München - Carlo Ancelotti verordnet sich nach seinem Aus beim FC Bayern München eine Pause. Sein Biograf und sein Mentor geben Einblicke, warum er die auch nötig hat.

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Carlo Ancelotti hat sich eine Auszeit verordnet. Er werde erst einmal entspannen und "in den nächsten zehn Monaten keine Mannschaft trainieren", kündigte der ehemalige Trainer des FC Bayern München nun bei Sky Sport Italia an.

Diese Sabbat-Monate hat der 58-Jährige offenbar auch bitter nötig. Denn wie sein Biograf und enger Vertrauter Chris Brady verriet, habe die Zeit beim deutschen Rekordmeister arg an den Kräften Ancelottis gezehrt.

"Carlo ist ausgelaugt, leer", sagte Brady der Sport Bild. Ancelotti hat zwar stets betont, dass die Kritik an seiner Person ihn nicht groß interessiere und er weiterhin seine Arbeit mache. Doch das scheint ihn offenbar mehr ermüdet zu haben, als er zugegeben hat.

Ancelotti rechnete mit vorzeitigem Abschied

Intimus Brady offenbarte, dass Ancelotti mit seiner Entlassung gerechnet habe. "Er hat oft den Witz gemacht, dass er ohnehin längst Mitglied im größten Klub der Welt sei - dem Klub der entlassenen Trainer", so der Wirtschaftsprofessor weiter.

Der frühe Zeitpunkt kam für den Italiener dennoch unerwartet: "Damit hatte Carlo nicht gerechnet."

Darüber hinaus verriet Brady Details über die Meinung Ancelottis zu den Bossen des FC Bayern und deren Strategie. "Carlo würde das nie selbst sagen, aber er ist über die Vereinspolitik sehr enttäuscht. Die Verantwortlichen haben ihm eine Mannschaft gebaut, die die großen Ziele nicht erreichen konnte", führte Brady weiter aus.

Ähnlich stellt Arrigo Sacchi, Vorbild und Mentor Ancelottis, die Situation dar. Die einstige italienische Erfolgscoach deutete an, dass die Transferwünsche seines früheren Zöglings nicht erfüllt wurden.

"Alle großen Trainer haben immer die Zusammenstellung ihres Kaders geprägt. Carlo wollte genauso wie zuvor Guardiola einige Spieler austauschen - aber wo auch immer er hinkommt, er akzeptiert erst einmal die, die dort sind", sagte Sacchi in der Gazzetta dello Sport.

Sacchi kann sich Rückkehr zu Milan vorstellen

Dafür, dass es zwischen den Münchnern und Ancelotti nur bis Ende September 2017 geklappt hat, macht er vorwiegend die Klubseite verantwortlich.

"Ich bedauere es in erster Linie für die Bayern, die sich als ein Verein wie jeder andere erwiesen haben, obwohl ich dachte, dass sie anders wären. Carlo hat Großes geleistet, er hat überall gewonnen, und seine Mannschaften spielen immer einen positiven Fußball", ergänzte Sacchi.

Dass es nicht gut läuft zwischen Bayern und Ancelotti, wusste Sacchi schon länger: "Ich schaue mir alle Spiele der Bayern an. Und ich habe den Eindruck, dass der Enthusiasmus der Mannschaft verloren gegangen ist", sagte er Mitte September bei SPORT1 und sah auch bei Ancelotti Ermüdungserscheinungen: "Man wird älter und verliert Leidenschaft und absoluten Willen, das ist das Leben."

Sacchi kann sich nun eine Rückkehr Ancelottis zum AC Milan, mit dem er bereits kurz nach seiner Trennung vom FC Bayern in Verbindung gebracht worden war, gut vorstellen. Außerdem sei Ancelotti auch für die italienische Nationalmannschaft der richtige Mann.

Sollte der Italiener sein Wort halten, käme das jedoch erst frühestens in zehn Monaten in Frage.

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