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München - Die Verpflichtung von Hasan Salihamidzic als Sportdirektor des FC Bayern ist ein klares Signal von Uli Hoeneß. Der SPORT1-Kommentar von Chefredakteur Digital Ivo Hrstic.

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55 Wochen hat es am Ende gedauert, bis die Kaugummi-Suche des FC Bayern nach einem neuen Sportdirektor beendet war. Jetzt ist es also Hasan Salihamidzic geworden. Dass es nun ein ehemaliger Bayern-Spieler kleineren Formats geworden ist, kommt für mich nicht mehr überraschend.

Längst war klar, dass es sich nach den zahlreichen hochkarätigen Absagen nur noch um eine B-Lösung handeln konnte. Salihamidzic ist ganz klar eine Notlösung, auch wenn alle bei seiner Vorstellung bemüht waren, das Gegenteil zu behaupten.

Der ehemalige Mittelfeld-Wühler ist zweifelsohne ein echter Sympathieträger. Als Spieler war er immer authentisch und positiv verrückt - womit er sich einst in die Herzen der Bayern-Fans spielte.

"Brazzo" (das Bürschchen) ist also eher ein Sportdirektor fürs Gemüt, fürs "Mia san mia". Er ist aber sicher kein Macher und Entscheider, der mit Entschlossenheit und einer Vision den anstehenden Kader-Umbruch der Bayern angeht.

Das war auch von Uli Hoeneß nie anders geplant. Der neue Sportdirektor ist klar als "Hoeneß-Transfer" zu bewerten und hat anders als Matthias Sammer keinen Platz im Vorstand. Auch wenn Bayern-Präsident Hoeneß auf Salihamidzic' Kompetenzen bei Spielertransfers verweist und der Bosnier offiziell der neue Vorgesetzte von Kaderplaner Michael Reschke ist - am Ende fehlen Erfahrung und Reife für diesen Posten.

Deshalb besteht die Gefahr, dass Salihamidzic zwischen den Alpha-Tieren Hoeneß, Rummenigge und Ancelotti ("Ein Sportdirektor hat nicht gefehlt") untergeht. Als geplantes Bindeglied zwischen Mannschaft und Entscheidungsträgern könnte er sich schnell aufarbeiten.

Dass Kandidaten wie Max Eberl, Oliver Kahn oder Philipp Lahm vor diesem Hintergrund nicht bei den Bayern einsteigen wollten, wundert mich nicht. Wer beim Rekordmeister was bewegen will, der muss mit Charakter, aber auch mit viel Kompetenzen gesegnet sein, um der erdrückenden Machtfülle von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge begegnen zu können.

Die eigentliche Botschaft der Pressekonferenz mit Hasan Salihamidzic war eigentlich die: Uli Hoeneß korrigiert mit aller Macht den in seiner Abwesenheit eingeschlagenen Weg des FC Bayern München.

Mit Hoeneß sollen wieder Fan-Nähe und talentierte Eigengewächse aus dem neuen Nachwuchsleistungszentrum eine größere Rolle spielen, als neue internationale Märkte und nüchterne Rekordumsätze.

Uli Hoeneß' Entscheidung für Hasan Salihamidzic ist sympathisch und riskant zu gleich.

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