Wer ist der Beste? Der größte Hit von Silbermond hieß "Das Beste" und erschien 2006. © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/ Getty Images/ iStock

München - In den Charts sind Silbermond immer weit vorn. Im SPORT1-Interview sprechen Sängerin Stefanie Kloß und Bassist Johannes Stolle über Bayern, Leipzig und Toni Kroos.

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Silbermond sind eine der erfolgreichsten Bands in Deutschland.

Bis Oktober 2015 verkauften sie über fünf Millionen Tonträger. Neben der Musik ist beim Quartett aus Sachsen auch der Fußball ein großes Thema.

SPORT1 traf Sängerin Stefanie Kloß und Bassist Johannes Stolle zum etwas anderen Interview über RB Leipzig, den FC Bayern und Nationalspieler Toni Kroos.

SPORT1: Herr Stolle, Sie halten als Einziger die Bayern-Fahne hoch bei Silbermond. Wie wurden Sie Fan der Roten?

Johannes Stolle: Ich mag den Verein. Ich bin mit Mehmet Scholl groß geworden und bin da reingewachsen. Weil viele aus unserer Crew gegen den Verein sind, finde ich es erst recht gut, Bayern die Daumen zu drücken. (lacht) Ich sehe das nicht nur unter dem Aspekt, dass dieser Verein die meiste Kohle hat, sondern ich finde es für den deutschen Fußball gut, wenn ein Klub erfolgreich wirtschaftet, die Bundesliga im Ausland ordentlich vertritt und auf gesunden Füßen steht. So sehe ich den FC Bayern.

SPORT1: Die Münchner haben seit 2013 kein Finale in der Champions League erreicht. Wird das mit James Rodriguez besser?

Stolle: Das hoffe ich doch. James ist jedenfalls ein sehr guter Griff. Aber die Herausforderung für die Zukunft wird darin bestehen, dass man die Mannschaft etwas verjüngt. Man muss zu den Robbens und Riberys auch adäquaten Ersatz finden. Philipp Lahm hat leider aufgehört, Bastian Schweinsteiger ist schon seit 2016 weg. Irgendwann wird es immer schwieriger, denn die Oldies werden nicht ewig mithalten können. Ich bin auf die Strategie-Spielchen von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge gespannt.

SPORT1-Reporter Reinhard Franke (l.) traf beim Tollwood-Festival in München Stefanie Kloß und Johannes Stolle von Silbermond ©

SPORT1: Fußballprofis fahren fette Autos und zeigen Ihren Luxus ganz offen. Gibt es ein abschreckendes Beispiel?

Stolle: Wenn ein Kicker wie Pierre-Emerick Aubameyang viel Geld verdient und sich davon teure Dr. Dre-Beats-Kopfhörer leisten kann oder einen goldenen Audi R8, mit dem er jeden Tag zum Training fahren kann, dann soll er das machen, das ist doch sein Ding. Ich würde da niemanden von den Fußballern verurteilen.

Stefanie Kloß: Wir treffen aber auch nur die netten Fußballer. (schmunzelt) Toni Kroos ist so ein cooler, sympathischer und entspannter Typ. Er ist zudem hoch talentiert und bodenständig. Auch sein Umfeld ist völlig normal. Toni ist einfach ein super herzlicher Kerl. Wir sind keine dicken Freunde, aber er passt gut zu uns. Seine Frau mag unsere Musik ganz gerne. Dadurch haben wir immer wieder Kontakt miteinander und das ist einfach schön.

SPORT1: Sie sind eine Band des Ostens: Wie ist Ihre Meinung zu RB Leipzig?

