Nürburgring - Einst gewannen sie zusammen die Champions League: Stefan Effenberg bezieht bei SPORT1 Position zum neuen Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic und äußert sich kritisch zum Neymar-Wechsel.

von Torben Nilles

Stefan Effenbergs Wort hat Gewicht. Das war zu Spielerzeiten so, als der "Tiger" den FC Bayern als Kapitän zum Champions-League-Titel 2001 führte. Und das ist auch heute noch so. Denn der 35-malige Nationalspieler ist ein profunder und meinungsstarker Kenner der Fußballszene.

Im SPORT1-Interview spricht er über die neue Dimension der Transfersummen, die Vorbereitung des FC Bayern, dessen neuen Sportdirektor Hasan Salihamidzic und die Aussichten seines Ex-Klubs Borussia Mönchengladbach.

Stefan Effenberg im Wortlaut über...

den Neymar-Transfer:
"Mittlerweile ist das der normale Gang in dem Business. Wir waren immer schon an den 100 Millionen Euro dran. Und es war nur eine Frage der Zeit, wann nun diese Marke gesprengt wird. Ich würde nicht sagen, dass es eine niedrige Ablöse ist, wie das der eine oder andere gesagt hat. Es ist schon krass, aber so ist der Fußball. Es gibt Vereine, die es zahlen können und umsetzen. Financial Fair Play  kann man abhaken. Man muss sich fragen: Wo auf dieser Welt gibt es denn überhaupt noch Fair Play?

die Vorbereitung des FC Bayern:
"Die Vorbereitung bis zum Supercup war sehr schlecht von den Ansprüchen her und den Ergebnissen, die so krass ausgefallen sind. Wir reden nicht von einem 1:2 oder einem 0:1, sondern es waren klare Niederlagen. Ich kann mich an keine Vorbereitung erinnern, die so schlecht lief. Doch man kann es nicht nur auf die Spieler schieben, sondern muss sich auch mal die Fragen stellen, ob die Vorbereitung die optimale für die Spieler war.

Ich glaube, dass die Vorbereitung für die Spieler mit dem Klima, dem Stress und den Verpflichtungen, die man hatte, nicht optimal war. Ich hätte mich als Spieler dabei auch nicht wohl gefühlt. Es ist immer die Frage, ob die Spieler an die 100 Prozent kommen, um Topleistungen zu bringen. Und das bezweifle ich. Wirtschaftlich war es gar keine Frage: Das war mit Sicherheit ein großer Erfolg. Aber es geht um die Spieler, ihre Physis und Psyche. Und das war nicht optimal."

Bayerns neuen Sportdirektor Hasan Salihamidzic:

"Wir sollten das Thema Salihamidzic gar nicht so groß aufmachen. Er ist sehr demütig und unglaublich lernwillig, so habe ich ihn als Spieler damals kennengelernt. Wenn du ihm etwas gesagt hast, dann hat er versucht, das mit vollem Ehrgeiz und Eifer umzusetzen. Und das wird auch als Sportdirektor so sein. Man darf ihn aber nicht mit seinem Vorgänger Matthias Sammer vergleichen.
Er hat in der Öffentlichkeit nicht dieses außergewöhnliches Standing wie Sammer. Aber die Verantwortlichen werden sich schon etwas dabei gedacht haben. Brazzo soll auch viel im Nachwuchs machen. Ich mag ihn persönlich unglaublich gerne und wünsche Brazzo alles Gute. Für ihn ist das mit dem Sportdirektor eine tolle Sache."

den Wechsel des Kaderplaners Michael Reschke von München nach Stuttgart:

"Herr Reschke wird sich das gut überlegt haben. Wenn er jetzt in die volle Verantwortung beim VfB Stuttgart kommt, dann hat ihn das gereizt. So eine Möglichkeit bekommt man nicht jede Woche. Von daher kann ich den Schritt von ihm total nachvollziehen. Auch da wird der FC Bayern einen Nachfolger finden, der diese Position ausübt." 

den härtesten Bayern-Konkurrenten:

"Der Verfolger Nummer ein ist Borussia Dortmund. Wir können alle Vereine durchgehen und dann auch über RB Leipzig reden. Aber die Leipziger haben erstmals in ihrer Klubgeschichte diese hohe Belastung der Champions League, was mit Sicherheit nicht einfach wird. Daher sehe ich ganz klar als Verfolger nur den BVB, auch wenn dessen Vorbereitung auch nicht so gut war. Ich glaube, dass ansonsten alles in der Liga enger zusammenrücken wird."

seinen Ex-Klub Mönchengladbach:

"Gladbachs Taktik hängt auch von der Kaderplanung und Kaderzusammenstellung ab. Das ist das A und O für eine erfolgreiche Saison oder eben nicht. Borussia wünsche ich einfach, dass sie wieder in ruhiges Fahrwasser reinkommt, im vergangenen Jahr ging es da etwas drunter und drüber. Ich glaube auch, dass die Heim-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt im Pokal-Halbfinale extrem weh getan hat. Die war total unnötig, da hätten die Gladbacher etwas Großes schreiben können. Aber das haben sie nicht geschafft.

Jetzt gilt es wieder auf die internationalen Plätze zu schielen. Dabei drücke ich Gladbach immer die Daumen. Aber das wird in der kommenden Saison sehr schwer werden. Was wird mit Leverkusen, bei denen ich kein gutes Gefühl habe, was machen die Schalker nach der schlechten Saison und Wolfsburg nach der Katastrophen-Saison? Da gibt es so viele Fragezeichen."

Weiterlesen