Gelsenkirchen - Leon Goretzka führt Schalke auch zum Sieg gegen Mainz - und damit auf einen Champions-League-Platz. Doch die Zukunft des Nationalspielers ist unsicherer denn je.

Es war ein königsblauer Abend zum Genießen - und mittendrin vor den Fans des FC Schalke 04 jubelte vor allem Einer: Leon Goretzka

Der Confed-Cup-Sieger genoss die Reaktionen auf seine erneute Gala-Vorstellung, mit der er die Knappen auf Kurs Richtung Europa gehalten hatte.

Mit seinem vierten Saisontor hatte Goretzka den Grundstein für den 2:0 (1:0)-Erfolg gegen den FSV Mainz 05 gelegt, zumindest für eine Nacht kletterten die Gelsenkirchener auf den vierten Tabellenplatz.

Und bereits zum dritten Mal erzielte der heftig umworbene Nationalspieler, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft, dabei den Siegtreffer - übrigens zum zweiten Mal in Folge. Goretzka traf in der 13. Minute nach Vorarbeit von Guido Burgstaller, der in der 74. Minute selbst für die Entscheidung sorgte. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

(Alle Highlights der Partie am Sonntag um 9.30 Uhr und 13.30 Uhr in Bundesliga Pur im TV auf SPORT1)

Goretzka freut sich - Adler bedient

"Im Fußball gibt es immer Phasen. Im Moment läuft es eben sehr gut, dann denkt man vor dem Tor nicht nach und hat ein gewisses Selbstvertrauen. Genauso gut kann es auch wieder andersherum sein", sagte der 22-Jährige bei Eurosport - und wollte seinen starken Auftritt nicht überbewerten. "Es braucht jetzt auch keiner erwarten, dass ich in jedem Spiel ein Tor mache."

Worauf sich die Schalker dennoch gefasst machen dürfen: Die Chancen, dass Goretzka sein Arbeitsverhältnis noch einmal verlängert angesichts der angeblich lockenden Offerten vom FC Bayern, Real Madrid, FC Arsenal und beiden Top-Klubs aus Manchester, schwinden immer mehr.

Fürs Erste genossen die Königsblauen jedoch ihren Triumph über Mainz. Mehr noch: Nach der Zweitrundenbegegnung im DFB-Pokal am Dienstag beim SV Wehen Wiesbaden können sich die Schalker mit einem weiteren Heimsieg am nächsten Samstag gegen den VfL Wolfsburg auf den Europapokalplätzen festsetzen. (Tabelle der Bundesliga)

Zur Erinnerung: In der vergangenen Saison hatten die Königsblauen ihren Stammplatz im internationalen Geschäft nach sieben Jahren verloren.

Die erschreckend schwachen Mainzer setzten dagegen ihre schwarze Serie in Gelsenkirchen fort: Im zwölften Gastspiel kassierten sie die neunte Niederlage, der Aufwärtstrend nach sieben Punkten aus drei Partien ist zunächst gestoppt. (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

"Die Niederlage war verdient. Wir waren von Anfang an nicht drin im Spiel, Schalke war von der Körpersprache überlegen, so kannst du auswärts nicht bestehen", kritisierte FSV-Keeper Rene Adler bei Eurosport.

Tedesco bringt Mayer erneut als Sechser

Schalkes Aufschwung hängt auch mit einer mutigen Umstellung von Trainer Domenico Tedesco zusammen: Wie schon beim 2:0 am vergangenen Samstag bei Hertha BSC bot der 32-Jährige U21-Europameister Max Meyer als einzigen Sechser auf.

Der technisch starke Dribbler, eigentlich auf der Zehn zu Hause, gab unter der Spielleitung von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus, die ihr zweites Bundesliga-Spiel leitete, erneut den zweikampfstarken Ballverteiler. 

"Wir wollten stabilen Ballbesitz haben. Wir wollten uns im Ballbesitz nicht verstecken. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt. Wir haben uns auswärts immer ein bisschen leichter getan, weil du bei einem möglichen Ballverlust nicht die Masse hast, die dich vielleicht auspfeift. Das habe ich den Jungs versucht, einzuimpfen", so der Coach.

Mainz-Coach Schwarz verstärkt Defensive

Der Mainzer Coach Sandro Schwarz hatte die Defensive verstärkt - mit Fünferkette und insgesamt sieben Spielern, die vorwiegend für Abwehraufgaben vorgesehen waren.

Schon früh war das Defensivkonstrukt der Rheinhessen ausgehebelt: Burgstaller narrte mit einer Drehung die Mainzer Abwehr und legte den Ball auf den durchgestarteten Goretzka quer.

Der ließ Adler mit einem Lupfer keine Chance. Damit brachte Goretzka die Schalker im dritten Spiel in Folge mit 1:0 in Führung. Es war erst das vierte Saisontor er Königsblauen aus dem laufenden Spiel heraus.

Schalke setzt auf Ballkontrolle

Mit der Führung im Rücken setzte Schalke mit Meyer als "Quarterback" auf Ballkontrolle, wartete auf Mainzer Fehler, um schnell zustoßen zu können. Die Gäste fanden, spielerisch limitiert, kaum ein Mittel, sich bis in die gefährliche Zone durchzukombinieren.

Gelang es einmal, war beim souveränen Schalker Abwehrchef Naldo Endstation. So blieben Strafraumszenen rar. Ein Distanzschuss von Amine Harit (38.) war der einzige Höhepunkt der restlichen ersten Hälfte.

Auch nach der Pause änderte sich zunächst wenig: Schalke suchte ohne viel Tempo und Ideen nach der Lücke. Mainz blieb weitgehend ungefährlich. Nach über einer Stunde sorgte Franco Di Santo mit einem Direktschuss für ein wenig Aufregung, doch Adler parierte (61.). 

Für das 2:0 sorgte Burgstaller im Nachstochern: Einen Kopfball von Naldo wehrte Adler noch ab, dann traf der Österreicher.

"Es war eine Top-Mannschaftsleistung. Wir hätten früher das 2:0 machen müssen. Aber jetzt sind wir glücklich, dass wir gewonnen haben. Wir arbeiten alle sehr akribisch, momentan funktioniert das sehr gut", so Burgstaller. Nicht zuletzt wegen Goretzkas Galaform.

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