Dortmunder Protest-Plakate beim Heimspiel gegen RB Leipzig im Februar
Dortmunder Protest-Plakate beim Heimspiel gegen RB Leipzig im Februar © SPORT1-Grafik: Davina Knigge/ Imago

Dortmund und München - Erstmals seit den Krawallen beim Spiel im Februar tritt RB Leipzig beim BVB an. Die Polizei sieht sich gerüstet, die Fans wollen wieder protestieren.

von Ljubo Herceg , Christoph Küppers

Borussia Dortmund gegen RB Leipzig. Rein sportlich gesehen ein Fußball-Leckerbissen. Die Erinnerung an das letzte Bundesliga-Duell der Top-Teams bringt aber schlimme Bilder wieder hoch.

Es ist das erste Aufeinandertreffen nach den Ausschreitungen im Februar 2017. Damals musste der BVB als Bestrafung für die Angriffe auf Anhänger der Sachsen eine Sperrung der legendären Südtribüne hinnehmen.

Kein Wunder, dass die Anspannung vor der Rückkehr von RB da ist, die Polizei sich intensiv auf die Partie vorbereitet.

Die große Frage bleibt: Wird es wieder zu ähnlichen tätlichen und verbalen Angriffen wie im Februar kommen? SPORT1 blickt auf die Vorbereitungen für das Hochrisikospiel.

Dortmunds OB lädt Leipzig-Fans ein

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau will seinen Teil zu einem friedlichen Fußballfest beitragen und hat den RB-Fans die Hand gereicht. Der SPD-Politiker lädt alle Leipzig-Anhänger, die im Februar Anzeige erstattet haben, zu einem Empfang im Dortmunder Rathaus ein. Nach SPORT1-Informationen haben momentan etwa zehn Fans ihre Teilnahme zugesagt. Möglich aber, dass die Zahl am Spieltag noch weiter wächst. 

Insgesamt reisen dieses Mal deutlich weniger Leipziger Fans nach Dortmund. Vom vollen Ticketkontingent (8000 Karten) nutzt RB nur knapp 3500. Um die eigene Mannschaft zu schützen, engagierte RB zusätzlich eine Sicherheitsfirma.

Torsten Schild, der Vorstandsvorsitzende der Fan-Abteilung von Borussia Dortmund, sagte im Reviersport-Interview: "Ein Spiel wie jedes andere ist das nicht. Es ist schon ein gewaltiger Druck da."

BVB-Fans rufen zu erneuten Protesten auf

Die aktive Fanszene in Dortmund will erneut protestieren. Das Bündnis "Südtribüne Dortmund" hat zum gemeinsamen Fanmarsch zum Stadion aufgerufen und will "acht Monate nach dem vermeintlichen Skandal-Spiel"  auch im Stadion wieder gegen RB Leipzig protestieren: "Im Westfalenstadion und auf der Südtribüne gilt die gleiche Devise, wie in der letzten Saison: Zeigen wir, was den Fußball für uns ausmacht!" heißt es in dem Aufruf weiter.

Kein Wunder, dass bei solchen Ankündigen Sorgen aufkommen. Im Februar hatten BVB-Anhänger Leipziger Fans rund ums Spiel massiv angepöbelt und attackiert. Auch Frauen und Kinder wurden vor dem Spiel mit Gegenständen beworfen. Steine, Glasflaschen und Leuchtraketen flogen.

Zehn Leipziger mussten daraufhin ins Krankenhaus eingeliefert werden. Auch vier Polizisten wurden verletzt. Im Stadion selbst hatten Dortmunder Fans dann teils stark verunglimpfende Spruchbänder gezeigt.

Polizei vom Ausmaß geschockt

Der Einsatzleiter der Dortmunder Polizei, Ed Freyhoff, erhob damals schwere Vorwürfe gegen die randalierenden BVB-Anhänger. "Es war eine aggressive, gewalttätige und hasserfüllte Stimmung. Ich habe in hasserfüllte Fratzen geschaut, die nichts anderes im Sinn hatten, als die Leipziger anzugreifen", sagte er. Er begleite den BVB auch bei Auswärtsfahrten, so Freyhoff, "aber ein solch asoziales, widerliches Gewaltverhalten habe ich bisher nicht erlebt."

Die  Bilanz der Krawalle: Von 214 Vorgängen mündeten 168 in Strafverfahren, in 66 Fällen gelang eine Personalisierung der Täter. Am häufigsten (109-mal) lag das Delikt der Körperverletzung oder gefährlichen Körperverletzung vor. Elfmal wurden insgesamt bislang Strafbefehle erlassen, von denen fünf rechtskräftig geworden sind. Darüber hinaus wurden fünf Anklagen erhoben.

Der BVB distanzierte sich von den Chaoten und "verurteilte die Gewalt aufs Schärfste." Die Strafe, die höchste der vergangenen Bundesliga-Saison, folgte prompt: Für das Fehlverhalten von Teilen der eigenen Anhänger gegen RB musste Borussia Dortmund 100.000 Euro zahlen, zusätzlich wurde die Südtribüne für ein Spiel komplett gesperrt. Rund 25.000 Fans fehlten beim Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg.

Protestmarsch von BVB-Ultras

Trotz des angekündigten Protestmarsches zeigt sich BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke guten Mutes, dass sich die Szenen aus dem Februar nicht wiederholen. "Grundsätzlich glaube ich, dass alle gelernt haben aus der Situation", sagte Watzke dem Reviersport. "Insofern bin ich verhalten optimistisch, dass wir das ordentlich über die Bühne kriegen."

Besonders die Rolle der Sicherheitskräfte sei wichtig: "Die entscheidende Lehre ist schon mal insofern gezogen, als dass die Polizei das Spiel mit deutlich größerer Präsenz überwacht als beim letzten Mal", so Watzke. "Damals waren einfach deutlich zu wenig Polizisten im Einsatz."

Die Dortmunder Sicherheitsbehörden haben angekündigt, mehr als doppelt so viele Polizisten im Einsatz zu haben. Genaue Zahlen nannte sie nicht, im Frühjahr waren knapp 300 Kräfte im Dienst.

Polizei will Gewalt im Keim ersticken

"Am nächsten Samstag ist unser Konzept darauf ausgerichtet, Fußball-Fans aus Leipzig und Dortmund davor zu schützen, von Gewalttätern und Kriminellen, die den Titel 'Fan' nicht verdienen, belästigt und angegriffen zu werden. Straftäter werden wir mit allen Mitteln und hohem Aufwand verfolgen", sagte der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange in dieser Woche.

Lange sieht seine Behörde gut aufgestellt und gerüstet. Die Schwelle, ab der man einschreite, sei nach den Vorfällen beim letzten Spiel extrem niedrig, so Einsatzleiter Freyhoff. 

Bleibt zu hoffen, dass das Spitzenspiel zwischen dem BVB und RB Leipzig am Samstag nur sportlich Schlagzeilen schreibt.

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