Stolle: Ich verstehe, dass es kontroverse Meinungen zu RB gibt. Wenn sich da ein Milliardär einkauft und Red Bull ohnehin seine Finger im Spiel hat, dann verstehe ich, dass es für Neid, Missgunst und Anfeindungen bei anderen Fans sorgt. Aber eins ist doch klar: Jeder, der sich damit beschäftigt hat, kann wohl kaum abstreiten, dass hinter den Kulissen verdammt gute Arbeit geleistet wird. Und RB tut dem Ostfußball, der in den vergangenen Jahren am Boden lag, einfach gut. Ich finde das Projekt RB auch deshalb schon gut für die Bundesliga, weil sich dann nicht nur die Bayern oder Borussia Dortmund einen langweiligen Zweikampf um die Meisterschaft liefern. Mehr Spannung an der Spitze wäre dauerhaft gut.

SPORT1: Welche Rolle kann Leipzig in der Champions League spielen?

Stolle: Ich würde es mir wünschen, dass sie sich gut präsentieren und nicht gleich nach der Gruppenphase rausfliegen. Was ich sehr gut fand, war, dass die RB-Bosse einen Verkauf von Naby Keita kategorisch abgelehnt haben, obwohl der FC Liverpool bereit war, rund 70 Millionen für ihn zu zahlen. Das Geld hat also keine Rolle gespielt. In Leipzig baut man lieber auf das eigene Team. Ich finde es zu einfach zu sagen, dass sich da ein Milliardär eingekauft hat und plötzlich ist alles doof. Gerade als Ostdeutscher finde ich es gut, dass es RB Leipzig gibt und dass da erfolgreiche Arbeit geleistet wird.

Kloß: Ich habe mich natürlich auch mit RB auseinandergesetzt und finde, dass sie in Leipzig einen guten Job machen. Da wurde in der vergangenen Saison erfrischender Fußball gespielt. Ich informiere mich immer bei meinen Jungs in der Band, freue mich, wenn sie Fußball schauen, weil sie danach entspannt sind. Ich stelle auf jeden Fall nicht die typische Frauen-Frage 'Was ist Abseits?' Inzwischen richtet sich sogar unser Band-Zeitplan nach der Bundesliga und der Champions League. Ich bin froh, dass sie auf FIFA an der Konsole umgestiegen sind, da können sie sich nicht verletzen.

SPORT1: Hasan Salihamidzic ist der neue Sportdirektor. Eine mutige Entscheidung?

Stolle: Ja, aber ich mag mutige Entscheidungen. Eine "Nummer sicher" gibt es an dieser Stelle ohnehin nicht. Salihamidzic hat eine große Chance bekommen und wird sich nun beweisen müssen. Mit Blick auf die jüngsten Spielergebnisse steht seine erste Bewährungsprobe als Krisenmanager ja auch schon direkt ins Haus. Ich bin sehr gespannt auf seine Arbeit.

SPORT1: Was ist eigentlich zeitintensiver: Fußballprofi oder Musiker?

Kloß: Auf jeden Fall der Fußballer. Die Jungs können gar nicht locker lassen. Wenn du einige Fußballer in Interviews hörst, was sie nach ihrer Karriere sagen. Die dürfen keine Chips essen, kein Stück Pizza und selbst in der Sommerpause können sie nicht richtig locker lassen. Oft haben sie trotz guter Ärzte schwere Verletzungen, dann kommen sie zwar immer relativ schnell zurück, aber sie werden total aufgepäppelt und meiner Meinung nach zu schnell wieder belastet. Das ist ein Wahnsinn, was der Körper da aushalten muss. Ich möchte nicht tauschen. Wenn ich mal etwas mit meiner Stimme habe, dann sage ich mir auch 'Nicht zu schnell wieder einsingen', aber die Intensität, die ein Profi in den einen Körper stecken muss, ist wesentlich höher als die eines Musikers. 

Stolle: Von der Konstanz her müssen Fußball-Profis das ganze Jahr über hellwach und topfit sein. Beim Musiker ist es sehr zyklusmäßig, wenn man drei Monate im Studio ist und kreative Kopfarbeit leistet. Da darf man auch mal eine Pizza mehr essen, ohne vom Manager angeraunzt zu werden.

 

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