München - Der FC Barcelona ist heiß auf Ousmane Dembele. Würde ein Verkauf des Franzosen für Borussia Dortmund Sinn ergeben? SPORT1 nennt Argumente dafür und dagegen.

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Der Rekord-Transfer von Neymar zu Paris Saint-Germain hat zahlreiche Auswirkungen. Eine davon: Der FC Barcelona hat nach dem Verkauf von Neymar an Paris Saint-Germain 222 Millionen mehr auf dem Konto und geht damit auf Shoppingtour.

Ein möglicher Ersatz für den brasilianischen Superstar könnte von Borussia Dortmund kommen: Ousmane Dembele soll ganz oben auf dem Einkaufszettel der Katalanen stehen. Barca soll bereit sein, 100 Millionen Euro zu investieren.

"Von einer Zusage ist mir nichts bekannt", sagte BVB-Sportchef Michael Zorc am Sonntag nach dem Sieg im Testspiel gegen Rot-Weiß Erfurt.

Es ergebe "keinen Sinn, diese permanenten Gerüchte jedes Mal zu kommentieren", so Zorc weiter. Denn auch er weiß, dass sich die Geschichte mit Dembele noch lange ziehen kann: "Das wird uns sicher noch eine Weile begleiten."

Wäre ein Verkauf von Dembele sinnvoll für den BVB? SPORT1 nennt Argumente dafür und dagegen.

PRO:

- Kasse machen

Dortmund könnte bei einem Verkauf von Dembele richtig viel Geld verdienen. Es hieß einmal, die Schmerzgrenze der BVB-Verantwortlichen solle bei 100 Millionen Euro liegen.

Zuletzt stellte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke aber bei Eurosport klar: "Diese Summe halte ich für zu wenig."

Mit etwas Verhandlungsgeschick könnten die BVB-Bosse Dembele sogar zum zweitteuersten Fußballer der Welt hinter Neymar machen. Das ist bisher noch Dembeles Landsmann Paul Pogba, der letztes Jahr für 105 Millionen zu Manchester United wechselte.

Aber auch wenn Dembele "nur" 100 Millionen einbringen sollte: Für die Borussia wäre es immer noch ein unglaublich gutes Geschäft. Vor der vergangenen Saison kam Dembele schließlich für lediglich 15 Millionen Euro von Stade Rennes.

- Dembele liebäugelt mit Barca

Ein Verkauf würde auch Sinn ergeben, weil Dembele anscheinend selbst mit einem Wechsel nach Barcelona liebäugelt.

Wie die französische Sportzeitung L'Equipe berichtet, soll sich der Offensivspieler bereits mit Barcelona einig sein. Interessant ist: Eigentlich immer, wenn es um einen Abgang Dembeles aus Dortmund geht, kommen die entsprechenden Meldungen aus französischen Medien.

Gut möglich, dass diese ihre Informationen direkt aus Dembeles Umfeld haben. Soll so möglicherweise von Spielerseite ein Wechsel forciert werden?

- Dembele war Tuchel-Fan

Dembele hat seinen schnellen Durchbruch natürlich seinem riesigen Talent zu verdanken – aber auch Thomas Tuchel. Der ehemalige BVB-Trainer setzte von Anfang an auf den Newcomer.

Dembele zahlte das Vertrauen zurück: In Leistung, aber auch mit Unterstützung für seinen Trainer. Auch als sich die Verantwortlichen und große Teile der Mannschaft bereits von Tuchel abgewandt hatten, blieb Dembele ihm treu.

Unter dem neuen Coach Peter Bosz wäre Dembele natürlich auch Stammspieler. Doch mit Tuchel fehlt ihm jetzt ein alter Förderer und Vertrauter.

CONTRA:

- Keine Geldnot

Auch wenn eine Ablösesumme von möglicherweise über 100 Millionen Euro verlockend wäre: Borussia Dortmund hat das Geld nicht nötig.

Seit Jahren steht die ehemals von der Insolvenz bedrohte AG finanziell blendend da. Im vergangenen Geschäftsjahr vermeldete der Klub einen Rekordumsatz: 376,3 Millionen Euro. Auch die kluge Transferstrategie machte sich bezahlt: Immer wieder kauften die Dortmunder günstig ein und verkauften Spieler teuer weiter.

Dembele trotz eines astronomischen Angebots aus Barcelona zu halten wäre ein Statement – das sich der BVB auch leisten könnte.

- Dembele nicht verheizen

Die Entwicklung von Dembele war rasant, scheint aber noch lange nicht zu Ende. Das Haifischbecken Barcelona könnte für den Youngster jedoch noch zu früh kommen, vielleicht würde ihm ein Jahr mehr in Dortmund guttun.

Der BVB hat Zeit, Dembeles Vertrag läuft noch bis 2021. Sein Marktwert könnte sich noch weiter steigern. Wenn die Blase nicht platzt, könnte der Transfermarkt nächstes Jahr noch verrückter werden. Dortmund würde dann noch mehr abkassieren.

- Mangel an Alternativen

Sollte Dembele gehen, bräuchte der BVB Ersatz. Der wäre aber nicht günstig zu haben. Es sei denn, Zorc und Co. graben den nächsten hochtalentierten Youngster zum kleinen Preis aus.

In den eigenen Reihen hat der BVB nicht allzu viele Alternativen: Marco Reus fällt immer wieder verletzt aus und Andre Schürrle konnte nie über mehrere Spiele hinweg überzeugen. Auch deshalb wäre es sinnvoll, Dembele zu halten.

Dortmund hat schon einmal positive Erfahrungen damit gemacht, hart zu bleiben: 2013 wollte Robert Lewandowski den Verein unbedingt verlassen. Der BVB verzichtete damals sogar komplett auf eine Ablösesumme, weil man keinen adäquaten Ersatz für den Polen sah.

Lewandowski ließ sich von dem Theater nicht beeindrucken, brachte weiter Leistung und schoss den BVB in die Champions League.

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