlt sich alles sehr gut an. Irgendwann musst du den Bock natürlich umstoßen, aber intern sind wir sehr ruhig", sagte Watzke bei Eurosport. Das war allerdings noch vor dem Spiel.

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